Satanistische Rituale auf Schloss Lenzburg?

Informationsveranstaltung des Vereins CARA (Care About Ritual Abuse) zum Thema „Organisierte rituelle Gewalt – Realität oder Täuschung?“ am 21. November 2019 im Casino Herisau

Samuel Kullmann, Vertreter der EDU im Grossen Rat des Kantons Bern und Angehöriger der Freikirche ICF, hat an der Infoveranstaltung des Vereins CARA am 21. November im Casino Herisau von satanistischen Netzwerken berichtet, die seiner Ansicht nach in der Schweiz aktiv sind. Kullmann ist nach eigener Aussage seit zwei Jahren mit dem Verein CARA verbunden und glaubt wie dieser an die Existenz von Gruppen, die rituelle Gewalt üben, indem sie Kinder in Ritualen systematisch sexuell missbrauchen, foltern und mitunter auch opfern. Diese Gemeinschaften würden, so die These, oft satanistische Symbolik und Inhalte pflegen und hätten Teile der Gesellschaft und Politik unterwandert.

Satanistische Gewalttaten im Rittersaal des Schlosses Lenzburg?

Unter dem Titel „Gewählt, um hinzuschauen“ berichtete Kullmann davon, wie er in den letzten zwei Jahren verschiedene Betroffene kennengelernt habe, die selbst Opfer von ritueller Gewalt gewesen seien. Als er mit dem Berner Grossen Rat von den Aargauer Kollegen zu einem Ausflug eingeladen und im Rittersaal des Schlosses Lenzburg bewirtet worden sei, habe er Bilder dieser Exkursion auf seiner Facebook-Seite gepostet. Daraufhin hätten sich insgesamt drei Opfer ritueller Gewalt bei ihm gemeldet, weil diese Fotos sie daran erinnert hätten, dass sie selbst in diesem Saal missbraucht worden seien. Auf Schloss Lenzburg hätten satanistische Rituale und Opferungen, aber auch kinderpornographische Verbrechen stattgefunden.

Samuel Kullmann gab diese Berichte als Faktum weiter. Irgendwelche Vorbehalte in Sachen Glaubwürdigkeit waren nicht zu hören, im Gegenteil, Kullmann wiederholte die im Bereich der Berichte von rituellem Missbrauch öfters gehörte These, dass rituelle Missbraucher sich oft Tatorte aussuchten, die bekannt und „sauber“ wirkten.

Fragliche Glaubwürdigkeit

Tatsächlich sind es unter anderem diese „berühmten“ Tatorte, welche viele Berichte über rituellen Missbrauch in ihrer Glaubwürdigkeit fraglich erscheinen lassen. Wie soll das gehen, dass im Rittersaal von Schloss Lenzburg satanistische Opfer stattfinden? Das würde eine Verschwörung mit Hunderten von Mitwissenden bedingen. Und bei Verschwörungstheorien gilt dieselbe Regel wie bei Erzählungen von angeblichen Okkultgruppen: je grösser, desto unwahrscheinlicher.

Camping-Hütten statt Rittersäle

Leider ist Missbrauch von Kindern, auch systematischer, jahrelanger Missbrauch, eine schreckliche Realität in unserer Gesellschaft. Realer Missbrauch fand in der Vergangenheit aber in Kellern statt, in Schuppen, in Hütten auf Campingplätzen und – vor allem – in der eigenen Wohnung, dem eigenen Haus, der eigenen Villa oder am eigenen Arbeitsplatz. Öffentliche Gebäude, Schlösser und Krypten als Tatorte waren hingegen typische Merkmale von Berichten, die sich später nachweislich als unzutreffend herausgestellt haben. Wer sich eine Missbrauchsgeschichte imaginiert – oft angeleitet durch Therapierende – sucht sich gern spannendere Tatorte aus, als real existierende Täter es vermögen.

Realer nichtritueller Missbrauch als Beweis für rituellen Missbrauch?

Da Beweise für die Existenz von rituellem Missbrauch im Sinne von systematischem Missbrauch von Kindern durch Gruppen im Rahmen von Ritualen bisher fehlen, was am Abend auch korrekterweise wiederholt betont wurde, wird gern auf nichtrituellen Missbrauch hingewiesen, um den rituellen Missbrauch zu plausibilisieren. Entsprechend ging auch Samuel Kullmann vor. Er erwähnte den Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein und einen Missbrauchsfall in Deutschland. Damit bewies Kullmann aber das Unbestrittene, die Existenz von systematischem nichtrituellem Missbrauch, die Frage des rituellen Missbrauchs blieb offen.

Wenn viele dasselbe sagen, wird es dann wahr?

Nebst Samuel Kullmann referierte an der Infoveranstaltung des Vereins CARA auch Michael Grossklaus. Grossklaus war zuerst Polizist, ist jetzt aber Pastor einer Freikirche in Villingen-Schwenningen, daneben Studienleiter bei der Biblisch-therapeutischen Seelsorge BTS. Grossklaus schilderte, wie er im Rahmen seiner pastoralen Tätigkeit mit Personen konfrontiert wurde, welche ihm von rituellem Missbrauch erzählten. Deren wachsende Zahl und die Gleichartigkeit ihrer Berichte führten Grossklaus allmählich zur Überzeugung, dass ritueller Missbrauch eine Realität sein muss.

Dieses Argument ist von Personen, welche an die Existenz von rituellem Missbrauch glauben, öfter zu hören. Wenn es aber tatsächlich so wäre, dass eine Vielzahl von ähnlichen Berichten die Realität des Geschilderten belegen würde, dann würden die Zehntausenden von Menschen, welche sich an frühere Leben zu erinnern glauben, die Reinkarnation als Tatsache beweisen, und die ebenfalls in die Zehntausende zählenden Personen, die davon überzeugt sind, von UFOs entführt worden zu sein, würden belegen, dass Ausserirdische existieren und an Menschen üble Experimente durchführen.

Nicht überall, wo Rauch ist, ist auch Feuer. In der Geschichte der Menschheit hat es schon furchtbar gequalmt, ohne dass auch nur ein Flämmchen nachgewiesen werden könnte, zu denken etwa an die schreckliche Ritualmordlegende gegenüber Juden, die immer wieder zu Judenverfolgungen geführt hat.

Schaffen Opfer Opfer?

Zwei Personen berichteten am Abend von rituellem Missbrauch, der ihnen selbst widerfahren sei: Eine Person steht in Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Partner um die Tochter, mit ihrer Tochter um deren Erziehung, und mit Ämtern. Der rituelle Missbrauch, an den sie sich seit einiger Zeit erinnert, dient als Erklärung dieser verzwackten Situation und offenbar auch als Waffe im Streit mit dem Ex-Partner um die Tochter. Dass Menschen in Besuchs- und Sorgerechtsstreitigkeiten eine Beteiligung an rituellem Missbrauch vorgeworfen wird, hören wir in unserer Beratungsarbeit leider immer häufiger.

Die andere Person machte eine jahrelange Psychiatrie-, Therapie- und Diagnosekarriere durch, bis sie sich an rituellen Missbrauch zu erinnern begann und in dieser Deutung nun eine Verbesserung ihrer Situation gefunden hat. Als Haupttäter sieht sie ihren Vater, der sie jeweils dem rituellen Missbrauch zugeführt habe. Gefragt, wie es möglich sei, dass die Nachbarn von alledem nichts bemerkt haben, meinte die Person, dass die meisten Nachbarn ebenfalls zu den Tätern gehört hätten. Die Logik ihrer Erzählung liess sie, so unser Eindruck, ohne spürbare Hemmungen einen grösseren Personenkreis mitbezichtigen.

Hier wurden wir an übelste Zeiten der Menschheitsgeschichte erinnert: Reicht es wieder, neben einer verdächtigten Person zu wohnen, um auch selbst schlimmster Verbrechen beschuldigt zu werden?

Rosa Brille

Durch den Abend führte Ruth Mauz, pensionierte Pfarrerin, ehemalige Mitarbeiterin der Stiftung Schleife und Präsidentin des Vereins CARA. Sie berichtete von ihrer behüteten Jugend an der Sonnenseite des Zürichsees, und davon, dass sie das Leben durch die rosa Brille gesehen habe, bis ihr in ihrer Seelsorgearbeit Menschen begegnet sind, die von rituellem Missbrauch berichtet haben. Anfänglich sei sie skeptisch gewesen, und würde auch heute nicht jeden Bericht glauben. Aber die Existenz von rituellem Missbrauch ist für Ruth Mauz nicht fraglich, ebenso wie für einen Grossteil des rund 150 Personen zählenden Publikums.

Ruth Mauz ist, so durfte ich sie bei persönlichen Begegnungen kennenlernen, eine zutiefst gläubige, immens engagierte und ausgesprochen altruistische Frau. Das Wohl des Anderen seht in jedem Fall über dem eigenen. Manchmal frage ich mich aber, ob sie die rosa Brille ihrer Jugend nicht durch eine allzu düstere ersetzt hat.

Keine Diskussion

Die im Untertitel der Infoveranstaltung „Realität oder Täuschung“ anklingende Möglichkeit einer kontradiktorischen Behandlung des Themas löste die Veranstaltung leider nicht ein. Alle Referierenden vertraten unisono die These der Realität rituellen Missbrauchs. Dass ritueller Missbrauch auch Täuschung sein könnte, blieb unangesprochen, abgesehen von einem Hinweis von Michael Grossklaus, dass er auch schon eine offensichtlich erfundene Erzählung aufgedeckt habe – allerdings war die Sache sehr plump, indem die betreffende Person aus einem in Buchform publizierten und auf der Szene hochbekannten Bericht Passagen heraussuchte und dann als eigene Erinnerung ausgab.

Raum für Rückfragen an die Referierenden gab es keinen. Zwar wurde eine Box angeboten, in welcher Fragen deponiert werden konnten, und deren Beantwortung versprochen, eine Diskussion konnte so aber natürlich nicht zustandekommen. Dies dünkt mich sehr schade. Umstrittene Themen brauchen dringend kontroverse Diskussionen.

Bert Hellinger gestorben

Am 19. September 2019 ist Bert Hellinger, der Begründer einer der erfolgreichsten Varianten des Familienstellens, im Alter von 93 Jahren in seinem Privathaus in Bischofswiesen bei Berchtesgaden gestorben.

Mariannhiller Missionar und Schulleiter in Südafrika

Hellinger wurde am 16. Dezember 1925 als Kind einer katholischen Familie in Leimen, Baden, geboren. Sein bürgerlicher Vorname war Anton. Als Jugendlicher besuchte Anton Hellinger ein Jesuiten-Internat, wurde im Jahr 1942 in die Wehrmacht eingezogen und kam an der Westfront zum Einsatz, und geriet 1945 in Kriegsgefangenschaft, aus welcher er nach einem Jahr fliehen konnte.

Zurück in Deutschland trat Hellinger den Marianhiller Missionaren bei und erhielt den Ordensnamen Suitbert, dessen Abkürzung Bert er von da an als Vornamen trug. Im Auftrag seines Ordens studierte Hellinger in Würzburg Philosophie und katholische Theologie, empfing im Jahr 1952 die Priesterweihe und siedelte nach Südafrika über. Dort wirkte Hellinger zuerst als Gemeindepriester und absolvierte ein Studium in Pädagogik, darauf wurde er Leiter einer katholischen Missionsschule.

Psychoanalyse und alternative Psychotherapie

In Südafrika lernte Hellinger bei anglikanischen Geistlichen die damals trendige Gruppendynamik kennen. Nach einem Konflikt um seine fortschrittlichen theologischen Positionen legte Hellinger seine Ämter in Südafrika nieder und reiste im Jahr 1968 zurück nach Deutschland. Dort absolvierte er eine Lehranalyse und eine Ausbildung zum Psychoanalytiker.

Im Jahr 1971 legte Hellinger sein Priesteramt nieder und trat aus dem Orden aus. In den folgenden Jahren liess er sich in diversen alternativen Psychotherapieformen fortbilden, so in den USA in Primärtherapie bei Arthur Janov, in Transaktionsanalyse bei Eric Berne, und in Hypnotherapie. Fürs Familienstellen wichtig wurde insbesondere die familientherapeutische Arbeit von Virginia Satir.

Das Familienstellen nach Bert Hellinger

Hellingers Familienstellen soll dysfunktionale Familien in ihre rechte Ordnung bringen und so den Beteiligten Lebenshilfe leisten. Als Psychotherapie wollte Hellinger sein Familienstellen nicht bezeichnet wissen, auch Versuchen, seine Methode wissenschaftlich zu fassen, stand er kritisch gegenüber.

Die Ordnung der Familie

Hellinger ging davon aus, dass es für Familienstrukturen eine vorgegebene richtige Ordnung gebe. Die Eltern hätten Vorrang vor den Kindern, diese wären den Eltern Dank schuldig, weil sie ihnen ihre Existenz verdanken – ganz unbesehen davon, ob die Eltern ihre Aufgabe besser oder schlechter wahrgenommen haben. Auch Missbrauch durch die Eltern entlaste, so Hellinger, Kinder nicht von der Pflicht zur Dankbarkeit. Unter den Geschwistern hätten die älteren Vorrang vor den jüngeren.

Wichtig fürs Familienstellen ist die Suche nach vergessenen Familienangehörigen – verstorbenen oder abgetriebenen Kindern, verstossenen Geschwistern oder ehemaligen Partnern der Eltern – die ins Familiensystem integriert werden müssen. Ziel ist ein harmonisches Bild der Familie, im Kreis aufgestellt, die Eltern den Kindern gegenüber, diese nach ihrem Alter aufgereiht.

Das wissende Feld

Hellingers Familienstellen wird meist in grösseren Gruppen durchgeführt. Die zu beratende Person beschreibt ihre Familie, dazu werden aus den Teilnehmenden Stellvertreter für die einzelnen Protagonisten der Familie gesucht und aufgestellt. Ihre Lage zueinander gibt Auskunft über die Beziehungen untereinander. Die Stellvertretenden beschreiben ihre Gefühle.

Dass dies nicht nur Mutmassen in der Gruppe bleibt, sondern tatsächlich die Familie der zu beratenden Person abbildet, das ermöglicht das sog. „wissende Feld“. Dieses versorgt Aufstellende und Stellvertretende mit den notwendigen Informationen.

Die Aufstellung endet mit einer Korrektur der Familie durch ihre Gruppierung im Kreis und die Integration vergessener Familienangehöriger. Dieses Bild der wiederhergestellten Familie wirkt übers „wissende Feld“ auf die realen Personen ein.

Systemaufstellungen

Ende der Neunzigerjahre wurde Familienstellen in esoterischen Kreisen und weit darüber hinaus enorm populär. Zahlreiche Esoterik-Anbieter liessen sich in Familienstellen weiterbilden und nahmen Hellingers Methode in ihr Programm auf.

In den 2000er-Jahren ging Hellinger dazu über, auch nichtfamiliäre Systeme aufzustellen. So wurden etwa Nationen über Stellvertretende miteinander versöhnt. Eine nachhaltige Wirkung in der Realität war für diese Bemühungen nicht nachzuweisen.

Kritik

Hellingers Familienstellen erfuhr vielfach Kritik. Hingewiesen wurde auf die fehlende wissenschaftliche Abstützung der Methode und auf die Tatsache, dass dem Familienstellen das Familienbild Hellingers quasi dogmatisch vorgegeben ist. Zudem wurde Hellinger sein direktiver und mitunter Klienten abwertender Ton vorgeworfen, welchen er bei Familienstellungen pflegte, so etwa im Rahmen eines Events im Oktober 1997 in Leipzig, bei welchem er eine Klientin massiv abkanzelte, worauf sie sich am Folgetag das Leben nahm.

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Lexikoneintrag Familienstellen nach Bert Hellinger

World Foundation for Natural Science warnt vor 5G

Die ins Umfeld der umstrittenen theosophischen Gemeinschaft Neue Weltkirche des Christus gehörende Organisation „The World Foundation for Natural Science“ bietet in den letzten Monaten an diversen Orten in der Schweiz Vorträge an, die vor dem neuen Mobilfunkstandard 5G und anderen Strahlenquellen warnen und interessiertes Publikum für weitere Veranstaltungen der Organisation anwerben wollen.

Vortrag in Uetikon am See

Am 17. September fand ein solcher Vortrag in Uetikon am See statt. Rund 60 Personen trafen im Riedstegsaal ein. Ein Teil des Publikums rekrutierte sich aus den Reihen der Neuen Weltkirche des Christus selbst, die Mehrheit dürfte aber aus der lokalen Bevölkerung stammen. Manche Personen fanden zur Veranstaltung, welche schon zu den altgedienten Kämpfern gegen Mobilfunkantennen gehören. Einige Teilnehmende erbaten an der Kasse nähere Informationen für die Organisation, welche hinter der Veranstaltung steht, so dass eine Werbewirkung der Kampagne für die Neue Weltkirche des Christus durchaus wahrscheinlich ist.

The World Foundation for Natural Science

Die World Foundation for Natural Science, die im deutschen Sprachraum in früheren Jahren auch unter dem Namen „Weltfundament für Naturwissenschaft“ auftrat, wurde im Jahr 1993 vom damaligen Leiter der Neuen Weltkirche des Christus, Peter William Leach-Lewis, inauguriert. Dass sich die „World Foundation for Natural Science“ als Teil der Neuen Weltkirche des Christus versteht, macht sie in ihrem vollen Titel deutlich, der über jeder Publikation und jedem Flyer prangt: „The World Foundation for Natural Science. The New World Franciscan Scientific Endeavour of The New World Church“.

Die neue Weltkirche des Christus

Peter William Leach-Lewis gründete die Neue Weltkirche des Christus im Jahr 1981 unter dem Namen „Fundament für Höheres Geistiges Lernen“. Gegen Ende der Achtzigerjahre trat die Organisation unter dem Namen „Bruderschaft der Menschheit“ auf, in den Neunzigern als „Universale Kirche“, als deren Patriarch sich Peter William Leach-Lewis in vollem Ornat abbilden liess. Durch antisemitische Zitate von Peter William Leach-Lewis stiess die Organisation in der Öffentlichkeit auf Kritik. In der Folge nannte sie sich „Dritter Franziskanischer Orden“ und seit ein paar Jahren „Neue Weltkirche des Christus“.

Religiös-missionarische Zielsetzung

Die religiös-missionarische Zielsetzung der „World Foundation for Natural Science“ wird auf Veranstaltungsflyern deutlich kommuniziert: „The World Foundation for Natural Science ist die franziskanisch-wissenschaftliche Weltmissionsbestrebung der Neuen Welt-Kirche. Unsere Mission ist es die Welt durch Verantwortung und Verpflichtung im Einklang mit dem Natürlichen und Göttlichen Gesetz zu heilen und somit die Göttliche Ordnung wiederherzustellen“ – so zu lesen Flyer für ein Seminar vom 21. bis 22. September 2019 im Hotel Rüttihubelbad in Walkringen, zu welchem am Vortragsabend in Uetikon eingeladen wurde. Über den Bereich der Wissenschaft im üblichen Sinn hinaus gehen auch die Verheissungen an die Teilnehmenden des Seminars: „Wach auf! Dein Körper spricht mit Dir! Erkenne die Lösung bei Krebs, Diabetes, Herzbeschwerden, Burn-out und Schmerzen.“

Strahlen als Problem der Menschheit

Der Kampf gegen 5G steht bei der Neuen Weltkirche des Christus in guter Tradition. Schon in den Neunzigerjahren machte sie, damals noch unter dem Namen Universale Kirche, mit der Behauptung auf sich aufmerksam, dass der Konsum von Nahrungsmitteln, die mit den damals neuen Mikrowellenöfen erwärmt wurde, Krebs auslösen könne. Nicht zuletzt zur Verbreitung dieser Behauptung wurde 1993 die World Foundation for Natural Science ins Leben gerufen. An der Schädlichkeit von Mikrowellennahrung wird auch heute noch festgehalten, mit inzwischen ausgeweiteter Argumentation: „Mikrowellennahrung erzeugt nicht nur Krebs, sie macht auch dick!“ So lautete der Titel einer Broschüre aus dem Jahr 2010, die am Vortrag in Uetikon für zwei Franken verkauft wurde.

Der Referent: Marcel Hofmann

Als Referent des Abends stellte sich Marcel Hofmann aus Utigen vor, der nach Abschluss des Technikums Rapperswil und einem Masterstudium in den USA für Telekom-Anbieter wie Swisscom und Diax gearbeitet hatte und heute baubiologische Messungen durchführt. Seit sechs bis sieben Jahren würde er Vorträge zum Thema Strahlung durchführen, seit dem Aufkommen der Debatte um 5G hätte deren Zahl aber so zugenommen, dass er dieses Jahr mehr Anlässe betreue als in der ganzen Zeit zuvor. Hofmann bestätigt damit, wie intensiv die World Foundation for Natural Science das 5G-Thema bewirtschaftet.

Bemühen um Seriosität

Marcel Hofmann war sichtlich bemüht, der Veranstaltung einen seriös-wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Quellen wurden, soweit wir das beurteilen konnten, korrekt benannt, und Verschwörungstheorien, die aus den Reihen des Publikums zum Teil lauthals eingebracht wurden, relativiert. Hinter 5G steht, so Hofmann, die Mobilfunk-Wirtschaft, die ihre Gewinne opitimieren will. Hauptverantwortung trage der Bund, der seine Aufsichtspflicht nicht wahrnehme. Von Freimaurern, Illuminaten, Bilderbergern, Reptilianern oder anderen Verschwörern war nicht die Rede. Auch „die Juden“, die der Gründer der World Foundation for Natural Science, Peter William Leach-Lewis, in den Neunzigerjahren für den Zweiten Weltkrieg und den Kommunismus verantwortlich machte, wurden nicht erwähnt.

Unklare Gefährdung

Für uns etwas vage blieb die angebliche Gefährdung durch den neuen Mobilfunk-Standard 5G. Dass ein auf dem Nachttisch neben dem Kopf liegendes Mobiltelefon Auswirkungen haben kann – was im Vortrag mit einer Reportage von RTL belegt wurde – wird ja weitherum konzediert. Es handelt sich hier aber um ein anderes Phänomen als die Auswirkung von Antennen auf dem Dach oder drei Häuserzeilen entfernt. Hierzu scheint es, so unser Eindruck, nichts wirklich Eindeutiges zu geben.

Esoterisches Weltbild

Immer wieder drangen aber Elemente des theosophisch-esoterischen Weltbildes durch, welches die Neue Weltkirche des Christus vertritt. So behauptete Marcel Hofmann, dass jedes Organ des Menschen in einer eigenen Frequenz strahle, und dass die Herzen von zwei Personen, die sich begegnen, im Idealfall ihre Herzfrequenz harmonisieren würden. Überhaupt würde 90% der zwischenmenschlichen Kommunikation über die Frequenz der Herzen laufen. Daneben gäbe es noch eine subtilere Energiekomponente des Herzens, die weiter wirke als ein paar Meter. Diese würde in den nächsten Jahren von der Forschung gefunden werden. Hier wurde deutlich, dass die Veranstalter Vertreter einer Organisation sind, welche über ein elitäres Wissen zu verfügen glaubt, das weit in die Zukunft reicht: Als Gruppen-Avatar unserer Zeit versteht sich die Neue Weltkirche des Christus als die heutige Repräsentantin der Universellen Weissen Bruderschaft der Aufgestiegenen Meister, d.h. der Eingeweihten und Wissenden der Menschheitsgeschichte.

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Lexikoneintrag Neue Weltkirche des Christus

Boykottaufrufe gegen Läderach an der Gegendemonstration zum «Marsch fürs Läbe»

«Ufe mit de Frauerächt, abe mit de Fundis!» – So klang es an Samstag durch Zürich, als circa 500 Menschen sich der genehmigten Gegendemonstration der Juso anschlossen. «Bunt, queer und laut zu sein,» war die Aufforderung an die Teilnehmenden als ein Protest gegen den «Marsch fürs Läbe», der am Samstag den 14. September 2019 um 14.00, zur gleichen Zeit wie die Gegendemonstration, geplant war.

Marsch fürs Läbe

Der Marsch fürs Läbe ist eine Veranstaltung von «Pro-Life»-Gruppierungen, die sich gegen Abtreibung aussprechen. Träger sind unter anderem die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) und die Vereinigung katholischer Ärzte der Schweiz. Schokoladenfabrikant Jürg Läderach, der die Finanzen der Veranstaltung betreut, ist wohl eines der bekanntesten Mitglieder des Vereins. Er spricht sich als Abtreibungsgegner unter anderem auch gegen LGBT-Rechte aus.

Mit Plakaten und Flyern mit Kindern und der Aussage «Danke, dass ich leben darf» wurde für den Marsch geworben, der nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Teilen der Welt stattfindet.

Gegendemonstration der Juso

Von den Juso wurde ein Antrag für eine Gegendemo eingereicht, der auch bewilligt wurde. Zugleich wurde von der Revolutionären Jugend Zürich eine zweite, unbewilligte Demo durchgeführt, die dann auch in Konfrontation mit der Polizei geriet.

Mit einem scharfen, getrommelten Rhythmus und lauten Parolen startete die Gegendemo der Juso um 14.50 Uhr, nachdem sich der Helvetiaplatz mit den Teilnehmern füllte. Der Zug folgte der geplanten Route, endete um 15.35 Uhr am selben Ort und verlief friedlich. Neben Rufen und Klatschen waren auch Pfeifen und Triller zu hören.

Menschen aller Sexualitäten und Geschlechteridentitäten marschierten mit, Fahnen wurden geschwenkt und der Regenbogen war überall. Die Stimmung wurde mit Liedern immer wieder in Schwung gebracht.

Vor dem Marsch wurden direkt unter dem Denkmal der Arbeit Reden gehalten.

Ansprache von Anna Luna Frauchiger

Anna Luna Frauchiger, Co-Präsidentin der Juso Stadt Zürich, meinte in ihrer Ansprache, dass der Marsch fürs Läbe Sexismus, Queerfeindlichkeit, Trans- und Islamophobie propagiere. Dies sei keine Meinung, sondern Diskriminierung. Die Gegendemonstration stelle sich gegen reaktionäre Hetze und nicht gegen die Meinungsfreiheit, denn am wichtigsten sei die Selbstbestimmung der Frau.

Fundamentalistische Christen gäben sich gerne tolerant, grenzten aber stattdessen aus. Jürg Läderach würde sich auch bei Opfern einer Vergewaltigung gegen Abtreibung aussprechen, und eine solchen Haltung dürfe nicht finanziell unterstützt werden. Es ginge auch nicht an, auf Kosten behinderter Kinder Werbung zu machen. Als Konsequenz wurde deshalb zum Boykott der Firma Läderach aufgerufen.

Weiter wurde die Freiheit der Bestimmung über Körper, Liebe und Leben gefordert, denn trotz grosser Schritte in Richtung Gleichberechtigung sei die Schweiz immer noch verbesserungsfähig. So sei zum Beispiel keine Anzeige möglich, wenn ein Fall von Transfeindlichkeit vorliegt.

Der Aufruf von Hass und Gewalt gegen queere Personen sei nicht christlich. Gefordert wurde eine Ehe für alle, die den Namen auch verdient, ohne halbe Sachen. Menschen seien mehr als nur binär und Familien existierten in vielen Formen.

Rede von Jolanda Spiess-Hegglin

Jolanda Spiess-Hegglin, Politikerin der Grünen, verwies auf Zitate aus der Webseite des Vereins Marsch fürs Läbe. Die Anhänger lebten von Bibelzitaten, vergässen jedoch den Vers Mt 7,1 «Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werden». Jeder erlangte Fortschritt sollte wieder rückgängig gemacht werden, es solle wieder alles vom Wohlwollen der Männer abhängen. Die Entscheidung sollte aber nicht bei fundamentalistischen Christen stehen, sondern bei der Person selbst. Die Rückkehr in eine mittelalterliche patriarchische Gesellschaft sei nicht zu verantworten.

Berichtet wurde auch von der deutschen Ärztin, die durch den Hinweis auf den Abtreibungs-Service ihrer Klinik auf ihrer Website nun Haft oder Geldstrafe droht. Auch seien Kliniken, die eine Abtreibung anbieten, oft Ziel von Belagerungen und Beschimpfungen. Die Ärztinnen und Ärzte würden mit Tätern aus Konzentrationslagern verglichen und seien für die Abtreibungsgegner das Böse in Person. Auf Foren würde für sie sogar die Todesstrafe verlangt.

Den Abtreibungsgegnern gehe es um den Schutz des Lebens, sie würden aber auch eine patriarchale Gesellschaft wollen, wo sie allein das Sagen hätten.

Zum Schluss forderte Spiess-Hegglin die Demonstanten auf, «Das Patriarchat, liebe Demonstrant*innen, werden wir nach diesem eindrücklichen Frauenjahr in alle Ewigkeit versenken, Amen. Protestiert friedlich, aber laut! Und esst Schoggi! Kauft sie aber in der Migros, nicht bei Läderach.»

Alain Liechti

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Lexikoneintrag Marsch fürs Läbe

Tamilische Migrationskirche GGMC in der Kritik

Die tamilische Migrationskirche Gethsamene Glory Missionary Church GGMC, die ums Jahr 2010 in Bern begründet wurde und seither 24 Tochtergemeinden in fünf Ländern begründet hat, ist in Kritik geraten. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein Pastor der GGMC, der sich auch als Apostel bezeichnen lässt.

Missbrauchsvorwürfe gegen den Pastor

Wie das Magazin Rundschau des Schweizer Fernsehens am 11. September 2019 berichtete, werfen mehrere Frauen dem Pastor vor, an ihnen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Eines der Opfer soll zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt gewesen sein. Der Pastor bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Zeuginnen als dämonisch besessen.

Undurchsichtiges Finanzgebaren

Nach Spendenbescheinigungen, die in der Fernsehsendung gezeigt wurden, kommt die Gemeinde durch Zehnten und Kollekten zu reichlich Einnahmen. Zahlreiche Spenden, darunter auch grössere Beträge, wurden gemäss den Belegen direkt für den Pastsor gestiftet. Dennoch bezog der Pastor an seiner Wohnsitzgemeinde Sozialhilfe.

Links:

Bericht der Rundschau zu GGMC

Lexikoneintrag zur GGMC

Sogyal Rinpoche gestorben

Der tibetische Lehrer, Autor einer der bekanntesten Ausgaben des tibetischen Totenbuchs, und Gründer der Bewegung Rigpa, Sogyal Rinpoche, ist am 28. August in Thailand an einer Lungenembolie gestorben, während er sich wegen seiner Krebserkrankung behandeln liess.

Jugend

Sogyal Rinpoche wurde im Jahr 1947 in Tibet als Sonam Gyaltsen Lakar geboren. Vom Nyingmapa-Lama Lamyang Khyentse Chökyi Lodrö soll er den Namen Sogyal erhalten haben. Sogyal besuchte eine katholische Schule in Kalimpong, Indien, und war später Student an der Universität von Delhi. Ab 1971 studierte Sogyal in Cambridge Religionswissenschaft und begann, die Nyingmapa-Variante des tibetischen Buddhismus einem westlichen Publikum näher zu bringen.

Rigpa

Mitte der Siebziger Jahre gründete Sogyal die Organisation Rigpa, ein Netzwerk von lokalen Zentren, die sich der Praxis des tibetischen Buddhismus nach der Schule des Nyingmapa widmen.

Das tibetische Totenbuch

1992 erschien Sogyals Hauptwerk „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“,  die wohl bekannteste Ausgabe des tibetischen Totenbuchs, die in diversen Auflagen und Sprachen erschien. Im Anschluss an diese Publikation war Sogyal in den Neunzigerjahren ein ausgesprochen gefragter Vortragsredner an damaligen esoterischen Kongressen.

Missbrauchsvorwürfe

Sogyal Rinpoche war kein Mönch. Ab dem Jahr 2010 häuften sich die Berichte, dass Sogyal Rinpoche über Jahrzehnte sexuelle Beziehungen zu jungen Anhängerinnen gepflegt hatte. Zudem wurden ihm die Ausübung körperlicher Gewalt und Verschwendungssucht vorgeworfen. Im August 2017 gestand Sogyal Rinpoche die Vorwürfe ein und legte sein Amt als Leiter von Rigpa nieder.

Rigpa-Zentren

In der Schweiz bestehen Zentren des Rigpa-Netzwerks zurzeit in Basel, Genf, Neuenburg und Zürich.

Christina von Dreien sagt Tagesseminar vom 31. August in Berlin ab

Wer die Website der Trendesoterikerin unserer Tage, Christina Meier alias Christina von Dreien besuchte, fand in der Rubrik „Events“ seit Monaten nur eine Veranstaltung: Das für den 31. August geplante Tagesseminar unter dem Titel „Bewusst Frieden Schaffen“, das mit drei zusätzlichen Gastreferierenden in der Convention Hall von Estrel Berlin hätte stattfinden sollen. Nun wurde am 13. August denjenigen Personen, welche ein Ticket für diesen Termin erworben hatten, die Absage der Veranstaltung und die Rückerstattung des Kaufpreises mitgeteilt.

Schleppender Ticket-Verkauf?

Die Convention Halls von Estrel Berlin bieten bis zu 5’000 Personen Platz, eine auch für die Verhältnisse einer Trendesoterikerin immense Zahl. Christina von Dreien konnte im Frühjahr 2019 in kleineren, damals ausverkauften Räumen mehrmals vor einigen Hundert Personen sprechen.

In Christina-von-Dreien-Foren wurde allerdings schon damals diskutiert, dass die Eintrittspreise für viele Fans zu hoch seien. Für das Tagesseminar in Berlin mussten Erwachsene ab 22 Jahren € 140.- überweisen, Jugendliche von 16-22 Jahren € 100.-

Zum Startevent der Vernetzungsplattform „Die Vision des Guten“ am 16. Juni 2019 in Friedrichshafen, an welchem Christina von Dreien ebenfalls als Rednerin angekündigt war – und dann erst an der Veranstaltung selbst entschuldigt wurde -, kamen nurmehr 85 Personen, die Veranstaltenden mitgezählt.

Noch am 27. Juli wurde im Newsletter von Time to do, der Fernsehsendung von Christinas Förderer Norbert Brakenwagen, für den Event in Berlin Werbung gemacht.

Gut denkbar ist deshalb, dass der Ticketverkauf schleppend verlief und die Gefahr bestand, dass der Event vor ähnlich leeren Rängen hätte stattfinden müssen wie die Veranstaltung in Friedrichshafen.

Projekt in Südamerika

In der Mitteilung an die Ticketkaufenden, welche von Christinas Pressesprecherin Nicola Good verfasst war, wurde die Absage allerdings anders begründet:

„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass das Seminar in Berlin auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss. Christina kann derzeit ein Projekt im fernen Ausland, welches in einer wichtigen Aufbauphase ist, nicht ohne ihre Betreuung lassen, sei es auch nur für ein paar Tage. Ihre Abwesenheit würde das Ganze in seiner Entstehung gefährden. So hat Christina die schwierige Entscheidung treffen müssen, diesen Tag in Berlin abzusagen.“

Über das erwähnte Projekt ist nur so viel zu erfahren, dass es irgendwo in Südamerika domiziliert ist, in einem Land, wo im Moment eine Temperatur von 25 Grad herrscht. Weder über den Ort noch über die Art des Projekts werden irgendwelche Details mitgeteilt.

Auf Christina von Dreiens Website sind zurzeit keine weiteren Veranstaltungen mit Christina zu finden.

Baldiges Erscheinen des dritten Bandes der Christina-Buchreihe?

Ausstehend ist nach wie vor der ursprünglich für Anfang 2019 angekündigte dritte Band der Christina-von-Dreien-Buchreihe, für welchen sich Besuchende von Christina-von-Dreien-Veranstaltungen in Bestelllisten eintragen konnten.

Im geschlossenen Christina-von-Dreien-Facebook-Forum meinte eine Teilnehmende, sie hätte bei Bernadette von Dreien, der Mutter Christinas und Autorin der ersten beiden Bände, nachgefragt und per E-Mail die Auskunft erhalten, dass der dritte Band Ende August erscheinen würde. Falls dem so sein sollte, werden wir über dessen Inhalt zeitnah informieren.

Mehr zum Thema

Lexikoneintrag Christina von Dreien

Bericht vom Startevent der Vernetzungsplattform „Die Vision des Guten“

Tagung «Esoterik und neue Spiritualität» am 30. November 2019 in Zürich

Die Kommission Neue Religiöse Bewegungen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK führt am 30. November 2019 im Zentrum Hirschengraben 50 in Zürich eine Tagung durch zum Thema «Esoterik und neue Spiritualität».

Ort und Datum

Samstag, 30. November 2019, 10 bis 17 Uhr
Zentrum Hirschengraben 50, 8001 Zürich

Mitwirkende

Shiva Guruji Aruneshvar (Arun Kal), Meister aus dem Himalaya, und Shivani Himalaya (Katrin Suter), Shiva Dhyan Yoga Lehrerin aus der Schweiz. Shiva Dhyan Yoga ist eine im Bereich der neuen Spiritualität zurzeit gefragte Meditationsform.
Beno Kehl, ehemaliger Franziskanermönch, heute Mitarbeiter einer reformierten Kirchgemeinde, seit Jahren auch im Bereich der neuen Spiritualität aktiv
Hugo Stamm, Journalist, Sektenexperte, seit Jahrzehnten engagierter und kritischer Beobachter von Esoterik und neuer Spiritualität
Patrick Schwarzenbach, Pfarrer Reformierte Citykirche Offener St. Jakob
Georg O. Schmid, Leiter der Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen (www.relinfo.ch)
Vorbereitungsgruppe: Martin Zürcher, Rahel Albrecht, Franziska Huber, Christian Metzenthin

Programm

10.00 – 10.15 Begrüssung
10.15 – 10.45 Impulsreferat: Esoterik oder das Reich der pseudoreligiösen Fantasie Hugo Stamm
10.45 – 11.00 Response 1: Spiritualität und Menschwerdung, Beno Kehl
11.00 – 11.15 Response 2: Wie ich zum Shiva Dhyan Yoga und zu mir selbst fand, Shivani Himalaya
11.15 – 11.30 Pause
11.30 – 12.00 Rückfragen und Diskussion
12.00 – 13.30 Mittagspause: Verpflegungsmöglichkeiten in der Nähe
(Mittagessen wird nicht vom Veranstalter organisiert)
13.30 – 14.30 Workshop-Block I:
Shivani Himalaya mit Shiva Guruji Aruneshvar: Einführung in die Shiva Dhyan Yoga Meditationen
Beno Kehl: Vom Scherbenlauf zu Gedanken von Anastasia – kreativer ­Umgang mit Angst und Grenzen
Georg O. Schmid: Phänomen Christina von Dreien
– Patrick Schwarzenbach: Die esoterischen Übungen des Rabbis Jeschua ben Joseph – geheimnisvolle Wege im Christentum
14.30 – 15.00 Pause mit Tischgesprächen
15.00 – 16.00 Workshop-Block II (zweite Durchführung der Workshops)
16.00 – 16.45 Schlusspodium mit Hugo Stamm, Beno Kehl, Shivani Himalaya, Patrick Schwarzenbach
16.45  Apéro mit Würdigung von Hugo Stamms Arbeit
zu seinem 70. Geburtstag

Kosten

Tagungsbeitrag Fr. 50.–, Studierende und Lernende Fr. 25.–
(Gruppenrabatt möglich, Anfrage an tagung@relinfo.ch)

Tagungsflyer

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KwaSizabantu Schweiz trennt sich von der Mission KwaSizabantu

Zusammen mit anderen europäischen Sektionen, darunter denjenigen aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, hat sich die Schweizer Sektion der Mission KwaSizabantu von der Mutterorganisation in Südafrika getrennt. Die Schweizer Vertretung hat sich mittlerweile als Evangelische Gemeinde Hof Oberkirch neu organisiert.

Trennungsgründe

Hintergrund der Trennung sind Vorwürfe der Veruntreuung von Spendengeldern und die Umgangs- und Leitungskultur des neuen Leitungsteams in Südafrika. Umstritten war die Zentrale in Südafrika aber auch wegen rigider Regeln und wegen Offenbarungen, die spiritistisch wirkten.

Domino-Servite-Schule

Die Trennung von der Zentrale in Südafrika betrifft auch die Privatschule in Kaltbrunn, die bisher unter dem zu KwaSizabantu gehörenden Namen Domino-Servite-Schule auftrat und sich nun CSLinth (Christliche Schule Linth) nennt.

Christianity for Today cft, ehemals Christians for Truth

Die Organisation Christianity for Today cft (vormals Christians for Truth), die sich für christliche Werte in Politik und Gesellschaft einsetzt, wird von Personen geführt, welche vormals zu KwaSizabantu Schweiz gehörten und nun Teil der Evangelischen Gemeinde Hof Oberkirch sind. Damit hat auch cft mit der Mission KwaSizabantu nichts mehr zu tun.

Wahre Liebe wartet / Young and Precious

Personen aus dem Umfeld von KwaSizabantu Schweiz waren auch massgeblich aktiv in der Schweizer Sektion der amerikanischen Organisation Young and Precious, vormals True Love Waits (Wahre Liebe wartet), welche sich u.a. gegen Sex vor der Ehe einsetzt. Inzwischen ist die Schweizer Sektion abgesehen von ihrer Website kaum mehr aktiv. Eine Verbindung mit der Mission KwaSizabantu existiert aber auch hier nicht mehr.

Mehr zum Thema

Lexikoneintrag Evangelische Gemeinde Hof Oberkirch

Lexikoneintrag Mission KwaSizabantu

Scientology-Standaktionen rufen Anti-Scientology-Aktivisten auf den Plan

Wer in Schweizer Städten unterwegs ist, kommt nicht umhin, früher oder später einem Stand zu begegnen, welcher von Scientologen geführt wird. Scientology macht vom Recht, auf öffentlichem Grund zu werben, reichlich Gebrauch und schöpft die Kontingente der Städte zur Bewilligung von Ständen mitunter voll aus.

Frontorganisationen

Scientologen führen ihre Stände nicht immer unter den Bezeichnungen Scientology oder Dianetik, sondern auch unter den Namen von sog. Frontorganisationen, die von Scientologen getragen werden und auf Ideen von L. Ron Hubbard Bezug nehmen, aber organisatorisch selbständig sind. In Schweizer Städten aktiv sind etwa der Verein „Sag nein zu Drogen“ oder die Citizens Commission on Human Rights CCHR, die sich kritisch mit der Psychiatrie auseinandersetzt. Manche Städte zählen die verschiedenen Frontorganisationen im Umfeld von Scientology bei der Standvergabe zusammen, andere gewähren jeder Frontorganisation einzeln das volle Kontingent, das einer weltanschaulichen Gemeinschaft zusteht.

Ideal Org Basel und die Folgen

Bei Standaktionen von Scientology werden an manchen Orten Aktivisten-Gruppen aktiv, die ihren Ausgangspunkt bei einer anderen Scientology-Aktion genommen haben: Im Jahr 2014 wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass die Scientology-Niederlassung in Basel nächstens in eine sog. Ideal Org umziehen wird, in ein grosses, repräsentatives Zentrum in bester Lage. Mit der Aktion Ideal Org verfolgt Scientology seit einigen Jahren das Ziel, durch beeindruckende Liegenschaften gesellschaftliche Relevanz auszustrahlen. Nach Beobachtungen von Insidern bleiben die Ideal Orgs aber für den Besucherstrom zu gross, so dass sich die Frage stellt, ob Scientology mit dem Konzept der Ideal Orgs wirklich gut beraten war. Erfolgreiche weltanschauliche Organisationen drängen sich lieber in zu kleine Räume, als dass sie ein Gefühl der Leere aufkommen lassen.

GAGS Basel

Das Projekt des Bezugs einer Ideal Org rief in Basel Anwohner auf den Plan, die sich zu einer Organisation formierten: der Gewaltfreien Aktion gegen Scientology Basel, abgekürzt GAGS Basel.

GAGS Basel demonstrierte nicht nur bei der Eröffnung der Ideal Org in Basel im Jahr 2015, zu welcher auch der Scientology-Chef David Miscavige anreiste, sondern wird auch bei Standaktionen von Scientology aktiv, indem Passanten, die sich für den Scientology-Stand interessieren, auf Scientology angesprochen werden:

https://www.facebook.com/gags.schweiz/

Freie Anti-SC-Aktivisten

Aus der GAGS Basel ist dieses Jahr eine weitere Aktivisten-Organisation herausgewachesn, die Freien Anti-SC Aktivisten, die in der ganzen Deutschschweiz tätig sind und ihre Einsätze bewusst im Voraus mit den zuständigen Behörden absprechen:

http://www.freie-antisc-aktivisten.ch/

Aktionen der Freien Anti-SC Aktivisten haben in den letzten Tagen und Wochen die Aufmerksamkeit der Medien gefunden, so ein Auftritt am vergangenen Samstag in Winterthur:

https://www.toponline.ch/news/winterthur/detail/news/achtung-scientology-sekte-00116516/

Die Reaktion der Städte

Nach Auskunft der Freien Anti-SC Aktivisten reagieren die zuständigen Behörden der einzelnen Städte sehr unterschiedlich. Mancherorts werden die Aktivisten ausdrücklich willkommen geheissen als Ausdruck der Meinungsfreiheit, die auch ein öffentliches Nein zu einer bestimmten umstrittenen Gemeinschaft abdecken muss. Andernorts wird offenbar eine Störung der öffentlichen Ordnung oder des konfessionellen Friedens befürchtet und den Aktivisten bedeutet, dass sie unerwünscht seien.

Hintergrund der Aktivisten

Die Angehörigen von GAGS Basel und der Freien Anti-SC Aktivisten sind z.T. ehemalige Scientologen, in ihrer Mehrheit aber Personen, die sich gegen eine umstrittene Organisation engagieren wollen. Bezüge zu anderen weltanschaulichen Gemeinschaften oder Bewegungen bestehen nicht. Die von Scientology-Vertretern gelegentlich geäusserte Behauptung, Kritikern von Scientology ginge es darum, ihre eigene Organisation (und deren „Schäfchen“) zu verteidigen, greift bei den Aktivisten ins Leere.