Daniele Ganser

Daniele Ganser wurde 1972 in Lugano geboren. Von 1979 bis 1991 besuchte er die Rudolf Steiner Schule in Basel und schloss daraufhin im Jahr 1992 die Matura ab. An der Universität Basel, der Universiteit van Amsterdam und der London School of Economics and Political Science (LSE) studierte Ganser Alte und Neue Geschichte, Philosophie und Englisch mit dem Fokus auf Internationale Beziehungen. Sein Schwerpunkt lag dabei schon früh auf der verdeckten Kriegführung. So erwarb er sein Lizenziat mit einer Arbeit zum Thema «Kubakrise – Uno ohne Chance» und schrieb eine Dissertation mit dem Titel «Nato-Geheimarmeen in Europa», in welcher er geheime paramilitärische Widerstandsgruppen in Westeuropa zur Zeit des Kalten Kriegs untersuchte.

Nach seiner Dissertation arbeitete er 2001 bis 2003 beim Thinktank Avenir Suisse. Da leitete er unter anderem die Kampagne zur Volksinitiative für den Uno-Beitritt der Schweiz. 2003 trat Ganser eine Stelle als Senior Researcher am Center for Security Studies an der ETH Zürich an. 2006 endete diese Anstellung allerdings, als der Tages Anzeiger einen Artikel von Ganser mit dem Titel «Der erbitterte Streit um den 11. September» veröffentlichte. Im Artikel stellte Ganser erstmals öffentlich die offizielle Version der Bush-Regierung zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 auf das World Trade Center (9/11) in Frage. Die ETH legte daraufhin seinen Mail-Account lahm und forderte ihn auf, sich nicht mehr zum Thema 9/11 zu äussern.

Der Zeitungsartikel beendete gewissermassen seine wissenschaftliche Karriere. Nach der ETH wechselte er an die Universität Basel und arbeitete zwar dort 2007 bis 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter am Historischen Seminar, durfte jedoch nicht habilitieren. Grund dafür waren seine Thesen, wie jene zu 9/11, die als zu belastend für den Ruf der Universität eingestuft wurden. Somit publizierte Ganser selbstständig seine geplante Habilitation zum Thema «Europa im Erdölrausch».

2012 bis 2017 bot Ganser eine Lehrveranstaltung an der Universität St. Gallen zur Geschichte und Zukunft von Energiesystemen an. Dieser Lehrauftrag wurde 2017 von mehreren Schweizer Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen wegen seinen 9/11-Thesen kritisiert, von anderen Seiten allerdings auch verteidigt. Nach Angaben des verantwortlichen Professors wurde Gansers Lehrauftrag für das Jahr 2018 aufgrund der Reform des betreffenden Studiengangs gestrichen.

2011 gründete Ganser das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER), wo er auch heute noch aktiv ist (Stand Oktober 2020). Das SIPER hat die Vision einer gänzlich regenerativen Energieversorgung sowie die Beendigung der Gewaltspirale. In der Realität vermarktet das Institut jedoch vorwiegend die Vorträge, Aufsätze, Bücher und Interviews von Ganser.

Heute wohnt Ganser gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von Basel.

Daniele Ganser bedient sich einer Bandbreite von Überzeugungen und Themen. Immer wieder vorzufinden sind jedoch das Misstrauen gegenüber den USA und den etablierten Medien, sowie seine Überzeugung, Teil einer wachsenden Friedensbewegung zu sein.

Seit 2005 bezweifelt er öffentlich die Ursachen der Terroranschläge am 11. September 2001. Seiner These nach, wurden die Anschläge von der US-Regierung inszeniert, um Erdölkriege vor der Bevölkerung zu rechtfertigen.

In seinen Büchern können immer wieder spekulative und verschwörungstheoretische Tendenzen gefunden werden. Dazu gehört beispielsweise seine Beschuldigung der USA hinter dem Putsch in der Ukraine zu stecken oder die Anzweiflung der Hintergründe des Anschlags auf Charlie Hebdo, der seiner Sichtweise nach dazu dienen könnte, die Kriege gegen muslimische Länder zu legitimieren.

Wiederholt verurteilt er Militäraktionen der USA und der NATO-Staaten. So beispielsweise in seinem im Jahr 2016 erschienen Buch «Illegale Kriege», dessen Name Bezug auf die Uno-Charta nimmt, welche besagt, dass ein Land das andere nicht angreifen darf. Damit sich solche illegalen Kriege vor der Bevölkerung legitimieren lassen würden, brauche es Kriegspropaganda, so die Hauptaussage des Buches.

In Gansers Publikum lassen sich viele Verschwörungstheoretiker und -theoretikerinnen, sowie Menschen aus dem rechtspopulistischen und links-esoterischen Lager finden.

Das Publikum, sowie Ganser, sind online gut organisiert, sodass er in den sozialen Netzwerken präsent ist, was bei Verschwörungstheoretikern oftmals der Fall ist. Vor dem Aufkommen des Internets existierten Verschwörungstheoretiker in kaum sichtbaren Subkulturen und beobachteten den Mainstream, während dieser sie umgekehrt ignorierte. Das Internet hat jedoch zu mehr Anhängern und Anhängerinnen verholfen, die vor allem auch sichtbarer geworden sind. Von Subkulturen wurden sie zu «Gegenöffentlichkeiten» mit eigenen Medien, was auch im Fall von Ganser beobachtet werden kann.

Daniele Ganser betont die Wichtigkeit der Achtsamkeit immer wieder, unter anderem auf der Website des SIPER. Das Prinzip der Achtsamkeit soll die Friedensbewegung aber auch die eigene Psyche stärken. Er definiert die Achtsamkeit als Fähigkeit, seine Gedanken und Gefühle aus einer gewissen Distanz beobachten zu können und sich nicht mit ihnen identifizieren zu müssen.

So führt Ganser im November 2020 einen Achtsamkeitsworkshop in Bern mit dem Veranstalter «Die Quelle» durch. Das Seminarzentrum «Die Quelle» ist eine der führenden Plattformen für Esoterik-Angebote in der Schweiz. Es lobt das ruhige Auftreten von Ganser, dessen Erfolgsrezept die Achtsamkeit sei. Durch diese liesse er sich vom äusseren Druck oder Diffamierungen nicht von seinem Weg abbringen.

Laut Berichten erzielt Ganser sein Einkommen durch seine Bücher, von denen Hunderttausende verkauft wurden, und durch Honorare für seine Vorträge.

Daniele Ganser wird immer wieder vorgeworfen, ein Verschwörungstheoretiker zu sein. Dies bestreitet er vehement und besteht stattdessen darauf, lediglich auf Ungereimtheiten in der offiziellen Version von Tatbeständen hinzuweisen, neue Untersuchungen zu fordern und Fragen aufzuwerfen.

Kritisiert werden zudem seine verwendeten Quellen. Die in seinen Büchern enthaltenen Aussagen werden teilweise mit ernsthaften Quellen belegt. Oftmals bezieht er sich jedoch auf «Alternativmedien» wie die Zeitschrift «Zeit-Fragen» des früheren VPM oder Bücher aus dem Kopp Verlag, in welchen sich oftmals unterschwelliger Antisemitismus und rechtsextreme Positionen finden lassen.

Ganser selbst ist nie durch rassistische oder antisemitische Äusserungen aufgefallen. Dass er aber kein Problem damit hat, vor entsprechendem Publikum zu sprechen oder bei Veranstaltungen gemeinsam mit Rednern und Rednerinnen aufzutreten, die durch solche Positionen aufgefallen sind, wird ebenfalls von verschiedenen Seiten kritisiert. Ein Beispiel dafür ist sein Vortrag bei der «Anti-Zensur-Koalition» von Ivo Sasek im Juli 2014, wo zuvor mehrere Holocaustleugner aufgetreten waren.

Eigenen Angaben zufolge wurden Gansers Bücher insgesamt 100’000-mal verkauft. Auf Facebook hat er ca. 130’000 Abonnenten.

Website von Daniele Ganser: https://www.danieleganser.ch/

SIPER AG
Tramstrasse 66
4142 Münchenstein
https://www.siper.ch/

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