Neuere fundamentalistische Sondergruppen
Neuere fundamentalistische Sondergruppen sind oft aus dem Freikirchenbereich herausgewachsen, haben sich aber radikalisiert und empfinden die Freikirchen nun als zu wenig gläubig, als ungläubig oder gar als Sekten. Sie zeichnen sich durch ein exklusives Bibelverständnis und durch Zentriertheit auf eine – meist männliche – Führungsperson aus, die behauptet, mit Gott in speziell enger Verbindung zu stehen.
- Fundamentalistisches Bibelverständnis: Die Gemeinschaft lehrt, dass die Bibel durchgehend wörtlich zu verstehen sei. Wo zwischen Wissenschaft und Bibel ein Widerspruch besteht, irrt die Wissenschaft.
- Ablehnung theologischer Bildung: Lokale Leitungspersonen werden in aller Regel nicht motiviert, eine theologische Ausbildung zu absolvieren, sei diese universitär oder freikirchlich. Stattdessen wird in typisch fundamentalistischer Weise angenommen, dass die Bibel allein aufgrund des eigenen Glaubens und mithilfe der Anleitung durch die Führungsperson korrekt verstanden werden kann.
- Exklusiver Wahrheitsanspruch: Die Gemeinschaft glaubt, dass nur ihre Führung die Bibel korrekt versteht.
- Leitungszentriertheit: Die Verkündigung der Gemeinschaft formt die Verkündigung der Leitung nach, z.B. durch Nachpredigen von Predigten der Leitungsperson oder durch das Abspielen von Aufnahmen / Übertragungen.
- Kritikverbot: Interne Kritik an der Leitung ist nicht vorgesehen. Wer dennoch kritisiert, gerät an den Rand oder wird ausgeschlossen.
- Hohes missionarisches Engagement: Die Gemeinschaft erbringt unermüdlichen Aufwand für den Versuch, neue Mitglieder zu gewinnen.
- Verdeckte Werbung: Die Werbung erfolgt bewusst intransparent, z.T. ohne Nennung der Gemeinschaft, z.T. mit Decknamen. Wer sich auf Veranstaltungen einlässt, weiss lange nicht, welche Organisation im Hintergrund steht.
- Namenslosigkeit: Viele neuere fundamentalistische Sondergruppen verzichten bewusst auf einen Namen oder verheimlichen ihren juristisch eingetragenen Namen gegenüber ihrem Publikum.
- Strukturlosigkeit: Neuere fundamentalistische Sondergruppen sind z.T. ohne juristische Struktur, z.T. existiert eine nominelle Vereinsstruktur, die aber gegenüber informellen Abläufen und Finanzflüssen unwichtig bleibt.
- Ablehnung der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften: Neuere fundamentalistische Gemeinschaften empfinden sich als einzig wahre und legitime religiöse Organisation und verzichten deshalb auf Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften. Manche kennen zwar eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppen auf politischem Gebiet, lehnen aber gemeinsame spirituelle Veranstaltungen ab.
- Rabiate Reaktion auf Kritik von aussen: Neuere fundamentalistische Sondergruppen reagieren auf öffentliche Kritik typischerweise gereizt, kritische Ehemalige und Fachleute werden diffamiert und/oder verklagt.