Besuch der GvC Winterthur

Am Sonntag, den 07. November 2021, besuchte ich um 10:30 Uhr den wöchentlichen Gottesdienst der GvC Winterthur, ehemals GvC Chile Hegi. Diese befindet sich in Winterthur Neuhegi. Die Räumlichkeiten präsentierten sich als modern und gemütlich. Dies empfanden wohl auch die ca. 250 – 300 Personen unterschiedlichen Alters so, welche – aufgrund Corona – auf drei Räume aufgeteilt am Gottesdienst teilnahmen. Die Ankunft in der Parkarena, wo die meisten Personen mit Zertifikat sassen, empfand ich als einladend. Der gedimmte Saal, erhellt von blauem und pinkem Licht sowie die beleuchtete Bühne hatten etwas Vielversprechendes und die ruhige Worship-Pop-Musik, die im Hintergrund lief, wirkte beruhigend. Die Gottesdienstbesuchenden durften sich auf die Stühle direkt vor der Bühne verteilen sowie in die erhöht hintereinander gestaffelten Sitzreihen, welche sich in einem offenen Halbkreis um die Bühne befanden. Während die Besucher eintrafen und sich setzten, lief vorne bereits eine Powerpoint-Präsentation, welche Informationen zu kommenden Veranstaltungen, Angeboten und Projekten enthielt, darunter eine Päckliaktion (Essenspakete für Menschen in Bulgarien), eine Einladung zu einem Männer-Weekend sowie die Frage «Was ist eine Freikirche?» mit Link zur Webseite freikirchen.ch. Auch ein sogenannter «Visionskurs» wurde angeboten, um die Gemeinde kennenlernen zu können.

Fünf Minuten vor offiziellem Gottesdienstbeginn startete ein Countdown mit Video. Zu sehen war eine junge Frau, welche sich müde und abgekämpft durch einen Winterthurer Stadtteil bewegte, schliesslich zusammenbrach und auf dem Boden liegenblieb. Dabei wurden die Worte «Tempo», «Power» und «Dynamik» eingeblendet. In Ergänzung zur Frau auf dem Boden wurden Szenen einer weiteren Frau eingeblendet, die auf einer Bühne lag und ähnlich erschöpft wirkte. Im Gegensatz zur Frau auf der Strasse begann diese sich langsam zu regen und zur kraftvollen Musik zu tanzen. Der Videoclip wurde dabei von einem Ladezeichen überlagert, welches von 0% auf 100% anstieg.

Im Anschluss daran wurde das Publikum von Simone Siddiqui durch ein Gebet begrüsst. Darin dankte sie Gott für die anwesenden Personen, für seine Liebe zu den Menschen und forderte die Besuchenden zur gemeinsamen Anbetung auf. Diese gestaltete sich durch ein modernes, mitreissendes Lied, es handelte von Gottes vielen Eigenschaften. Schlagworte in diesem waren «almighty», «victorious», «only King» und «forevermore». Das Schlagzeug wirkte trotz Schallschutz lauter als die Sänger und anderen Instrumente, was dem Lied einen mächtigen Aspekt gab.

Vor der Predigt durften vier Familien ihre Neugeborenen «einsegnen» lassen. Dies bedeute, dass das Leben dieser jungen Menschen von dem Guten begleitet werden solle, welches man «über ihnen ausspreche». Die vier Familien durften nacheinander je einen Bibelvers für ihre Sprösslinge ziehen. Die Bibelverse und nachfolgenden Gebete handelten von den kostbaren und einzigartigen neuen Leben, dass die Kinder zu Personen mit starken Charaktern heranwachsen mögen, sie ein Segen für ihre Familien und Mitmenschen sein dürften, aber auch davon, dass Gottes Schutz und Gegenwart mit ihnen sei und die Kinder ein tiefes Gottvertrauen erleben dürften. Die Eltern sollten Liebe, Weisheit und Weitsicht erhalten in der Erziehung. Bis auf die Aussage, dass der Mensch grundsätzlich eine Sehnsucht nach Gott besitzt – es gibt Menschen, die nicht so empfinden – konnte ich den Einsegnungen nichts Negatives abgewinnen.

Die darauffolgende Predigt war Teil der Serie «Generations». Am Sonntag zuvor wurde über die sogenannte «Boomer»-Generation gesprochen, ich durfte der Predigt über die nachfolgende Generation X, kurz GenX, zuhören. Zu Beginn wurde eine kurze Radiosendung eingespielt, welche über das Zeitgeschehen in den Jahren 1965-1980 berichtete. Angetönt wurden unter anderem die Sowjetunion, die Berliner Mauer, Tschernobyl, die Opernhauskravalle und auch der Platzspitz. Diese Ereignisse wurden aber nicht genauer thematisiert. Der Prediger Timon Studler versuchte daraufhin, eine Definition der GenX zu geben. Sie sei die Generation gewesen, die ihn den Glauben gelehrt und vorgelebt habe. Eigenschaft der GenX sei eine frühe Selbständigkeit gewesen («Schlüsselkinder»), sie habe sich eine grosse Freiheit erkämpft und sich von den damaligen starren Gesellschaftsregeln befreit. Sie sei gebildet, lebe nicht wie ihre Eltern nur für die Arbeit und der Begriff «Work-Life-Balance» sei von ihr geprägt worden. Die heutigen Jugendlichen würden der GenX viel verdanken, auch wenn die GenX selbst Schwierigkeiten gehabt hätte, mit der grossen Freiheit umzugehen. Timon Studler sprach daraufhin von der GenX heute und der Sinnfrage, die sich nun vor der Pensionierung wieder stelle. Da die nachfolgenden Generationen die GenX nun entlasten, müsse sie sich mit Achtsamkeit und Selbstfindung beschäftigen. Er verglich die aktuelle Lebenssituation der GenX mit den Jüngern, welche nach Jesus’ Tod nicht weiterwussten. In der Bibel sei Jesus den Jüngern in dieser Leerlaufphase erschienen und habe Petrus den Auftrag gegeben, sich von nun an von jemand anderem führen zu lassen. Früher habe Petrus, als er noch jung war, selbst entschieden, was er tun wolle, nun sei es an der Zeit, den Auftrag von jemand anderem auszuführen. Genau so solle sich auch die «erfahrene, kreative und auf ihren ehrlichen Glauben geprüfte GenX» – die den Mitmenschen deshalb nichts vormache – erneut dafür entscheiden, «Jesus nachzufolgen.» Was diese Nachfolge beinhaltet, wurde nicht genauer definiert. Am Ende wurden alle Personen im Saal mit Jahrgang 1965-1980 aufgerufen aufzustehen, und es wurde ein Gebet speziell für diese Generation gesprochen. Im Gebet wurde der Generation unter anderem für ihre Fragen an die Welt, die Kirche und den Glauben gedankt und es wurde ein Bibelvers erwähnt, der auf das Neue verweist, das Gott in Zukunft tun wolle. Man solle nicht in der Vergangenheit verweilen.

Die Predigt war informativ, aber auch allgemein gehalten. Der Fokus lag auf der Wertschätzung der Besuchenden und während den fast eineinhalb Stunden sind viele aufbauende Worte gefallen. Dies ist attraktiv, denn jeder hört gern ein Lob. Ansonsten wurden grosse Fragen des Lebens angetönt, diese jedoch nicht konkret beantwortet. Man könnte sagen, den Besuchenden wurde der Freiraum gelassen, sich selbst eine Antwort zu geben. Die GenX sollte sich fragen, ob sie «versöhnt sei mit Gott» und wo sie momentan stehe. Die anderen Generationen sollten sich fragen, was sie von der GenX lernen könnten, ob sie etwas mit der GenX zu bereinigen hätten und ob sie mit der GenX mehr «connecten» sollten.

Die darauffolgenden Lieder besagten, Gott sei ein Tröster, ein Hirte, und für den Menschen «zum Äussersten» bereit. Ansonsten zeige sich Gott in der Schöpfung und sei von Allem der Ursprung. Man solle Gott in jeder Situation danken, egal wie schwer sie sein mag. Die Lieder waren mehrheitlich Mundart-Worship, wenige auf Hochdeutsch oder auf Englisch. Ganz zum Schluss gab es einen Spendenaufruf und einen Verweis auf den «Next Step Desk», falls man noch Fragen zur Kirche oder spezifischen Angeboten habe.

Alles in allem war es ein moderater Gottesdienst, der es vermochte, die Menschen in eine geborgene Atmosphäre mitzunehmen. Diese Stimmung wurde jedoch vertrieben, als am Ende die Rolläden hochgingen und das helle Tageslicht in den Raum einfiel. Der Kontrast zwischen «heiler Welt» und Alltag war spürbar.

Lilian Zwygart, 9. November 2021

Lexikoneintrag GvC Bewegung

Hohle Welt und unbeseelte Menschen – Love Stream 8 mit Christina von Dreien

Am 25. Oktober, von 19.00 bis 21.30 Uhr, fand der achte Love Stream von Christina von Dreien statt. Diese Streams sind Webinare, also online durchgeführte Seminarkurse, die Christina und ihr Team vom Planet One aus durchführen – ein Streaming-Event-Restaurant am Bodensee in Arbon. Auf der Homepage wirbt das Restaurant explizit mit der Möglichkeit, von gemieteten Räumlichkeiten aus Darbietungen wie Vorträge, Lesungen, Theater- und Musikaufführungen für ein Publikum online zu streamen.

Übertragung aus dem Restaurant «Planet One» in Arbon

Begrüsst wurden die Teilnehmenden von der Event-Managerin Nicola Good, die, wie Christina, auf einem schwarzen Sofa vor der Frontalkamera platzgenommen hatte – an dieser Aufstellung und dem ersichtlichen Hintergrund änderte sich während der gesamten Seminarlänge nichts: das kleine, schwarze Sofa, ein in warmer Farbe leuchtender Kristallstein und eine Pflanze auf der Sitzseite von Christina. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten drückte die Managerin ihre Freude über das grosse und vor allem internationale Publikum aus. Laut eigenen Angaben haben nicht nur Menschen aus der Schweiz, sondern auch solche von Neuseeland, Australien, Kanada, Norwegen und Finnland zugeschaut. Ich als Seminarbesucherin hatte weder auf eine Teilnehmerliste, noch auf die Bildschirme des restlichen Publikums Zugriff, weshalb diese Aussage nur schwer überprüfbar ist. Trotz dieser überstaatlichen Zuschauerschaft wurde ausschliesslich auf Deutsch gesprochen, jedoch darauf hingewiesen, dass Christina neu jeden Freitag Interviews mit englischer Übersetzung durchführt. Übersetzerin ist dabei Nicola. Anschliessend erklärte sie den Aufbau der Veranstaltung: Im Rahmen der ersten Hälfte werde Christina «aus dem Moment heraus sprechen» und auf Themen eingehen, die ihr aktuell besonders auf dem Herzen liegen. Dann, nach einer 20 minütigen Pause, werde sie auf Fragen der Teilnehmenden eingehen. Die Fragen konnten Christinas Team im Vorhinein zugeschickt werden, wie man nach Anmeldung und Bezahlung der 48.47 CHF. für den Love Stream informierte wurde.

Beseelte und unbeseelte Menschen

In die erste Seminarhälfte ist Christina mit der Unterscheidung zwischen beseelten und unbeseelten Wesen eingestiegen, wobei diese Unterteilung auch auf Menschen, Tiere und Gegenstände übertragen werden kann. Der Gruppe der unbeseelten fehlt die ausschlaggebende göttliche Liebesverbindung, weshalb sie nicht in der Lage sind, Emotionen wie Mitgefühl oder Liebe zu verspüren. Solche «Unlichtwesen», wie sie Christina auch nennt, sind die direkten Verursacher aller üblen Dinge der Welt. Ob bei «komischen» oder «schlechten» Geschehnissen, als Sündenböcke kann also mit dem Finger auf sie gezeigt werden.

Üble Ausserirdische und die hohle Erde

Diese Vorstellung verbindet Christina mit einer weiteren Theorie, welche stark an die Reptiloiden-Verschwörungserzählung des Briten David Icke erinnert: Bereits seit mehreren 1000 Jahren sollen sich Ausserirdische auf der Welt «inkarniert» haben. In verschiedenen Rassen und Zivilisationen gruppiert, sind sie zu unterschiedlichen Zeiten und aus sich divergierenden Beweggründen auf die Welt gelangt. Auch unter ihnen befinden sich solche mit und solche ohne Seele, wobei erstere zur guten Sorte gehören und den Menschen eine Hilfe sind, letztere aber zu den Unlichtwesen zählen. Gewisse verweilen nun auf der Erdoberfläche, andere wiederum in einer «inneren Welt». Laut Christina handelt es sich dabei um einen von mehreren «innerirdischen Zivilisationen» bewohnten Hohlraum unter dem Erdboden, der über verschiedene Eingänge betreten werden kann – keinesfalls eine neue Überzeugung. Die Anfänge der Hohlraumtheorie lassen sich zurückverfolgen bis ins 17. Jahrhundert. Nebst den Ausserirdischen und der weltlichen Regierung – und jetzt natürlich Sie als Leser oder Leserin dieses Berichtes sowie Christinas Anhängerschaft – weiss allerdings niemand von dieser Innenwelt. Die Zeitungen und Massenmedien berichten (bewusst) nicht davon. Dass die unterirdische Welt geheim gehalten wird, liegt dabei auch im Interesse der Regierung, da sie den Hohlraum für Forschungszwecke (mit-)benutzt. Mithilfe «riesiger Anlagen» werden bspw. Mischexperimente zwischen Mensch und Tier durchgeführt, aus welchen die aus der Mythologie bekannten Mischwesen entstanden sind.

Die Menschen als Sklaven der Ausserirdischen

Wie allen Unlichtwesen, fehlt den unbeseelten Ausserirdischen nicht nur die göttliche Liebesverbindung, sondern auch die damit zusammenhängende «Schöpferkraft». Sie sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft heraus etwas zu erschaffen oder zu verwirklichen und deshalb auf die beseelten Menschen als ihre Handlanger angewiesen. Durch die Verbreitung von Angst und dem Einsatz von Drohungen, versetzen die Ausserirdischen ihre «Sklaven» in einen leicht zu manipulierbaren Zustand, in welchem sie einfacher für eigene geschmiedete Pläne und Vorteile ausgebeutet werden können. Das ist auch der Grund, weshalb die Unlichtwesen in die menschliche DNA eingegriffen haben. Indem die ursprünglichen 12 DNA-Stränge auf zwei reduziert wurden, konnte das «volle Potenzial der Menschen ausgeschaltet» werden – auch das eine über das Christina-von-Dreien-Universum hinaus bekannte und weitverbreitete Theorie. An dieser Stelle machte Christina deutlich, dass sie die Evolutionstheorie ablehnt.

Aufgewachte, Narkotisierte und leere Hüllen

Während ihren Ausführungen betonte sie immer wieder, dass «das Aufwachen» eine Möglichkeit ist, um sich gegen die Ausbeutung zu schützen. Dazu braucht es die Erkenntnis der eigenen Multidimensionalität sowie Einsicht in die Pläne der Verschwörungsgruppe (zusammengesetzt aus den «bösen Ausserirdischen» und anderen Unlichtwesen), welche insgeheim das weltweite Geschehen beeinflusst und kontrolliert. Ohne zu wissen, was sich auf der Welt wirklich ereignet, können sich die Menschen auch nicht «für das Gute und gegen das Böse» entscheiden. Als metaphorische Darstellung nannte Christina die Matrix. Diese könne man sich als «künstliche Umhüllung» vorstellen, innerhalb welcher uns eine so eigentlich nicht existente Realität vorgegaukelt wird. Wacht eine Person aus dieser Illusion auf, schiesst sie automatisch ein Loch hindurch. Je mehr Menschen den schrittweisen Prozess des Aufwachens durchmachen, desto instabiler wird die Matrix. Dasselbe gelte nun auch im Kampf gegen die Unlichtwesen: Je mehr Menschen die Wahrheit erkennen und für das Ideal einer «heilen Welt» ohne Unlichtwesen und künstliche Intelligenz einstehen, desto unwahrscheinlicher wird ihre Ausbeutung. Doch nicht alle Menschen sind dazu in der Lage. Unter den «noch komplett in der Narkose liegenden Meschen» gibt es auch solche, die die für das Aufwachen benötigte «seelische Stärke» gar nicht besitzen. Zum Beispiel sind das Personen, die ihren «seelischen Halt» anstatt bei sich selbst in physischen Dingen suchen – «Leere Hüllen», wie sie von Christina genannt werden. Nebst solch schlafenden Menschen sind auch Roboter und andere künstliche Intelligenzen nicht in der Lage die Wahrheit zu erkennen, da ihnen dazu ein bestimmtes «Energiefeld» fehlt. Die Behauptung, nicht alle Menschen besitzen die Fähigkeit zum Aufwachen, ist neu. Es kann angenommen werden, dass sie Christina und ihrem Team als Rechtfertigungsstrategie für die nicht weiter ansteigende Anhängerschaft dient.

Pause und Fragestunde

Um 19.57 Uhr kündigte Nicola Good eine Pause von 15 Minuten an. Die Kameras waren für dieses Zeitfenster zwar ausgeschaltet, man konnte jedoch dem Lied «Dona Nobis Pacem I» von Alexander Aandersan lauschen.

In der zweiten Seminarhälfte wurde auf die von der Zuschauerschaft erbrachten Fragen eingegangen. Dabei erinnerte der Ablauf an ein Interview oder gar Verhör: Nicola stellte die Fragen, gab Inputs und hackte bei Unklarheiten nach, Christina reagierte und gab die Antworten.

Für Geimpfte besteht Hoffnung

Laut eigenen Angaben hatte die Mehrheit der Teilnehmenden Bedenken bezüglich der COVID-19 Impfung geäussert. Demnach haben sich vor allem bereits geimpfte Personen ratsuchend an Christina gewendet und gefragt, wie mit persönlichen Unsicherheiten und kritischen Einwänden umzugehen ist. Diese erklärte dann, dass man «den eigenen Geist darum bitten kann, die durch die Impfung in den Körper gelangten Substanzen zu neutralisieren». Auch könne man nach «natürlichen Mitteln» suchen, mit welchen möglichst viele der Substanzen wieder aus dem Körper herausbefördert werden können.

Paradoxe Botschaften

Als einen weiteren Punkt riet Christina den Zuschauenden, «sich Vorräte anzuschaffen». Abgesehen von der aktuellen Pandemielage sei dies eine gute Vorbereitung «für das, was die Unlichtwesen planen». Genauer spezifizieren konnte sie diese Aussage nicht, weil niemand wisse, was dieser Plan im Detail beinhalte. Falls dann wirklich etwas geschehen sollte, sei man mit einem Vorrat gewappnet und dazu in der Lage, «die eigene Schwingung aufrecht zu erhalten». Angesichts dessen, dass die bösartigen Unlichtwesen auf die Angst der Menschen angewiesen sein sollen, scheint dieser Tipp paradox. Denn er lässt einem mit einem unguten bist fast schon ängstlichen Gefühl zurück.

Nicola Good als Ersatzmutter?

Insgesamt erstaunt Christinas Auftreten. Bei einem esoterischen Medium mit einem solch umfassenden Publikum erwartet man eine charismatische, argumentativ starke Persönlichkeit. In Wahrheit begegnet man einer 20jährigen, schüchternen Frau, die immer wieder nach den richtigen Worten sucht und peinlich berührt lacht, wenn ihr eine Aussage nicht gelingt. Während der gesamten Love Stream-Länge hat sie nur wenige Male direkt in die Kamera gesprochen, die meiste Zeit schaute sie entweder in eine Ecke, auf den Boden, oder dann zu Nicola. Auch das Verhältnis der beiden Frauen scheint auffällig: Obwohl Nicola Good «nur» als Managerin eingestellt ist, scheint sie mittlerweile eine Art Bewacher- bis fast schon Mutterrolle übernommen zu haben. Immer wieder hat sie Christina bei der Beantwortung der Zuschauerfragen auf die Sprünge geholfen, ganz spezifische Antworten von ihr verlangt oder selbst längere Inputs gegeben. Nicht wenige Male kam es zwischen den beiden zu Missverständnissen und Unstimmigkeiten.

Trotz dessen stellt sich Christina ganz klar als spezielle Person dar, was auch von Nicola während des Streams immer wieder stark betont wurde. So erzählte sie, dass Christina als allererstes das «Energiefeld» und nicht die äussere Erscheinung eines Menschen sieht. Sie verfüge somit über eine besondere Wahrnehmung, deren Funktionsweise sich stark von jener «normaler» Menschen unterscheidet. Auch habe sie sich ganz bewusst dazu entschieden, zu früh auf die Welt zu kommen, um «das Bewusstsein leichter mitzunehmen».

Zum Schluss wurden wir Zuschauenden zu einer gemeinsamen, fünfminütigen Meditationseinheit aufgerufen, in welcher man sich mit dem eigenen «Lichtkörper» verbinden sollte. Dazu wurde erneut das Lied von Alexander Aandersan im Hintergrund abgespielt. Bevor das Meeting dann definitiv beendet wurde, bedankte sich Nicola bei Christina für «ihre Worte und ihren grossen Willen» und bei den Teilnehmenden für das Zuhören. Als letzte eingeblendete Folie folgte eine Werbung für von Christina produzierte Kärtchen.

Asia Petrino, 29. Oktober 2021

Tagung «Das spirituelle Lied im 21. Jahrhundert» am 4. Dezember 2021 in Rüti ZH

Die Vielseitigkeit der modernen religiösen Landschaft spiegelt sich in den unterschiedlichen Formen spiritueller Lieder der Gegenwart: Trendige Lobpreislieder, innige liturgische Gesänge, Mantra-Musik, Meditationsklänge und moderne kirchliche Lieder wollen den modernen Menschen in aktueller Weise ansprechen. Ebenso vielgestaltig sind die Funktionen, die Lieder in spirituellen Gemeinschaften haben können: Sie unterstützen das Gebet, bringen Glaubensinhalte zur Sprache, betonen ethische Prinzipien, trösten im Leid und wecken Hoffnung für die Zukunft. In radikaleren Gemeinschaften können Lieder auch die Verehrung der Leitungspersonen und die Abgrenzung gegen aussen bekräftigen.

Die Tagung «Das spirituelle Lied im 21. Jahrhundert», die am 4. Dezember 2021 in Rüti stattfindet, will der Frage nachgehen, welche Trends sich im Bereich des spirituellen Lieds im 21. Jahrhundert zeigen, welche Herausforderungen sich ergeben, und wo die Chancen des Gesangs in religiösen Gemeinschaften liegen. Die Kirche im Prisma Rapperswil und der Hare Krishna Tempel Zürich werden ihr Liedgut vorstellen, zwei renommierte Liedautoren, Charles Lewinsky und Georg Schmid, werden Einblick in ihre Arbeitsweise geben, und zum Abschluss werden gemeinsam mit dem Reformierten Kirchenchor Rüti Kostproben moderner spiritueller Lieder gesungen.

Der Flyer der Tagung findet sich hier:
https://www.relinfo.ch/wp-content/uploads/2021/10/Flyer-Tagung-Spirituelles-Lied.pdf

Zur Tagung sind alle herzlich eingeladen, Anmeldung wird erbeten online unter der Adresse:
https://www.relinfo.ch/veranstaltungen/

Relinfo, 29. Oktober 2021

«Allen Menschen Gutes tun, insbesondere den Glaubensgeschwistern» – Besuch des 3. Marktplatzes der Christlichen Geschäftsleute Schweiz CGS

Am Donnerstagabend, dem 30. September 2021 um 17:00 Uhr, besuchte ich den 3. Marktplatz der Christlichen Geschäftsleute Schweiz (CGS) im Restaurant Meal & More in Regensberg. Zuvor fanden vergleichbare Marktplätze schon in Bern und Baar statt. Das Kernanliegen der CGS ist es, die bereits über 700 Mitglieder miteinander bekannt zu machen, um geschäftliche Beziehungen zu stärken. Die Haupttätigkeit der CGS besteht im Erstellen eines Mitgliederverzeichnisses, das Schalten von Inseraten auf ausgewählten Webseiten sowie im eigenen Katalog und das Organisieren von Apéros, an welchen sich Geschäftsleute kennen lernen können. Das Motto der CGS – angelehnt an Galater 6,10 – ist auf der Website zu finden und lautet «Allen Menschen Gutes tun, insbesondere den Glaubensgeschwistern.» Die Organisation CGS wurde 1984 vom GfU-Prediger Fritz Schmutz gegründet und konnte seitdem laufend neue Mitglieder verzeichnen.

CGS arbeitet eng zusammen mit livenet.ch, dem grössten christlich-evangelikalen Onlineportal der Schweiz sowie christian-leaders.net, einem Onlineportal speziell für christliche Führungskräfte. In der Schweiz finden sich drei weitere vergleichbare Unternehmen, die mit CGS zusammenarbeiten: Die «Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute und Führungskräfte» (IVCG), die «Schule für biblische Geschäftsprinzipien» (SBG) sowie das «globale Netzwerk von Christen in der Geschäftswelt» (ICCC, von «International Christian Chamber of Commerce»).

Marktplatz

Als ich am Veranstaltungsort eintraf, wurde ich direkt durch christliche Lobpreis-Live-Musik von David Dienst Schweiz begrüsst. Da dieser Stand das Erste war, was man erblickte, meinten viele, dass man bei Ihnen einchecken könne, und nicht etwa am Tisch um die Ecke, an dem der Präsident von CGS, Markus Hess, sass. Nach Vorzeigen des Covid-Zertifikats erhielt ich auch gleich ein Namenstäfelchen mit Firmennamen «Relinfo». Das Tragen einer Maske wurde aufgrund zunehmend bekannten Impfdurchbrüchen empfohlen, jedoch hielt sich kaum jemand daran. Das Sich-Kennenlernen funktioniert eben doch besser ohne Maske.

An diesem Marktplatz vertreten waren gemäss Einladung 38 Organisationen, darunter unter anderem ein Architekturbüro, ein Immobilienhändler, ein Pasta-Hersteller, eine Sprachschule, ein Händler von Schallplattengeräten und CD-Playern, die Quellenhof-Stiftung, ein Gedanken-Coach, die christliche Zeitschrift «idea» sowie im Vergleich zu den anderen Ständen überproportional viele Hilfs- und Missionswerke, insgesamt sechs an der Zahl. Auch konnte ich einen Stand des adventistischen Hilfswerks ADRA ausmachen. Wie mir eine Anbieterin erzählte, habe es vor offiziellem Beginn des Marktplatzes eine interne Vorstellungsrunde gegeben, wo sich alle Unternehmenden schon kennenlernen konnten, bevor die Gäste eintrafen. Insgesamt zählte ich ungefähr 50-60 anwesende Personen.

Besondere Eindrücke

Im Verlaufe des Abends sind mir folgende EIndrücke besonders im Gedächtnis geblieben:

Das christliche Hilfswerk OM Schweiz berichtete mir unter anderem von ihrem Schiff «Logos Hope» und dem Vulkanausbruch, der sich am 10. April 2021 auf der Karibikinsel St. Vincent ereignete. Trotz Warnungen und der Empfehlung, abzudrehen, lief die Logos Hope im Hafen ein und die freiwilligen Mitarbeiter verteilten Hilfsgüter aus Curaçao unter den Einheimischen. Ausserdem konnten die Bewohner der Insel durch die Entsalzungsanlagen auf dem Schiff mit frischem Wasser versorgt werden. Viele Personen seien mit Kanistern und Flaschen zum Schiff gekommen und durften sich versorgen.

An einem weiteren Stand war ein Flipchart aufgebaut, auf welches man grüne Punkte kleben konnte, um seine Resilienz zu prüfen. Die Fragen lauteten unter anderem, wie gross die Eigenverantwortung sei, wie stark man sich von äusseren Umständen bestimmen lasse und wie zukunftsorientiert man sei. Die meisten Antworten bewegten sich in einem guten Mittelmass, und man konnte keine spezifische Tendenz ausmachen bis auf die des «Optimismus.» Bei der Frage, ob das Glas bei Schwierigkeiten halb voll oder halb leer sei, lag die Tendenz erstaunlich klar bei «halb voll.» Ich werte dies als einen Hinweis darauf, dass ein Grossteil der anwesenden Personen eine besonders starke Zuversicht im Leben hat.

Gespräch mit Präsident Markus Hess

Natürlich nutzte ich die Chance, und ich durfte mit Markus Hess sprechen, der mir bereitwillig Auskunft erteilte. Dabei betonte er, dass CGS kein evangelistisches Netzwerk sei (wie es eine Partnerorganisation handhabe), sondern es vor allem um die Vernetzung und den wirtschaftlichen Erfolg der Mitglieder gehe. Trotzdem sei momentan eine Diskussion im Gange, ob das CGS in Zukunft nicht auch einen evangelistischen Zweck haben könne, wie Markus Hess in einem Nebensatz erwähnte. Er erzählte mir auch, dass das CGS keine Erwartungen an Bewerbende hege und man bereitwillig jeden aufnehme. So erkläre ich mir auch die anwesende Zeitschrift der Adventisten. Es sei zu schwierig, zu definieren, was einen christlichen Geschäftsmann genau ausmache, und deshalb schaffte man den Kodex ab, den es vor einigen Jahren noch gegeben hat. Trotzdem vertritt CGS christlich-evangelikale Standpunkte, welche auch auf der offiziellen Website nachzulesen sind. Markus Hess räumte auch ein, dass etwa 95% aller Mitglieder einen freikirchlichen Hintergrund hätten und es nur wenig Andere gebe, die sich mit CGS identifizieren könnten.

Lilian Zwygart, 1. Oktober 2021

Lexikoneintrag Christliche Geschäftsleute Schweiz CGS

«Siegreich durch Jesus» – Besuch des Twenties-(Zwänzger)-Gottesdienstes beim ICF Zürich

Letzten Freitagabend, 24. September 2021, um 20:15 besuchte ich mit einigen Freundinnen den wöchentlich stattfindenden Abendgottesdienst des ICF Zürich. Ich hatte schon öfter vom ICF gehört und den vielen Besuchenden, die jeweils teilnehmen würden. Der Anlass fand im Untergeschoss in kleineren Räumlichkeiten der Samsung Hall in Stettbach statt. Da meine Freundinnen noch auf jemanden warteten, ging ich schon etwas früher zu den Mitarbeitenden am Eingang, welche alle ein T-Shirt mit der Aufschrift «Welcome Home» trugen und mich sehr freundlich begrüssten.

Gottesdiensträume für Menschen mit und ohne Zertifikat

Nachdem ich mein Zertifikat vorgewiesen hatte, durfte ich dem ca. 50m langen Flur folgen. Schon von weitem hörte ich die mitreissende Musik der Band, welche mich in eine gewisse Vorfreude versetzte. Im Raum angekommen wurde ich von weiteren Personen des Empfangskomitees begrüsst, welche mir auch gleich einen Platz im Raum zuwiesen. Auf ihre Nachfrage hin, mit wie vielen Personen ich gekommen sei, nannte ich die Zahl meiner Freundesgruppe. Leider blieb die Reihe kurz darauf leer, welche neben mir für meine Freundinnen reserviert worden war. Wie ich am Ende des Gottesdienstes erfahren sollte, hatten zwei meiner Freundinnen kein Zertifikat, und so wurden sie alle in einen Nebenraum geführt, von wo aus sie mit ca. 20 anderen Personen das Geschehen im Hauptsaal live über eine Leinwand mitverfolgen konnten. Insgesamt wurden für den Anlass drei Räume genutzt, für den Grossteil mit Zertifikat den «Club», und für die zwei Livestreams das «Galaxy» und den «Stettbacher».

Im Hauptraum befanden sich ca. 70 Personen, von welcher ich keine auf älter als 30 Jahre schätzen würde. Auch schien niemand jünger als 20 Jahre zu sein. Somit wurde das Publikum auch altersmässig der Bezeichnung des Anlasses gerecht, der ja «Twenties» lautete, und umgangssprachlich immer noch mit dem älteren Namen «Zwänzger» bezeichnet wird.

«Life to the full»

Zu Beginn hörte man zwei schweizerdeutsche Lieder des ICF, bei welchen schon viele Personen aus dem Publikum begeistert mitsangen. Auch ich genoss die ausgelassene Stimmung die herrschte, auch wenn sich meine Begeisterung auf ein Fusswippen beschränkte.

Nach der einstimmenden Musik folgte ein Gebet des Moderators Lukas Jungen, in welchem er die Botschaft des Liedes «Zufluchtsort» noch einmal aufgriff, und die Gottesdienstbesucher, die «Fründe», dazu aufforderte, die Botschaft «zu ihrem eigenen Herzenswunsch zu machen», also dass sie «ihr Leben und Herz selbst Gott hinlegen» sollten, und Gott dann damit tun könne, was er wolle. Diese Aufforderung und das die Anwesenden leitende Gebet wurde begleitet von ruhiger Musik der Band. Anschliessend dankte Lukas Jungen Gott noch dafür, dass «sein Heiliger Geist uns Menschen und unsere Herzen verändere», und er sprach davon, dass Gott an diesem Abend zu jeder Person im Raum persönlich reden will. Erst ca. 15min nach dem offiziellen Beginn um 20:15 folgte die Begrüssung und die Information, dass einige Personen nebenan den Livestream verfolgen würden. Passend zum Predigtthema trug er ein Sweatshirt mit der Aufschrift «Life to the full».

«The Vision is Jesus»

Die darauffolgende Predigt von Dominik «Dom» Haab war Teil der sogenannten Predigtserie «The Vision is Jesus». Dom startete gleich mit der Frage, ob die Kirche überhaupt noch relevant sei. Seine Antwort darauf lautete, dass Jesus Lebenssituationen belebe, was er auch selbst schon oft erlebt habe. Es folgte eine spontan wirkende Unterbrechung, da er seinen Stehtisch – sein Rednerpult – etwas nach rechts rücken musste. Er füllte die Pause mit dem Witz, dass er es «gerne etwas rechts habe», was auch ein paar Leute aus dem Publikum zum Lachen brachte. Anschliessend wiederholte er seine Aussage von zuvor, dass Jesus belebe, und belegte seine Aussage mit einer Bibelstelle aus Offenbarung 21,6, wo es heisst, dass «Jesus dem Durstigen umsonst zu trinken» gebe. Darauf räumte Dom zwar ein, dass es noch Schmerzen und Tränen auf Erden gäbe, doch Jesus mache aus jedem «hoffnungslosen Fall» – ihm und mir eingeschlossen – etwas. Er tue dies aus Gnade, doch müsse man sich dafür «konstant auf Gottes Wort, seine Wahrheit und seine Liebe ausrichten», um einen «veränderten Charakter» zu erhalten. Dafür dürfe man «sich selbst nicht limitieren», man dürfe keinem anderen Menschen «Schuld anhängen», und man soll sich dafür ebenso keine Selbstvorwürfe machen. Denn dies seien alles Ausreden, «sich nicht wirklich freimachen zu wollen», und man verharre in einer Opferrolle. Für die «wahre Freiheit» brauche es jedoch drei Dinge: Man solle wie Jesus «mit dem lebendigen Wort» kämpfen, und nicht auf «gut gemeinte Ratschläge» hören. Diese Absolutierung und Abwertung der gut gemeinten Ratschläge liess mich erst aufhorchen, jedoch erläuterte er gleich darauf, dass man glauben solle, dass man «gewollt sei, kein Zufallsprodukt sei, und Gott einen Plan mit einem habe». An dieser schönen Botschaft habe ich nichts auszusetzen, jedoch hätte ich gerne gehört, woran er denn mit den «gut gemeinten Ratschlägen» dachte.

Ding Nr. 2 zur «wahren Freiheit» sei, dass man denen, die schuld seien, vergeben solle. Denn das Behalten belastender Aussagen sei «Götzendienst». Ebenso solle man sich selbst vergeben und die «Liebe des Vaters» empfangen. Scham und Selbstanklage seien falsch, denn Jesus sagt ja, dass er einen «aus Barmherzigkeit gerecht» sehe. Zu hohe eigene Ansprüche würden dagegen sprechen. Diese zum Teil sehr persönliche Themen wurden dabei begleitet durch ruhige Musik, was eine geborgene und tröstende Atmosphäre schaffen soll. Ich fühlte mich an manchen Stellen etwas bedrängt durch die Thematisierung einiger ziemlich persönlicher Themen in einer solch öffentlichen Veranstaltung. Dom schien dies vielleicht sogar bewusst zu sein, denn er sprach die Hintergrundmusik an, indem er der Band für ihre Musik dankte und meinte, die Musik sei ein Tool dafür, dass die Worte wie Honig, wie Medizin «besser runter» gingen.

Flüche und Dämonen

Punkt Nr. 3 sei die Möglichkeit von Flüchen, welche einen von der «wahren Freiheit» abhalten würden. Dafür erläuterte er, dass die geistliche Welt (konkret: dämonische Mächte) «uns zerstören» wollen würden. Doch Jesus und sein Blut sei «in der Mehrheit», und man könne diese «durch Jesus» besiegen. Um dies zu belegen, sprach er von vier persönlichen Erlebnissen, an welcher eine «dämonische Macht» beteiligt gewesen sei. Er sprach zunächst von einer 18-jährigen Frau, aus welcher ein Dämon mit einer tiefen Männerstimme gesprochen habe. Er führte diese Begebenheit nicht weiter aus. Darauf sprach er von seinem Militärdienst, in welchem er in einer Gruppe von 10 Männern für seinen Kameraden gebetet habe, woraufhin dieser sich habe übergeben müssen und seine Kameraden gestaunt hätten. Die dritte Begegnung sei in seiner Familie geschehen, nachdem er umgezogen sei, und die Familie erst dann Schlaf gefunden habe, nachdem seine Kinder durch das ganze Haus gegangen seien, um dieses mit Öl zu besprengen. Die letzte Begegnung, welche einen Beleg für die Existenz dämonischer Mächte sei, geschah an einer seiner Kühe. Dom sei Bauer, und als eine seiner Kühe hohes Fieber hatte und er diese mit Antibiotika behandelte, hätten die Medikamente nichts genützt. Erst nachdem er der Kuh «die Hände aufgelegt» hätte, ging es dieser am nächsten Morgen wieder gut. Er betonte nach dieser Begebenheit, dass er keineswegs gegen Medikamente sei, jedoch seien in dieser Situation wirklich andere Dinge die Ursache gewesen.

Damit wir als Zuhörende selbst gegen dämonische Mächte vorgehen könnten, müssten wir einfach sagen «Use! Nöd bi mir!», denn durch den «Blutschutz von Jesus» seien wir mächtiger als Dämonen.

Zum Ende der Predigt kam er noch einmal auf Selbsthass und Selbstzweifel zu sprechen, hier würde ein Gebet helfen.

«Radikal sein für Jesus»

Im Anschluss an die Predigt wurden noch einmal drei Lieder gesungen. Das erste besass nur einen kurzen Text und wurde dafür sehr oft wiederholt und immer mehr gesteigert. Es wirkte wie eine Proklamation. Häufig vorkommende Zeilen waren «you’re the wonder-working God» und «you’re too good to not believe», wobei sich dies auf Gott bezieht. Es kam ein für das ICF typischer Liedübergang und es wurde «God of Revival» gespielt. Darauf folgte ein Lied, welches von einem Leben handelte, in dem Gott immer bei einem ist. Nach einem weiteren Gebet wurde noch um die Kollekte gebeten, während welcher Lukas Jungen erläuterte, was auf der Seite eines Fünffrankenstücks stehe: «Dominus providebit» bedeute so viel wie «der Herr wird versorgen». Während der Kollekte, die durch den Song «Arcade» von Duncan Laurence begleitet wurde, war durchgehend die Aussage «Deine Grosszügigkeit macht einen Unterschied» eingeblendet. Die Besucher wurden verabschiedet mit den Worten, dass «Radikal sein für Jesus cool» sei, und diese Welt Menschen brauche, die «frei und klar seien, und lieben könnten.» Weshalb säkulare Menschen dies nicht seien und könnten, fand ich fragwürdig.

Pommes und Getränke

Die Besucher wurden im Anschluss an den Gottesdienst eingeladen, noch draussen an der Feuerschale zu verweilen, und beinahe alle Besucher schienen das Angebot in Anspruch zu nehmen. Es waren viele Tische aufgebaut, eine bunte Lichterkette spendete gemütliches Licht, und es gab Pommes Frites und Getränke zu konsumieren.

Ich verliess den Anlass ziemlich vergnügt, und abgesehen von den vielen, für evangelikale Anlässe typisch vagen, teils wirren Formulierungen, bei welchen ich nicht immer verstehe, was genau gemeint ist, fühlte ich mich wohl im ICF. Ob ich gut gelaunt war, weil ich etwas Positives mitnehmen konnte, ob es die Musik war oder ob es einfach nur die leichte Erschöpfung nach diesen eineinhalb intensiven Stunden war, kann ich nicht genau sagen. Bis auf die Umsetzung der Corona-Massnahmen wurden keine konkreten Äusserungen zur aktuellen Situation gemacht.

Lilian Zwygart, 27. September 2021

Lexikoneintrag ICF Movement

Siegreich durch Jesus – ICF Twenties 24. September 2021

Geschrumpfte Messe «Lebenskraft» im renovierten Kongresshaus Zürich

Vom 16. – 19. September 2021 fand die 32. Esoterik-Messe «Lebenskraft» statt, die wegen der Corona-Pandemie zweimal verschoben werden musste. Infolge dieser Unterbrechung sind seit der letzten «Lebenskraft» im Frühling 2019 mittlerweile zweieinhalb Jahre vergangen, andererseits ermöglichte es der Aufschub, dass die 32. «Lebenskraft» nach Zwischenspielen in den Räumen der «Messe Zürich» in Oerlikon wieder an ihrem ursprünglichen Ort im frisch renovierten Kongresshaus in Zürich stattfinden konnte.

Es ist allerdings eine stark geschrumpfte Messe, die ihren Weg zurück ins Kongresshaus fand. Die Zahl der Anbietenden hat sich gegenüber den 2010er-Jahren deutlich reduziert: Waren im Jahr 2016 noch 141 Stände vertreten, umfasste die Lebenskraft 2021 noch 83 Anbietende. Das Publikum erschien zur Eröffnung am Donnerstag, 16. September, um 17.00 Uhr ebenfalls nicht in Strömen. War es die Zertifikatspflicht, welche diejenigen esoterischen Menschen, die sowohl Impfung als auch Test ablehnen, abgeschreckt hat?

Manche langjährigen Anbietenden waren nicht mehr vertreten, so die theosophische Organisation Share International, die an der «Lebenskraft» über Jahrzehnte hin ihre Hoffnung verbreitete, dass der kommende Weltenheiland bereits unter uns weile und alsbald sein Friedensreich aufrichte, oder die deutsche Wahrsagerin Hildegard Matheis-Karls, die unter ihrem Kurznamen Hildegard Matheika zum Urgestein der «Lebenskraft» gehörte und in den Neunzigerjahren dem Schreibenden aus dessen Hand las, dass er zum Heiler berufen sei.

Wieder dabei waren die umstrittene Attilio Ferrara AG mit ihren Produkten, Anbietende des Psycho-Kurses Avatar, das «Bilgi Kitabi» oder «Kenntnis-Buch» des türkischen Channeling-Mediums Vedia Bülent Corak, die sikhistisch-esoterische Organisation Eckankar, die Schweizer Esoterik-Firma Fostac AG, der Schamane Timoteo und die Firma Soyana, die ins Umfeld der Sri-Chinmoy-Bewegung gehört und uns ein veganes Raclette offerierte, das geschmacklich o.k. war, aber in seiner Konsistenz nicht wirklich überzeugen konnte. Mit einem eigenen Fernsehstudio zugegen war die Esoterik-Sendung «Time to do» von Norbert Brakenwagen.

Bücher und Orakel-Karten

Wie in den Vorjahren vertreten war auch die Berner Esoterik-Buchhandlung Weyermann, die an ihrem Stand Klassiker der Esoterik ebenso anbot wie Neuerscheinungen, so das neue Buch des ehemaligen Trend-Esoterikers Bruno Würtenberger, welches unter dem Titel «Bewusstsein erschafft Realität» im Schweizer Giger-Verlag erschienen ist. Würtenberger kritisiert darin wie bei ihm seit Jahren üblich andere Anbietende, so finden sich kernige Worte wie: «Dieses Namaste- und Es-ist-alles-gut-Gehabe entbehrt jeglicher spirituellen Vernunft» (s. 95), oder die Bemerkung, es sei «kontraproduktiv», wenn Esoteriker «in den lächerlichsten Talk-Shows auftreten und ihre ganz persönlichen Erkenntnisse als universelle Wahrheit darstellen.» (s. 91) «Die Funktionsweise und Mechanismen des Universums, anhand derer sich jeder genau jene Realität erschaffen kann, die er sich für sein Leben wünscht» seien dagegen bei Bruno Würtenberger zu erfahren, meint der Klappentext.

Nicht nur spirituelle Bücher, auch Orakel-Karten erscheinen jedes Jahr in grosser Zahl, so ergänzen erfolgreiche Schreibende ihre Werke gerne um entsprechende Kartensätze, allen voran Pascal Voggenhuber, der gleich mit zwei Sets präsent ist, mit «Love Yourself» und «Heal Yourself», beide ebenfalls im Schweizer Giger-Verlag erschienen. Ähnliche Überlegungen scheinen auch im Umfeld der Toggenburger Jung-Esoterikerin Christina Meier alias Christina von Dreien gemacht worden sein, so präsentiert der Levin-Verlag ein Kartenset mit dem Titel «Tools für die Neue Zeit». Die 46 darin enthaltenen Karten tragen je ein Zitat von Christina von Dreien und eine Illustration, die offenkundig mit einem 3D-Programm generiert worden ist. Dargestellt wird oft eine junge Frau, manchmal auch eine Kreuzung aus Pegasus und Einhorn, und gelegentlich eine Erdkugel. Christina von Dreien vertritt diverse Verschwörungstheorien, auch diejenige der Hohlen Erde. Konsequenterweise kann sie bei der Flat-Earth-Verschwörungstheorie nicht mitmachen.

Die Karte mit dem Titel «Du bist einfach genial» zeigt eine Erdkugel vor einem Lichtkranz, umfasst von zwei Händen, und bringt als Zitat von Christina von Dreien die Aussage: «Genialität ist unser Erbe, der Freie Wille unsere Macht und Unüberwindbares das Spielzeug für unsere Seele.» Weniger kryptisch, aber für Christinas von Dreien Zukunftserwartungen typisch ist die Aussage auf dem Blatt «Richte dich auf wahre Werte aus»: «Am Schluss wird alles gut. Das ist auch der Plan für die Menschheit, aber du musst dich dahin ausrichten, was du willst. Wenn du eine friedliche Welt willst, erschaffst du Frieden.»

Auftritt von ABBA

Einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten war auch immer schon das Ziel der «Lebenskraft». Dies hat sich bei der 32. Austragung nicht geändert. So meint die Organisatorin Angelika Meier in ihrem Vorwort zum Katalog der 32. «Lebenskraft», dass es keine einfache Entscheidung gewesen sei, die «Lebenskraft» zu dieser besonderen Zeit durchzuführen. Doch gerade in herausfordernden Zeiten seien solche Veranstaltungen sehr wertvoll. Viele schamanische Rituale würden in diesen Tagen durchgeführt werden «für ein kraftvolles friedliches Lichtfeld, welches uns trägt und als ein Lichtportal anzusehen ist». Verantwortlich für diese Rituale ist die sibirische Schamanin Aayla, die seit einer neuen Einweihung im Jahr 2021 nun unter dem Namen ABBA auftritt. Wie lange diese Benennung Bestand haben wird, scheint fraglich. Wie dem auch sei, ABBA kam die Aufgabe zu, die Lebenskraft 2021 mit einem schamanischen Ritual zu eröffnen.

Live-Channeling mit solistischem Medium

Traditionell am ersten Abend findet an der «Lebenskraft» das «Live-Channeling» statt, an welchem Geistweisen über derzeit trendige Channeling-Medien die Fragen der Anwesenden beantworten. Diesmal waren zwei Medien angesagt: Die ehemalige Musikerin Sophia Evelina aus Spanien, die ihren Beruf bei LinkedIn mit «Hellseherin, Medium und Hexe» angibt, und die mit ihrer Familie in Hochwald bei Basel lebende, aus Deutschland stammende ehemalige Notfall-Krankenschwester Silke «Chamuel» Schauffert.

Zu Beginn der Veranstaltung war Chamuel Schauffert da, Sophia Evelina nicht. Die «Lebenskraft»-Leiterin Angelika Meier trat hinzu mit der Mitteilung, dass Sophia Evelinas Zug erst am Abend in Zürich eintreffen werde, und fragte Chamuel Schauffert, ob stattdessen Margit Ilmberger einspringen solle, die auf der «Lebenskraft» schon seit Jahrzehnten als mediale Beraterin aktiv ist. Schauffert winkte ab, und auch als Margit Ilmberger kurz darauf in den Raum trat, wurde sie mit Dank entlassen. So bestritt Chamuel Schauffert das Live-Channeling solistisch, was möglicherweise eine «Lebenskraft»-Premiere darstellte.

Engel-Channeling

So waren zu Beginn der Veranstaltung anwesend Chamuel Schauffert, eine Mitarbeiterin von Chamuel Schauffert, drei interessierte Kongressbesuchende sowie der Schreibende, seine Frau und unsere Praktikantin, die zum ersten Mal eine «Lebenskraft» besuchte und noch nie ein Channeling gesehen hat. Dies bekundete sie auch durch Handerheben, als sich Chamuel Schauffert nach allfällig anwesenden Channeling-Neulingen erkundigte.

Chamuel Schauffert nahm unsere Praktikantin zum Anlass, eine kurze Erklärung zum Channeling voranzustellen. Bei ihr würden sich jeweils Engel melden, die ihren Körper bis zum Brustbereich übernehmen würden. Die Engel würden aus ihr heraus sprechen, was sich in veränderter Stimme zeigen würde.

Michael – Erzengel und «Seraphim»

Heute würde sich, so meinte Chamuel Schauffert weiter, durch sie der Erzengel Michael mitteilen, «der wo so am bekanntesten ist». Erzengel Michael gehöre, so meinte Chamuel Schauffert, zu den Seraphim. Damit bringt Chamuel Schauffert die traditionelle christliche Engellehre, die auch von der Theosophie und Anthroposophie übernommen wurde und von esoterischen Menschen ansonsten allgemein beachtet wird, gehörig durcheinander. In dieser traditionellen Engellehre sind die Erzengel die zweitunterste, die Seraphim die höchste der neun Engelsstufen. Dass die Erzengel eigentlich Seraphim seien, meint Chamuel Schauffert, habe erst in unserer Zeit offenbart werden können, vorher hätten die Erzengel ihr wahres Wesen gegenüber den Menschen verbergen müssen. Den hebräischen Plural «Seraphim» braucht Chamuel Schauffert auch für den Singular anstelle des korrekten «Seraph». Chamuel Schauffert formuliert also – wer des Hebräischen kundig ist, muss nun ganz stark sein – dass Michael «ein Seraphim» ist.

Sympathisches Medium – wohlwollender, aber ausweichender Erzengel

Michael würde, so warnte Chamuel Schauffert die Anwesenden, mit tieferer Stimme sprechen als sie selbst, und gelegentlich laut werden. Dies bestätigte sich dann auch. Während Chamuel Schauffert selbst eine ausgesprochen sympathische Person ist, kann dies von Erzengel Michael nicht gesagt werden. Er sprach durch Chamuel Schauffert in gequält wirkender, tiefer Stimme, in deklamatorischem, teilweise abgehacktem Stil, der mich an die Offenbarungen Uriellas erinnerte, wenn sie jeweils Jesus Christus channelte.

Im Gegensatz zu Uriellas Jesus, der das Publikum regelmässig schärfstens ermahnte und auch nicht davor zurückschreckte, einzelne Fiat-Lux-Mitglieder vor versammeltem Orden abzukanzeln, äusserte sich Chamuel Schaufferts Erzengel Michael sehr wohlwollend. Er liess gegenüber dem Publikum, das inzwischen durch später Dazugekommene auf 15 Personen angewachsen war, kein negatives Wort vernehmen. Allerdings schien er konkreten Fragen eher auszuweichen.

Als eine Frau aus dem Publikum nachfragte, ob sie mit ihrem Flötenspiel auch Klangheilung beruflich ausüben könne, meinte Michael, das Wichtige sei, dass die Herzenergie der Frau durch ihr Flötenspiel hindurchfliesse. Damit würde sie das ganze irdische Matrixfeld berühren. Konkrete Berufstipps liess sich der Erzengel nicht entlocken.

Verantwortung an Patientin delegiert

Eine Frau, deren Symptome trotz allerlei Behandlungen anhielten, wurde von Erzengel Michael gefragt, ob sie wirklich geheilt werden wolle. Aus kosmischer Sicht würde nichts dagegensprechen. Michael liess die Frau vortreten, und Chamuel Schauffert legte die Hand auf. Dazu sprach der Erzengel in einer unverständlichen Sprache, die mich sehr ans Elbische aus J.R.R. Tolkiens «Der Herr der Ringe» erinnerte. Wieder verständlich war die Anweisung: «Du musst fest glauben, und es wird geschehen».

Kristallkind mit unklarer geographischer Zukunft

Eine blonde junge Frau mit osteuropäischem Akzent fragte nach, ob sie in der Schweiz bleiben oder in ein anderes Land umziehen würde. Michael meinte, sie sei ein Kristallkind, welches die neue Energie auf Erden manifestiere: «Du darfst wählen, was du willst, und wenn du gewählt hast, dann handle», war die Auskunft zur Wohnortsfrage. Auf Nachhaken hin konkretisierte der Erzengel: «Du kannst bleiben, wenn du willst». Die junge Frau sei ein überdimensionales Kristallwesen, welches jedes Wesen auf der Erde berühre.

Schutz bei Hochsensibilität

Eine Frau bat um Schutz wegen ihrer Hochsensibilität. Michael liess sie vortreten, bot dem Publikum an, einen Schutz um alle zu legen, und fragte, ob die Anwesenden damit einverstanden seien. Allerdings wurde eine Reaktion nicht abgewartet, sondern proklamiert: «Nehmt wahr, wie sich die Energie um euch legt. Sie lässt frei und manipuliert in keinster Weise. Sie schützt vor all dem, was euch belastet».

Solo oder im Orchester?

Die blonde junge Frau fragte nun nach, ob sie als Instrumentalistin eher eine Solo- oder eine Orchesterkarriere anstreben solle. Erzengel Michael meinte: «Dein Weg wird solo sein, doch beginne ihn im Orchester». Im Orchester werde sie Menschen begegnen, die sie fördern würden.

Freiheit von Bindungen

Zudem meinte die junge Frau, sie habe im Lebensspiel «Lila», das unter esoterischen Menschen beliebt ist, eine Aussage über ihre Zukunft erhalten. Erzengel Michael sagte dazu, dass dies nicht bindend sei: «Lasst immer nur geschehen, was aus euren Herzen stammt. Kein Wesen, kein Spiel kann euch aufzeigen, was in euren Herzen ist. Ihr seid so wunderbare, grossartige Seelen, und alles was ihr braucht, liegt in eurem Herz. Und das ist die Liebe.»

Eine weitere Frau berichtete nun, dass sie ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer verstorbenen Mutter habe, weil sie das Versprechen, das Haus zu übernehmen, nicht einhalten konnte. Auch hier votierte Erzengel Michael für Freiheit und sprach die Frau von ihren Verpflichtungen aus dem Versprechen gegenüber der Mutter frei. Die Mutter habe das irdische Feld verlassen und sei auf dem Weg zu ihrer Seelenfamilie. Sie sei frei. «Das gilt für alle Anwesenden. Fühlt euch frei, nichts sollte euch belasten, ihr sollt eurem Herzen folgen, und nur eurem Herzen.»

Träume werden wahr

Nach diesen für die Ratsuchenden sehr freundlichen Worten ging Michael noch einen Schritt weiter und meinte zum Publikum: «Was in ihr euren Visionen und Träumen erfahrt, wird Realität» – allerdings nicht immer so, wie wir es uns vorstellen.

Nachdem keine weiteren Fragen geäussert wurden, verabschiedete sich Erzengel Michael, Chamuel Schauffert rieb sich die Augen und sprach wieder mit ihrer normalen, viel sympathischeren Stimme. Sie fragte nach, wie die Anwesenden Erzengel Michael wahrgenommen hätten. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Medien behauptete Chamuel Schauffert nicht, sich ans Geschehen während des Channelings nicht erinnern zu können, sondern räumte ein, dass sie mitbekam, was geschah.

Insgesamt zeigte Chamuel Schaufferts Channeling die typischen Merkmale aktueller Channeling-Botschaften: den Ratsuchenden wird ausschliesslich Positives berichtet, mitunter werden ungeahnte Möglichkeiten oder Berufungen verheissen, bei konkreten Fragen bleiben die Auskünfte aber vorsichtig bis vage. Strafpredigten wie noch bei Uriella üblich kommen nicht mehr vor.

Spirituelles Konzert

Anschliessend ans Live-Channeling folgte ein zweiter traditioneller Programmpunkt der «Lebenskraft»: das spirituelle Konzert am ersten Abend. Für dieses Jahr war ein gemeinsamer Auftritt der spirituellen Band «Onitani» und des Sängers «Saint von Lux» angesagt.

Onitani – Spirituelles Gesangsduo

Onitani sind Bettina und Tino Mosca-Schütz. Tino Mosca war Jugendmusiker, Militärmusiker und Dirigent eines Kirchenchors sowie eines Frauenchors. Als Chordirigent lernte er auch seine Frau Bettina Schütz kennen, die in einem seiner Chöre mitsang. Im Jahr 2001 erschien ihr erstes gemeinsames Werk. Inzwischen treten sie an diversen spirituellen Veranstaltungen und Festivals auf. Der Name Onitani setzt sich zusammen aus den Umkehrungen der Namen Tino und Ina für Bettina. Wohnhaft sind die beiden in Burgäschi. An der Lebenskraft wirkte Bettina Mosca als Sängerin, während Tino Mosca das Keyboard spielte und gelegentlich mitsang.

Remo Stücheli – Gitarrist und Klangtherapeut

Unterstützt wurden Onitani von Remo Stücheli an der Gitarre. Remo Stücheli wurde 1981 geboren, war beruflich als Gitarrist tätig, absolvierte ab 2014 verschiedene esoterische Ausbildungen und arbeitet seit Ende 2018 hauptberuflich als spiritueller Musiker und Klangtherapeut, u.a. in seinem Institut Alevida in Baden.

Saint von Lux – der Nachfolge-Paradiesvogel von Mike Shiva?

Als Sänger wirkte neben Bettina und Tino Mosca-Schütz auch Saint von Lux. Über Saint von Lux ist nur wenig bekannt. Er soll 35 Jahre alt sein, sein Vater soll aus einer Schamanen-Familie in Mosambik stammen, seine Mutter aus Deutschland sein. Seit 2009 ist er als Astrologe und Channeling-Medium tätig. Sein Pseudonym «Saint von Lux» soll eine Referenz an den umstrittenen Okkultisten aus dem 18. Jahrhundert sein, der u.a. unter dem Namen «Graf Saint Germain» auftrat, und an die Adelsfamilie von Luxemburg, mit welcher Saint von Lux «familienmässig verbandelt» gewesen sein will. Seit 2009 stets in Weiss und Gold gekleidet, gilt Saint von Lux unter den Wahrsagenden gewissermassen als Nachfolge-Paradiesvogel von Mike Shiva. Im Januar 2016 trat Saint von Lux in der Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» auf, wo er von der Jury um Dieter Bohlen beissenden Spott erntete (Bohlen: «Ich glaube, dass du nicht eine Beurteilung, sondern vom Arzt ‘ne Diagnose brauchst»).

An der «Lebenskraft» war Saint von Lux mit gezwirbeltem Schnurrbart, weissem Rüschenhemd, goldenem Pailletten-Gilet, weissen Röhrenjeans und goldlackierten Schuhen mit hohen Absätzen zu sehen. Vor Beginn des Konzerts probte Saint von Lux intensiv die richtige Position auf der Bühne, um von den aufgestellten Kameras auch korrekt erfasst zu werden.

Die Dame mit der Maske

Im Publikum, das rund 25 Personen umfasste, trug eine Frau eine Maske, obwohl dies nach der neuen Regelung mit Kontrolle des Covid-Zertifikats am Eingang nicht mehr nötig war. Bettina Mosca sprach die «Dame mit Maske» an. Tino Mosca meinte darauf: «Das geht auch». Bettina widersprach ihm: «Nein, das ist nicht schön», und führte aus: «Sobald etwas ablenkt, fällt es aus der Energie raus». Die Frau fügte sich und legte ihre Maske ab.

Transformation, Energieübertragung und Aufstiegscodes

Auf der Energie lag ein Schwerpunkt des Konzerts: Es solle, so wurde von Bettina Mosca verkündet, der Transformation dienen, Energie übertragen und Aufstiegscodes vermitteln.

Die Texte des Gesangs seien, so wurde angekündigt, nicht vorbereitet, sondern kämen aus den Seelen der Singenden. Sprachlich seien sie in Sanskrit, Chinesisch, Tibetisch, Altägyptisch und Hebräisch gehalten. Mir kam es eher vor, als ob spontan unwillkürliche Silben gesungen worden seien. Sätze in Sanskrit, Altägyptisch oder Hebräisch habe ich keine gehört. Möglicherweise war alles Chinesisch und/oder Tibetisch, das kann ich nicht beurteilen.

Der Klang gehörte ins Genre der Meditationsmusik. Tino Mosca spielte auf dem Keyboard Akkorde in langsamer und harmonisch einfacher Folge, zu denen Bettina Mosca und Saint von Lux ihre gesungenen Silben improvisierten. Remo Stücheli zupfte gelegentlich einzelne Saiten auf seiner Gitarre. Die Hoffnung, dass er die insgesamt doch eher eintönige musikalische Gestaltung durch rockigere Gitarrenklänge aufmischen würde, erfüllte sich nicht.

Narzisstische Spiritualität?

Ab und an sprachen Bettina Mosca und Saint von Lux Channelings ins Mikrophon. Saint von Lux, der sich im Januar 2016 vor den Kameras von RTL als «auf ‘ne gesunde Art und Weise narzisstisch veranlagt» beschrieb, channelte das Geistwesen Solarus. Dieses sprach von den Altären der neuen Spiritualität, auf denen keine Engelwesen, Meisterinnen und Meister oder Göttinnen und Götter stehen würden, sondern ein Spiegel, der die Menschen selbst spiegeln würde. Göttliche Wesen seien nur Spiegelungen des Menschen selbst. Ist dies der Glaube eines bekennenden Narzissten, der sich selbst als göttlich auf den Altar hebt?

Ob Saint von Lux die Beliebtheit von Mike Shiva erreicht, scheint mir sehr fraglich. Mike Shiva hatte seine sehr sympathische und volkstümliche Seite, die etwa von Chamuel Schauffert in reichem Mass geteilt wird, weniger hingegen von Saint von Lux, der für mich ziemlich gekünstelt und auch leicht überheblich rüberkam. Wie weit ihm damit ausserhalb der von ihm beschworenen angeblichen Kundschaftskreise in St. Moritz und an der Goldküste Erfolg beschieden sein wird, bleibt für mich sehr offen.

Georg O. Schmid, 18. September 2021

«Wer nicht nachdenkt, wird glückselig» – Heilabend mit Patric Pedrazzoli und Pascal Voggenhuber in Luzern

Am 9. September 2021 besuchte ich den Benefiz-Heilabend mit Patric Pedrazzoli und Pascal Voggenhuber im MaiHof Luzern, eine Veranstaltung zugunsten der Stiftung «Seelenzucker» von Patric Pedrazzoli.

Die Spirituellen und die Corona-Massnahmen

Zu Beginn ergab sich der Anblick von rund 260 Menschen, versammelt in einer Kirche, wovon aber nur etwa 10 Personen eine Maske trugen. Von den Mitarbeitern mal abgesehen, war ich eine der wenigen mit Maske. Auch die Sicherheitsabstände liessen sehr zu wünschen übrig. Die Stühle standen in Reihen dicht an dicht und als «Abstand» wurde jeweils ein Stuhl zwischen den Leuten ausgelassen, meiner Meinung nach viel zu wenig bei so vielen Menschen in einem Saal. Die spirituellen Besuchenden des Heilabends begrüssten sich gegenseitig mit Umarmungen und sprachen fröhlich miteinander, ohne Maske versteht sich. Also sass ich etwas unsicher auf meinem Stuhl und versuchte die penetrante Meditationsmusik zu ignorieren, die uns aus den Lautsprechern entgegenschallte.

«Pschschscht» erklang es da aus einem der Mikrofone, als Patric Pedrazzoli auf die Bühne trat. Er hiess uns alle willkommen und bat darum, dass nun alle die Masken anziehen sollen, da das ja so vorgeschrieben sei. Er selbst habe aber ein Attest vom Arzt, das ihn von der Maskenpflicht befreie. Daraufhin zogen die 260 Spirituellen im Saal die Masken auf, wenn auch oft unterhalb der Nase. Pedrazzoli kam zwar dieser Pflicht nach, machte aber auch einige abschätzige Kommentare über die Massnahmen des Bundes. So deutete er an, dass nach der kommenden Zertifikatspflicht ja nichts mehr möglich sei und solche Veranstaltungen wie heute der Vergangenheit angehören würden.

Kinder in Indien und einleitende Worte

Die Einnahmen des Abends, so betonte Pedrazzoli, würden alle an eine Stiftung gehen. Es seien also alles gemeinnützige Projekte, ein selbstloser Akt sozusagen. Alle Gelder flossen in Pedrazzolis Stiftung «Seelenzucker». Gegründet hatte Pedrazzoli diese nicht aus steuertechnischen Gründen, wie er betonte, sondern wegen seiner Frau. Sie hatte ihn weinend angerufen, weil sie in Indien so viel Tierleid und hungernde Kinder gesehen hatte. So gründete Pedrazzoli seine Stiftung, die ein Kinderspital in Indien finanziert, Essen in afrikanischen Slums verteilt und ein Wasserprojekt in Indonesien durchführt. Pedrazzoli forderte alle auf, das leere Couvert, das jede Person auf dem Stuhl hatte, mit Geld zu füllen, gerne auch mit Tausendernoten.

Dann folgten die ersten Instruktionen. Wir sollten alle im Hier und Jetzt ankommen und die Augen schliessen. Es folgte eine kurze Meditation, bei der wir alle störenden Gedanken für die nächsten 1.5 Stunden ignorieren sollten.

«Macht das Sinn?» – Nicht unbedingt

Nun ergriff Pascal Voggenhuber das Wort. Er sagte, dass Heilung ein breites Spektrum sei und wir eigentlich nichts dafür tun müssten. Wir sollten uns nur jeden Tag 5-10 Minuten Zeit nehmen und zur Ruhe kommen. Nach den Ursachen von Symptomen oder Krankheiten zu suchen sei unnötig und destruktiv. Eigentlich seien die Ursachen aller Krankheiten meistens nur zwei einfache Sachen: Die Menschen stressten sich zu Tode oder frässen sich zu Tode. «Macht das Sinn?», fragte Voggenhuber ins Publikum. Corona könne helfen, die Menschen hätten weniger zu tun und könnten endlich zur Ruhe kommen, meinte Voggenhuber weiter. Kranke Menschen sollten den Stress reduzieren und auf die Ernährung achten. «Macht das Sinn?». Wir sollten unsere Körper beobachten, denn nach dem Essen seien wir meistens müde. Aber wenn das so ist, dann gibt uns das Essen keine Energie! «Macht das Sinn?». Nur leichte Sachen wie Salat zu esssen sei besser, diese machen uns nicht müde und könnten uns folglich auch Energie liefern. «Macht das Sinn?».

Sinn machte das für mich nicht wirklich, ganz davon abgesehen, dass die ständige Rückfagerei doch sehr nervig war. Dass wir uns alle zu Tode fressen würden und daher unsere Leiden stammen, scheint mir doch westlich-kurzschlüssig. Auf der Erde gibt es leider unzählige Menschen, die mit Hunger zu kämpfen haben und ja wohl nicht selbst Schuld sind an Krankheiten oder Leid.

Auch die Aussage, dass nur leichte Nahrung Energie liefern kann schien mir biologisch gesehen eher wenig nachvollziehbar zu sein.

Im spirituellen Bereich würden Krankheitsursachenwürden, so Voggenhuber weiter, oft im Karma gesucht, dabei seien sie offensichtlich Stress und Ernährung. «Macht das Sinn?». In der spirituellen Szene gäbe es einen gewaltigen Konkurrenzdruck. Auch bei seiner Ausbildung in England hätte Voggenhuber das erlebt. Alle hätten gewetteifert, wer die meisten Geistführer habe. Aber Voggenhuber selbst hatte nur einen einzigen, er sagte, dass er ebenso gut sei, dass er nicht mehr Hilfe brauchte. «Macht das Sinn?». Für diesen in meinen Augen etwas plumpen Witz erntete er viel Gelächter und Zustimmung aus dem Publikum, das begeistert an seinen Lippen hing. Erleuchtet sein könne ja, so Voggenhuber, sowieso kein Mensche auf dieser Erde, dazu braucht es noch viele Inkarnationen in anderen Dimensionen. «Macht das Sinn?»

Voggenhuber erklärte dann, dass wir Menschen alle nur das Fernsehprogramm von Gott und seinen Engeln seien. Die Seelen, die zufrieden sterben und auch danach zufrieden sind, dürften in der Geisterwelt bleiben, nur diejenigen, die sich beschwerten und böse seien würden sofort reinkarniert. Es gäbe keine Geister in einer Zwischenwelt, das sei nur ein Mythos.

Wir sollen alle nach dem Positiven im Leben suchen, auch wenn das zu diesen Zeiten nicht so einfach sei. «Macht das Sinn?». Die Zertifikatspflicht, die jetzt eingeführt wird, sei nicht sinnvoll und stressig. Das sei so. Aber wir sollten uns fragen, was sie denn konkret in unserem Leben verändern würde. Alles, was wir machen wollen könnten wir ja trotzdem tun, wir würden ja sowieso nicht ins Kino gehen zum Beispiel. Jeder könne ja seine Meinung haben, aber er, Voggenhuber, würde sich selbstverständlich nicht impfen lassen. «Macht das Sinn?». – Für mich nicht wirklich, doch mit dieser Meinung stand ich wohl ziemlich alleine da, angesichts der Zustimmung im Raum. Die Ablehnung der Corona-Impfung und der Massnahmen allgemein war deutlich zu spüren.

Die Oma und der Yogi

Patric Pedrazzoli berichtete nun, dass er, als er noch ein Kind war, schon Menschen heilen wollte. Damals sei seine Oma schwer krank gewesen, so schwer, dass sie nicht vom Sofa aufstehen konnte und jeden Tag päckchenweise Tabletten schlucken musste. Die Oma habe nämlich Diabetes gehabt. Also habe Pedrazzoli seine Oma und dann die ganze Welt heilen wollen.

Mit 21 Jahren sei Pedrazzoli dann das erste Mal nach Indien zu einer Goa Party geflogen. Damals habe es noch geheissen: Yoga gleich Sektenzeug, Hare Krishna gleich Sektenzeug. Dies seien veraltete Meinungen, die nicht der Realität entsprechen würden. Bei dieser Goa Party damals seien plötzlich tausende Yogis aus dem Dschungel und aus ihren Höhlen gekommen. Sie hätten keine Uhren oder Kalender gehabt, sie seien alle von mystischen Kräften dorthin geführt worden. Da habe Pedrazzoli verstanden, dass es mehr auf dieser Welt gäbe. Err sei aufgewachsen mit den Wundern von Jesus Christus, doch diese Yogis seien für ihn viel wirklicher gewesen als all diese Geschichten. Pedrazzoli habe erkannt, dass es möglich sei, alles zu heilen, aber auch dann seien die Menschen noch nicht glücklich. Es gäbe keine Ruhe nach dem Tod, der Frieden sei immer hier.

Der Fremde in deinem Kopf und das vergessene Trauma

Jeder Mensch sei schizophren, so Pedrazzoli, er selbst auch. Denn auch er habe eine Stimme im Kopf. Diese Stimme sei jemand Fremdes. Warum? Weil wir ja alle diese Stimme hörten, könnten wir es ja nicht selber sein. Die Stimme der Gedanken sei also ein Fremder im Kopf, es sind nicht wirklich die eigenen Gedanken. Bei Kindern sei diese Stimme noch nicht so ausgeprägt, deshalb seien Kinder auch immer glücklich. Auch wenn Kinder schlechte Emotionen hätten oder Schmerzen, würden sie diese schnell vergessen und seien wieder glücklich. Erwachsene seien nicht so, nach einem Unfall beispielsweise schleppten sie diese Schmerzen psychisch ewig mit. Und Warum? Weil die Stimme im Kopf ihnen das so diktierte.

Dies war für mich kaum auszuhalten. Ich dachte an hungernde Kinder, misshandelte Kinder, Kindersoldaten, Kinderarbeiter und Kindersklaven. Sind diese alle seien glücklich, weil sie keine Stimme im Kopf haben? Könnten diese alle ihre schlimmen Erfahrungen gleich wieder vergessen, da sie keine Stimme hätten, die sie daran erinnern würde? Sieht Patric Pedrazzoli die Realität und die üblen Folgen von Traumatisierung nicht?

Die Stimme im Kopf verhindere, so fuhr Patric Pedrazzoli fort, dass Menschen glückselig sein können. Nur wer die Stimme im Kopf, also alle Gedanken, Verstand und Logik, ausschalten könne, würde glückselig sein. Der Verstand sei eigentlich nur Wahnsinn. Wir seien eigentlich auch nur Energie. Wir alle seien nicht unser Körper, unsere Wünsche und Ziele. Wir bräuchten keine Bücher, kein Wissen, keine Logik, kein Verstand. Nur wer aufhöre, das Leben kontrollieren zu können, könne frei sein. Dazu müsse der Mensch den Kopf ausschalten und nicht mehr denken!

Das war doch mal eine Ansage. Und ich fragte mich, warum Patric Pedrazzoli, und vor allem auch Pascal Voggenhuber, ein Buch nach dem andern auf den Markt werfen, wenn diese doch so unnütz sind.

Diskussionen im eigenen Kopf seien, so Patric Pedrazzoli weiter, schizophren und nicht gesund. Der Verstand wolle nur Recht haben, also sollten wir ihm einfach Recht geben. Diese Stimme sei krank! Das Gehirn sei ja nur rund 1 kg Fett, das schwimmeund spriche. Das eigentliche Wunder im Universum seien wir selbst, aber kaum jemand entdecke, wer er wirklich ist. Wir sind alle seien Glück und Liebe.

Die Aura-Heilung und das schiefe Becken

Pascal Voggenhuber will zwar Geister Verstorbener sehen und auch Auren lesen können, doch heute abend war er nur der Kommentator. Es war Patric Pedrazzoli, der an diesem Abend die Heilungen durchführte. Aus dem Publikum meldeten sich sieben heilwillige Frauen, die alle Beschwerden hatten. Pedrazzoli behauptete, die Art des Leidens spiele keine Rolle, alle könnten geheilt werden. Dabei legte er die Hand auf die Stirn der jeweiligen Klientin und liess, so sagte er, seine Aura in die Auren der Patientin fliessen. Voggenhuger fragte dabei das Publikum, was sie denn für Farben in den Auren sehen würden. Darauf antworteten auch immer alle sehr fleissig. Auch eine ältere Dame vor mir murmelte immer zustimmend zur Farbwahl von Voggenhuber. Leider konnte ich selbst überhaupt nichts sehen, ich bin wohl nicht spirituell genug.

Frau Nummer 1

Voggenhuber erklärte, dass der Druck auf der Brust von emotionalen Themen her kommen würde, im Herzbereich seien Unruhen zu sehen. Nun habe die Frau Rückenschmerzen von ihren Familienproblemen.

Nach der Heilung meinte die Frau, dass sie nun keine Schmerzen mehr habe.

Frau Nummer 2

Hier würde die Energie schon freier fliessen. Es wäre eine blaue kalte Farbe. Pedrazzoli ginge mit der richtigen Aura-Farbe rein, um die Frau auszugleichen.

Diese Frau sagte nach der Heilung, dass sie keinen Unterschied spüren würde. Aber Pascal Voggenhuber erklärte ihr, dass es manchmal eine Weile dauern würde, bis etwas spürbar sei.

Frau Nummer 3

Bei dieser Frau sei die Aura rosafarben, so eine eifrige Zuschauerin. Das bestätigte Pascal Voggenhuber. Also sei bei dieser Frau mangelnde Selbstliebe der Grund für ihre Knieschmerzen.

Mir schien dies sehr interessant, denn meine Begleitung an diesem Abend arbeitete in der Krankenpflege und Therapie. Bei den Aussagen von Voggenhuber musste sie lachen und meinte, dass es kein Wunder sei, dass diese Frau Nummer 3 Knieschmerzen habe. Ihr Becken stehe ganz schief, das könne man schon von weitem erkennen. Diese Fehlstellung könnte auch die Knieschmerzen verursachen.

Also warteten meine Begleitung und ich erwartungsvoll auf Pedrazzolis Heilung. Vielleicht würde sich das Becken auf spirituelle Art und Weise wieder in die richtige Position schieben. Wir verfolgten gespannt, was passieren würde, doch leider wurden wir enttäuscht. Auch nach der Heilung stand das Becken der Frau noch genau so schief wie vorher.

Die Frau Nummer 3 sagte, dass sie während der Heilung ein sehr heisses Gefühl gehabt hatte und jetzt danach sei ihr angenehm kühl.

Frau Nummer 4

Bei dieser Frau musste der Fluss angeregt werden, die Gelenkschmerzen würden dadurch besser werden. Die Frau sagte auch, dass sie den Energiefluss durch den Körper spüren konnte.

Nach der Heilung waren die Schmerzen von Frau Nummer 4 verschwunden und sie hatte ein wohliges Gefühl.

Frau Nummer 5

Diese Frau hatte laut Pascal Voggenhuber eine orange-gelbe Aura, was eine mentale Aura sei. Diese Art von Aura habe in der Geschichte schon oft für Verwirrung gesorgt. So seien die Heiligen der Kirche eigentlich mental begabte Personen geweseb, die dadurch eine gelbe Aura hatten. Diese sei dann fälschlicherweise als Heiligenschein interpretiert worden. Die Frau Nummer 5 hätte aber Rückenschmerzen, weil sie zu viel nachdenken würde, anstatt zu entspannen.

Die Frau Nummer 5 sagte aus, dass sie nach der Heilung nun ein warmes und ruhiges Gefühl habe.

Frau Nummer 6

Voggenhuber erklärte, dass die violette Aura dieser Frau bedeute, dass sie Magen-Darm-Probleme habe. Sie selbst sagte allerdings, dass sie Schmerzen im rechten Fuss habe. Falsch geraten, und um noch die Kurve zu kriegen, behauptete Voggenhuber dann, dass Magendarmprobleme überall im Körper Schmerzen verursachen würden.

Die Frau Nummer 6 sagte nach der Heilung, dass sie sich entspannt fühle.  Voggenhuber habe sie vorher nach einem Bruch gefragt, und nun sehe sie, was er meinte. Sie habe vor langer Zeit einmal einen Finger gebrochen und deshalb würde ihr jetzt der Fuss weh tun. Aber eigentlich sollte es ja angeblich um Magen-Darm-Probleme gehen. Voggenhuber meinte, die Geistige Welt wisse schon, was im Moment wichtiger sei.

Frau Nummer 7

Bei ihrer hellblauen Aura sei das Kehl-Chakra blockiert. Diese Frau hatte Kiefergelenksarthrose. Diese Blockade könne gelöst werden, indem die Energien wieder in Fluss gebracht wurden. Auch Selbstliebe sei bei dieser Frau ein Thema, meinte Voggenhuber. Aber am Ende wüsste die Geistige Welt immer was das Beste sei.

Nach der Heilung fühlte die Frau Nummer 7 sich nicht unbedingt anders. Sie könne jedoch ein Kribbeln im Oberkörper spüren. Voggenhuber erklärte, dass icht immer dort etwas gespürt würde, wo es erwartet wird. Mir schien dies ein Joker-Argument zu sein, denn so kann jede beliebige Körperwahrnehmung als Zeichen einer Heilung interpretiert werden.

Krebs-Heilung und die Glückseligkeit

Nun folgte der Höhepunkt des Abends, die Gruppenheilung. Es wurde wieder Meditationsmusik abgespielt, und alle mussten die Augen schliessen. Bis auf das Mantra-Gedudel aus den Lautsprechern war es vollkommen still. Für diese Heilung müssten wir Zuschauende nichts tun, nur sein. Voggenhuber und Pedrazzoli gingen durch den Raum und hielten die Hände über uns, um uns zu heilen. Es bräuchte keine Berührung für eine Heilung. Alle Menschen im Raum seien eine einzige Energie, und so würden alle gemeinsam geheilt werden.

Also schloss ich die Augen und wartete ab, versuchte etwas zu spüren, doch nichts geschah und bald war der ganze Spuk auch schon vorbei.

Pedrazzoli erzählte dann noch von einer Patientin, die mal an einer Veranstaltung war. Bei dieser Patientin sei zwei Wochen nach einer solchen Heilung plötzlich das Krebsgeschwür verschwunden und sie sei komplett geheilt gewesen. Sogar die Ärzte hätten das damals nicht verstehen können.

Wir alle hätten immer eine Sehnsucht nach Zuhause, aber das sei schon längst in uns selbst. Die Stimme in unserem Kopf sollten wir dabei einfach sein lassen, irgendwann würde sie dann verschwinden. Dann würden wir in Glückseligkeit erwachen. Das sei die wahre Heilung. Die körperliche Heilung sei demgegenüber irrelevant. Pedrazzoli erklärte, wenn er selbst sterben würde, müsste er sich keine Sorgen machen, sein Kopf sei vorbereitet. «Meine Koffer sind gepackt und leer.»

Der Bücherschlussverkauf und das Masken-Debakel

Zum Schluss sollten wir uns alle noch einmal daran erinnern, dass wir alle Liebe und Licht seien. Wir sollten hinausgehen und entdecken wer wir wirklich sind.

Voggenhuber und Pedrazzoli wiesen dann noch darauf hin, dass ihre Bücher jetzt noch zu kaufen wären und dass sie diese auch gerne signieren würden.

Damit war der offizielle Teil des Abends beendet und sogleich rannten die eifrigen Zuschauenden zu den Verkaufsständen, um sich die Literatur zu besorgen und ihre Autogramme abzuholen. Abstandsregelungen wurden dabei keine beachtet. Sobald die Menschen aufgestanden waren, wurden auch die Masken abgenommen und fröhlich darauf losgeplaudert. Menschen umarmten sich und tratschten fröhlich über den Abend.

Wunderheilung oder Comedy Show?

Patric Pedrazzoli und Pascal Voggenhuber traten in meinen Augen auf wie spirituelle Stand Up Comedians, gefeiert vom esoterischen Publikum, mit manchmal eher plumpen Witzen. Die Zustimmungen aus dem Publikum konnte ich oftnicht nachvollziehen, da vieles für mich keinen Sinn ergab. Einiges schien mir auch recht problematisch, wie die Aussage, dass nicht nach den Ursachen für Krankheitssymptome gesucht werden solle, weil alles nur Stress und falsche Ernährung sei. Erschüttert hat mich die Ausklammerung der Gefahr schwerer Traumata in der Kindheit.

Bei den Heilungen der sieben Frauen sah ich viel Wunschdenken und wenig konkrete Wunder. Wenn eine Person sich auf eine solche Heilung verlassen würde, könnte das problematisch sein.

Mir schien, dass bei den prominenten Esoterikern Patric Pedrazzoli und Pascal Voggenhuber dasselbe gilt wie bei ihren nicht so bekannten Kolleginnen und Kollegen: Bitte mit Vorsicht geniessen!

Jasmin Schneider, September 2021

Lexikoneintrag Patric Pedrazzoli
Lexikoneintrag Pascal Voggenhuber

Standaktion «Stopp Radikalisierung» vom 11. September

Am 11. September – zum 20. Jahrestag des Anschlags auf die Twin Tower – haben der Verein der Freien-Anti-Scientology-Aktivisten und Relinfo gemeinsam eine Standaktion durchgeführt. Zum Ziel nahmen sie sich die Bevölkerung über problematische Gruppierungen, wie zum Beispiel Scientology, und über Verschwörungstheorien aufzuklären.

Gerade zu Zeiten Coronas gewinnen Verschwörungstheorien an immer mehr Popularität. So schien es passend an «nine-eleven» welcher auch heute immer noch Grundlage für heftige Diskussionen bildet, das Thema präventiv unter die Lupe zu nehmen. Denn Behauptungen, der Anschlag sei nicht von Terroristen, sondern von der US-Amerikanischen Regierung selbst durchgeführt worden, zu einer von vielen stark verbreiteten Verschwörungstheorien zählen.

«Stopp Radikalisierung» war dabei das Stichwort der Aktion. Unter Verschwörungstheoretikern finden sich nämlich oft Rechtsextreme, nicht zuletzt auch, weil viele Verschwörungstheorien rassistische und antisemitische Aussagen machen. Auch unter problematischen Gruppen mit sektiererischen Eigenschaften kann es mitunter zu solchen radikalen Ansichten kommen. Deshalb war es den beiden Vereinen FASA und Relinfo wichtig, am letzten Samstag darüber zu informieren, wie man Verschwörungstheorien und problematische Gemeinschaften erkennen kann, um ihnen nicht zum Opfer zu fallen.

Gegen 12:00 Uhr mittags trafen die Mitglieder der beiden Vereine auf der Rathausbrücke in Zürich ein. Ein Platz zwischen Kantonspolizei und Restaurant war gemietet worden, mit Blick auf die Limmat einerseits und Brückenmitte andererseits. Etwas abseits vom Trubel eines Samstagmarktes mit Verkaufsständen, Karussell und schlendernder Menschenmasse wurden Materialien für den Stand aus dem Auto geladen und ausgebreitet. Während der Markt begann seine Stände abzubauen, fingen FASA und Relinfo mit dem Aufbau ihres eigenen an. Ein Pavillon-Zelt wurde aufgestellt, ein Festbanktisch aufgeklappt und mit schwarzen Tüchern bedeckt, Kisten von Büchern sowie Stapel von Flyern wurden auf dem Tisch ausgebreitet und zur Schau gestellt. Auf beiden Seiten vor dem Stand wurde ein Banner platziert; links von FASA, rechts von Relinfo. Vor dem Stand, nur ein paar Schritte entfernt, prangte bald ein Plakat, welches in einem Kundenstopper eingespannt war. «Stopp Radikalisierung» stand in grossen Buchstaben darauf, begleitet von einem Abdruck eines Stoppschildes. Auch Wiedererkennungsmerkmale mit Beschriftung von beiden Vereinen waren auf dem Plakat erkennbar. Weitere kleinere Versionen desselben Plakats oder auch Anschriften wie: «Antiquarische Bücher, 1 Buch gratis» und «FREE CAKE» wurden schnell am Pavillon in fast allen Richtungen angebracht.

Um 13:00 Uhr fing die Aktion dann offiziell an. Die Vereinsmitglieder, alle mit Vornamen beschriftet, teilten sich auf. Während manche am Stand Beratungs- oder Informationsgespräche mit Besuchern führten, verteilten sich die Restlichen auf der Brücke mit einem Kistchen voll Flyer und kleiner Küchlein, um Passanten anzusprechen. Die Flyer, davon drei verschiedene, informierten über die Vereinsarbeit und über Merkmale von Verschwörungstheorien und problematischen Gemeinschaften. Die Küchlein wurden den Leuten als Dank für ihre Aufmerksamkeit angeboten.

Am Tisch wurden Interessierten denn auch einige Bücher verteilt – sogar mehr als erwartet. Darunter befanden sich Fachliteratur zum Thema und Aussteigerberichte von ehemaligen Mitgliedern von problematischen Gemeinschaften. Standbesucher stellten nicht nur spannende Fragen sondern erzählten auch von eigenen Erfahrungen, wovon auch die Vereine profitieren und lernen konnten. Viele haben ausserdem dankend bemerkt, dass sie die Arbeit von FASA und Relinfo wichtig fanden. Des Weiteren entstand der Eindruck, ein anderes Publikum als Übllich erreicht zu haben, da Beratungsarbeit normalerweise darauf basiert, dass Menschen mit Fragen sich beim Verein melden. Durch diese Aktion konnte Kontakt mit Personen aufgenommen werden, die noch nicht von dieser Arbeit gehört hatten.

Aufgrund eines plötzlichen heftigen Windes, welcher beinahe das Pavillon-Zelt fort blies, musste der Stand gegen 16:30 Uhr abgebrochen werden. Jedoch empfanden FASA und Relinfo den Nachmittag als erfolgreich und die Zusammenarbeit als äusserst angenehm. Sie ziehen in Erwägung, etwas Derartiges in einem Jahr erneut durch zu führen.

Nicole Rieder

«Begeistert von Gott Brücken bauen» – Besuch beim Jubiläumsgottesdienst 25 Jahre EGW in Bern

Am 12. September 2021 besuchte ich das 25-jährige Jubiläum des «Evangelischen Gemeinschaftswerkes EGW», welches unter dem Motto «Begeistert von Gott Brücken bauen» stattfand.

Als ich die Anfrage erhielt, das 25-jährige Jubiläum des EGW zu besuchen, dachte ich an eine kleine Gemeinde, welche noch nicht lange existiert. Ich erfuhr dann schnell, dass das nicht stimmt. Das Netzwerk des EGW Bern ist weitaus grösser und vernetzter, und auch schon um einiges älter. Gefeiert wurde am 12. September 2021 in Bern der Zusammenschluss der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG) und der Evangelischen Gesellschaft (EG) im Jahr 1996 unter dem Namen “Evangelisches Gemeinschaftswerk”. Die EG besteht schon seit 1831. Aufgrund theologischer Meinungsverschiedenheiten ereignete sich eine Trennung, bei welcher sich im Jahr 1908 einige Mitglieder von der EG abwandten und an 21 Versammlungsorten die LKG gründeten. Die theologischen Differenzen bestanden darin, dass sich in den 1870er-Jahren der Gedanke eines Zeltevangelisten verbreitete, man könne von der Sünde völlig frei werden. Einigen Mitgliedern der EG war dies zu absolut, und somit versuchte man, die Gemeindemitglieder von einer derartig überheblichen Haltung, «in einen höheren Heilszustand gelangt zu sein», abzubringen.

Ich fand dies verständlich und nachvollziehbar für eine nüchterne, pietistische Bewegung, welche Wert darauf legt, dass das Gemeindeleben in gemässigten Bahnen verläuft.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts fand man vereinzelt wieder zueinander, und für grössere Anlässe arbeitete man auch zusammen. Ansonsten fanden viele Angebote getrennt statt. Mit der Zeit kristallisierte sich immer mehr der Wunsch heraus, doch wieder zusammen gehören zu wollen, auch aufgrund der zunehmenden Säkularisierung ab den 70er-Jahren. Man erkannte, dass eine grössere Trennung zwischen Gläubigen und Ungläubigen existierte als in der eigenen Gemeinde, und um der Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens «in der Welt» willen sollten Jünger Jesu doch umso mehr zusammenfinden. Nach 88 Jahren Trennung fanden die Gemeinden wieder zueinander. Dieses Zusammenfinden wird vom EGW als Zeichen Gottes gesehen, denn diese neue Einheit sei durch Jesus gewirkt worden, mit welchem jeder Gläubige ebenfalls «eins» ist.

Festgottesdienst

Am Jubiläumsgottesdienst nahmen gegen 650 Personen teil. Diese verteilten sich den Abstands-Regeln entsprechend grossflächig auf den Stühlen der Mehrzweckhalle in Bern. Da wir uns in einer Halle befanden mit Turnhallenboden und Basketballkörben auf den Seiten, wirkte ein Gottesdienst etwas fehl am Platz. Die Moderatoren und Moderatorin, die Pfarrer, die bis zu 9 Instrumentalisten sowie der 22-köpfige Chor wurden auf Leinwände übertragen, so dass alle das Geschehen gut verfolgen konnten. Das Publikum war altersmässig gut durchmischt, trotzdem waren viele Besucherinnen und Besucher schon älter. Die ca. 30 Kinder durften während des zweistündigen Gottesdienstes am Kinderprogramm teilnehmen, welches von einer Jungschargruppe organisiert wurde. Insgesamt hat die EGW 3’600 Mitglieder in 35 Ortsgemeinden, welche vorwiegend im Kanton Bern ansässig sind.

Ablauf Gottesdienst

Als Einstieg war ein Stück der 7-köpfigen Bläsergruppe «Posaunenchor Walterswil-Oeschenbach» zu hören. Anschliessend wurde das Publikum von Urs Eugster begrüsst und in einem Gebet wurde um Gottes Gegenwart gebeten. Daraufhin folgten einige Gedanken, welche wohl der Einstimmung auf das Predigtthema dienen sollten. Die Predigt begann nämlich erst etwa eine halbe Stunde nach Gottesdienstbeginn. Urs Eugster sprach vom antiken griechischen Philosophen Diogenes, welcher eines Tages mit einem Stein gesprochen haben soll. Auf die Frage, weshalb er dies tue, erwiderte er, er übe sich darin, zu reden, und keine Antwort zu erhalten. Urs Eugster zog daraufhin eine Parallele zu seinem Leben, jedoch habe er – nach Jahren abendlicher Gebete – im Gegensatz zu Diogenes eine Antwort von Gott erhalten. Mir wurde leider nicht ganz klar, worin die Antwort genau bestand. Anschliessend erzählte er von der kürzesten Brücke, welche überhaupt existiere, und diese sei einerseits der Augenkontakt zwischen zwei Menschen, andererseits auch der Augenkontakt zwischen einem Menschen und Gott.

Bevor die Predigt begann, wurden einige Lieder gesungen, zu welchen zum Mitsingen eingeladen wurde.

Predigt

Das Leitthema der darauffolgenden Predigt nannte sich «Begeistert von Gott Brücken bauen». Dabei wurde diese nicht von einer einzelnen Person gehalten, sondern als Dialog zweier Personen gestaltet. Zu Beginn wurde von der aussergewöhnlichen Zusammenkunft gesprochen, und es wurde besonders betont, dass Menschen «ihre eigenen Vorstellungen hinterfragt und Neues gewagt hätten». Diese Feststellung überraschte mich positiv. Daraufhin folgte die Frage, ob denn mit diesem Jubiläum nicht genug getan sei, und man als gläubiger Christ nicht einmal etwas zurücklehnen und stolz sein dürfe auf das Erreichte. Die Antwort handelte davon, dass die Motivation sich zu engagieren (und das Evangelium zu verkünden) «aus der Freude an Gott» komme. Zur Bekräftigung dieses Arguments wurden zwei Bibelverse aus dem Buch Richter und dem Buch Daniel genannt. Also lautet die Antwort auf die Frage, ob es möglich sei, nicht zu missionieren, nein.

Die Predigt behandelte anschliessend, wie man in der Schweizer Gesellschaft «Brücken schlagen» könne: Man solle seine Feinde lieben, für ihr Glück beten, müsse nicht sofort angreifen und auch nicht immer Kontakte abbrechen. Als ich dies hörte, hatte ich das Bild eines verdeckt aufdringlichen Christen vor Augen, welcher betont freundlich und geduldig, zurückhaltend und doch bestimmt einem Zeitgenossen die «Gute Botschaft» weitergeben möchte. Offensichtlich war sich die Gemeinde dieses Phänomens auch bewusst, und es wurde geraten, man solle die Menschen heute nicht mehr mit Traktaten überfallen. Eher solle man einen authentischen Lebensstil pflegen, sich auf die Interessen der anderen Menschen einlassen und im Verlauf eines Gesprächs hoffen, dass dieses schliesslich auf Gott kommt.

Abschliessend lässt sich sagen, dass die Predigt erstaunlich viele selbstkritische Gedanken beinhaltete. Einige theologische Begriffe, welche von der Allgemeinheit zunehmend in negativen Kontexten verwendet werden, wurden aufgegriffen und in einem leicht ironischen Unterton wiedergegeben. Dies liess die Gemeinschaft – und die Pfarrer – sehr sympathisch wirken.

Musik

Die Auswahl der Lieder erwies sich als vielfältig. Vorherrschend war ein Liedstil, welcher heute mancherorts als altbackene Kirchenlieder bezeichnet werden würde. Durch die Begleitung des Keyboards, welches als Orgel eingestellt war, erhielten diese Lieder eine kirchliche Komponente. Einige Lieder waren schweizerdeutsch und hatten durchaus schöne Melodien. Durch die Chorbegleitung, ein schönes Klavierspiel, Gitarren- sowie Schlagzeugbegleitung wurde eines dieser Lieder etwas charismatischer interpretiert. Der schnelle Rhythmus und drei Tänzerinnen, welche Fahnen schwangen und tanzten, liessen das Lied mitreissend wirken. Jedoch merkte man, dass diese Art von Musikstil nicht in die Gemeindekultur hineinpasste, und ein leichtes Befremden war spürbar. Die Lieder handelten von Dankbarkeit, Nähe, Hoffnung, dem Wunsch nach Führung und Sehnsucht nach Gott.

Fazit

Das EGW präsentierte sich als eine Generationen-übergreifende Gemeinschaft, welche eine lange Gemeindegeschichte besitzt. Durch das Jubiläum wurde der Gemeinschafts- und Identitätsgedanke wieder aufgenommen und gefestigt. Die Lehre erwies sich als gemässigt evangelikal, die Pfarrer wirkten gebildet und aufgeklärt, und der Anlass besass eine friedliche und gesetzte Atmosphäre.

Lilian Zwygart, 13. September 2021

Lexikoneintrag Evangelisches Gemeinschaftswerk EGW

Die Geister, die ich rief… oder auch nicht – Medialer Abend mit Annette Meng in der Quelle Bern

Der Krimskrams-Laden und die Pandemie

Am 26. August 2021 fand in der Quelle Bern ein Medialer Abend mit Annette Meng statt. Ohne grosse Erwartungen, aber mit viel Skepsis trat ich durch die Tore der Quelle, oder vielmehr in den esoterischen Laden, der die Besuchenden dort empfängt.

Wir befanden uns zwar in einer Pandemie mit Hygienemassnahmen, Abstandsregelungen und Maskenpflicht, doch davon war bei der Quelle nichts zu spüren. Die anderen Besuchenden, insgesamt 20 Frauen und 4 Männer, trugen bis auf zwei ältere Damen keine Masken, noch hielten sie sich an irgendwelche Corona-Regeln. Mir schien das sehr bedenklich, da das Publikum zum Teil schon älter und die Impfquote wohl gering war. Jedenfalls ergab sich dieser Eindruck, als Annette Meng sich eingangs über die Corona-Massnahmen beschwerte und dafür grosse Zustimmung erhielt.

Schluss mit Aberglauben

In der Corona-Zeit habe auch Annette viele Anfragen bekommen und deshalb müsse sie nun zuerst mit einigem Aberglauben aufräumen. Sie erklärte, dass man keine Seelen ins Licht führen könne, da es keine erdgebundenen Seelen gäbe. Alle Verstorbenen würden augenblicklich ins Jenseits eingehen, wo es keinen Raum und keine Zeit gäbe. Dieses Jenseits sei immer direkt neben uns. Auch von Geistern besessene Menschen gäbe es nicht, das sei alles nur Einbildung. Diejenigen, die solches lehrten, wollten nur mit Angst Geld verdienen, aber das Jenseits sei voll von Liebe und so hätte Annette auch niemals Angst vor dem Tod. Annette erklärte, dass sie nicht daran glaube, dass sie mit den Toten sprechen könne, sie wisse es. Schon als Kind hätte sie Seelen gesehen, die um ihr Bett geschlichen seien.

Heute Abend würde sie auch einige Geister durchkommenlassen, die mit einigen von uns sprechen wollten. Ihr Geistführer, ein peruanischer König namens Gibril (kurz Gibi), würde diese auswählen. Es sei jeweils unklar, welche Geister kommen würden, und wenn jemand unter den Anwesenden den Geist erkenne, sollte die betreffende Person sich melden.

Der junge Mann, der dann doch ein Kind war

So ging es los mit dem ersten Jenseitskontakt. Annette, die rundliche deutsche Frau mit blondierten kurzen Locken, sammelte sich und beschrieb dann den ersten Geist. Sie sagte, es sei ein junger Mann. Dann sprach sie eine Frau in der ersten Reihe an, ob sie ihn kenne. Die angesprochene Frau sagte, dass es sicher ihr Neffe sei. Annette ging dann darauf ein, auch wenn dieser Neffe bei seinem Tod anscheinend noch ein Kind gewesen war, kein junger Mann, wie eben noch behauptet. Der Geist erzählte dann seiner Tante, dass er gewusst hätte, dass er nicht alt werden würde und dass alles gut sei. Der Neffe bedankte sich bei seiner Tante, dass sie für ihn da gewesen war und jetzt die Familie heilen würde. Sie solle dem spirituellen Weg weiterfolgen, auch wenn seine Mutter, die Stiefschwester der Frau, das alles ablehne. Sie sei auf dem richtigen Weg. Sie solle den Mut haben, weiterzugehen und ihr Leben zu geniessen. Letzteres war anscheinend ein beliebter Tipp von Geistern, den wir noch von fast allen Verstorbenen an diesem Abend hören würden.

Die tanzende Leidensgenossin

Nach einem penetranten Lachen von Annette, dass noch in den Ohren nachklang, kam der zweite Geist zum Vorschein. Eine Schwester oder Freundin, um die 50 Jahre alt, nach Krankheit gestorben, wahrscheinlich Krebs, so Annette. Naja, eine nicht ganz seltene Todesursache bei 50-Jährigen. Eine Frau meldete sich und sagte, es sei ihre Freundin gewesen. Sie wären beide krank gewesen. Annette übermittelte dann vom Geist, wie schön es die beiden Freundinnen immer gehabt und wie gern sie getanzt hätten. Die Frau solle heute wieder mehr tanzen, mehr lachen und mehr leben. Sie solle auch auf Reisen gehen und das Leben geniessen.

Wenn mal etwas nicht passte, was Annette gesagt hatte, wurde dies jeweils uminterpretiert oder schlicht und einfach zur Seite geschoben. So kann natürlich alles passend gemacht werden.

Italienische Familienfreuden

Beim dritten Kontakt meinte Annette, es sei ein Vater, wahrscheinlich Italiener. Annette war wohl aufgefallen, dass einige im Publikum noch kurz vor Beginn der Veranstaltung miteinander italienisch gesprochen hatten. Annette beschrieb dann den typischen italienischen Vater mit allen Klischees, und die angesprochenen Geschwister im Publikum bejahten viel. Was nicht passte, wurde wieder passend gemacht oder ignoriert. Der Vater sagte dann durch Annette, dass er stolz auf seine Kinder sei und dass er alle sehr lieben würde. Der Geist übte keinerlei Kritik an irgendjemandem und hatte nur die positivsten Sachen zu sagen, wie toll denn alle seien. Annette brachte all das, was viele Väter zu Lebzeiten nie sagen würden, aber ihre Kinder dringend hören möchten.

Die Oma mit dem Haarnetz

Als nächstes sprach Annette von einer Oma, die wie eine Mutter für jemanden gewesen sei. Eine ältere Frau meldete sich sogleich. Ihre Oma hätte immer sehr auf ihre Haare geachtet und ein Haarnetz getragen. Sie war eine selbstbewusste Frau gewesen und sie sei stolz auf ihre Enkelin. Die angesprochene Frau hätte im Moment Probleme mit der eigenen Tochter, aber die Oma liess ausrichten, dass sie alles richtig gemacht hätte und ihrem Kind Zeit geben solle. Natürlich sagte sie nur Positives, es kam keine Kritik, nur Lob. Ausserdem solle die Enkelin mehr auf Reisen gehen und das Leben geniessen. Den Tipp zu reisen gaben viele Geister, wenn auch die Umsetzung während Corona sich eher schwierig gestaltet.

Der mahnende Zeigefinger

Als nächstes drängte sich, so Annette, eine Mutter um die 60 in den Vordergrund. Eine Frau meldete sich und Annette erklärte, dass sie mit ihr diese Woche schon eine Sitzung gehabt hätte. Die Mutter dieser Klientin würde sich nun wieder in den Vordergrund schieben, um die Tochter nochmal zu ermahnen. Sie hätte ihr nämlich schon gesagt, dass sie Kontakt mit ihrem Stiefvater aufnehmen solle, mit dem sie seit Jahren nicht gesprochen hatte. Ausserdem solle sie Zeichen von der Mutter in den Wolkenformationen suchen, sie würde dort ein Herz finden. Anscheinend können Geister Wolken beeinflussen, warum auch immer.

Der Militärpilot mit dem Herz aus Gold

Annette sprach nun wieder von einem jungen Mann, der sehr schnell gestorben sei, ein Freund oder ein Geliebter. Eine Frau meldete sich und erzählte, dass ihre erste Liebe bei einem Flugzeugabsturz als Militärpilot gestorben sei. Die Liebe sei ein Geheimnis gewesen, meinte Annette darauf, aber für den jungen Mann sei klar gewesen, dass die Frau seine grosse Liebe gewesen war und noch immer ist. Die alte Frau aus dem Publikum konnte das zwar nicht bestätigen, aber Annette behauptete, dass es für den Geist so sei. Viele Dinge, die Annette nun vom Geist sagte, stimmten nicht wirklich mit dem überein, was die alte Frau von ihrem Geliebten erzählte. Dass der Militärpilot bei einem Unfall in den Bergen mit einem Drachen abgestürzt war, fand Annette nicht heraus. Das war wohl zu spezifisch, Krebs oder andere Krankheiten sind da wahrscheinlicher und viel allgemeiner. Auch dieser Geist, der dem Alter der angesprochenen Frau nach schon seit über 50 Jahren tot sein musste, hätte die Frau immer geliebt und immer begleitet. Ihr Ehemann sei auch ein guter Mann gewesen für sie. Das war eine tolle Aussage von Annette, schön allgemein, jedoch verneinte die alte Frau und meinte, dass ihr Ehemann gar nicht gut zu ihr gewesen war. Nun veränderte Annette ihre Aussage, indem sie sagte, dass der Ehemann sie ja immerhin finanziell versorgt hätte, deshalb wäre die Aussage vom guten Mann korrekt. Wer will, kann alles passend machen. Auch dieser Geist wollte, dass die Frau mehr raus geht, am Leben teilnimmt und tanzt, so wie die anderen Geister zuvor.

Eine Velotour ins Glück

Als letzte würde sich nun noch eine Mutter melden, die Annette schon seit gestern verfolgen würde. Sie sei Schweizerin gewesen und hätte die Berge geliebt, die Natur sei ihr wichtig gewesen. Ein Ehepaar meldete sich darauf, und Annette fuhr fort. Anscheinend kannten sie sich schon, da Annette die beiden mit Namen ansprach. Sie wäre länger krank gewesen und sie hätten hoffnungsvolle Pläne gemacht. Die Frau sagte darauf, dass sie eine Velotour machen wollten. Annette führte aus, dass das Ehepaar bald einen Jahrestag haben würde. Naja, Jahrestage hat man ja auch jedes Jahr. Dazu würde das Paar Ferien in der Schweiz machen, in Corona-Zeiten auch sehr wahrscheinlich. Annette tippte aufs Tessin, den beliebtesten Ferienkanton zu dieser Jahreszeit. Der Geist wolle, dass sie die Reise geniessen, und speziell das Essen dort, was ein Highlight für sie wäre. Das war auch nicht schwer zu erraten, da die meisten Menschen gerne Essen gehen. Der Geist wolle, dass ihre Tochter nun endlich ihren Weg gehe, und bedankte sich, dass sie in Liebe gehen durfte. Annette sagte, dass die Frau ihre Mutter bei bestimmten Tageszeiten in der Sonne sehen könne. Sie solle darauf achten. Das lassen wir jetzt mal so stehen.

Fazit: Die Geister, die ich rief… oder auch nicht

Annette begann sehr allgemein, versuchte vieles zu erraten, tastete sich langsam vor, und was nicht passte, wurde passend gemacht oder einfach ignoriert. Sie bediente sich vieler Klischees und Wahrscheinlichkeiten. Annette betonte, dass man Geister nicht rufen könne und dass nur diejenigen sprechen würden, die sich gerade in den Vordergrund drängten und diejenigen, die ihr Geistfürer Gibi, der peruanische König, durchliess. Deshalb hat es mich auch nicht weiter verwundert, dass Annette keinen Geist für mich sprechen liess. Bei älteren Menschen ist es viel wahrscheinlicher, dass sie schon verstorbene Angehörige haben.

Offenkundig fehlt es Annettes Geistern komplett an negativen Seiten oder jeglicher Kritik. Annette zeichnet eine heile Welt. Egal wie streitsüchtig oder verschlossen ein Mensch im Leben gewesen war, Annettes Geister sind immer voller Liebe. Sie geben den Hinterbliebenen immer Recht, sind stolz auf sie und sagen alles, was diese gerne hören wollen. Es kann durchaus sein, dass es Hinterbliebenen bei ihrer Trauerbewältigung helfen kann, mit einem Medium wie Annette zu sprechen, doch ist auch Vorsicht geboten, etwa wenn Jenseitskontakte zu einer Sucht werden oder zum Lebensmittelpunkt. Manche Medien verlangen viel Geld dafür, dass sie der Kundschaft das erzählen, was diese hören will. Dies scheint mir ein Spiel mit der Trauer und der Verzweiflung der Hinterbliebenen zu sein.

Jasmin Schneider, 27. August 2021

Lexikoneintrag Annette Meng