ICF-Movement

Andere Namen: International Christian Fellowship, ICF Church, ICF-Bewegung

Das ICF-Movement ist eine vergleichsweise neue Freikirchen-Bewegung, die ausgehend von Zürich insbesondere junge Menschen anspricht.

ICF Zürich kennt gewissermassen zwei Gründungsdaten. Ab 1990 führte Heinz Strupler in der St. Anna-Kappelle in Zürich unter dem Namen International Christian Fellowship (ICF) jeweils am Sonntagabend zweisprachige englisch-deutsche Gottesdienste durch, die evangelikal nicht-charismatisch ausgerichtet waren und insbesondere von jungen Menschen aus Freikirchen intensiv besucht wurden. Struplers ICF verstand sich aber bewusst nicht als eigene Gemeinde, sondern als überdenominationelles Gottesdienstangebot.

Der Wunsch nach gemeindlicher Verfestigung führte allerdings zu diversen Gemeindegründungen aus dem Umfeld des ICF heraus, darunter die «Limmatgemeinde». In der Folge war der ICF zu verschiedenen Ortswechseln gezwungen, Spannungen waren die Folge, das trendige Image ging im Laufe der Jahre zunehmend verloren, der ICF verschwand aus der evangelikalen Öffentlichkeit. Im Jahr 1996 übergab Heinz Strupler die Leitung des ICF an den heutigen Senior Pastor Leo Bigger. Der 1968 geborene und als Offset-Drucker ausgebildete Bigger wirkte als Jugendlicher in einem Hauskreis mit, der der Katholischen Charismatischen Erneuerung nahestand. 1992 stiess Bigger zum ICF und absolvierte eine Ausbildung in Heinz Struplers Institut IGW.

Nach der Übernahme der Leitung fusionierte Bigger den ICF mit der von Matthias Bölsterli geleiteten Limmatgemeinde zur ICF Church. Der Zusatz «Church» sollte dabei dokumentieren, dass sich ICF fürderhin als eigenständige Gemeinde versteht. Bigger wurde Gesamtleiter, Bölsterli Co-Leiter. Der Namenszusatz «Church» wurde in den letzten Jahren im Rahmen der Gründung von Tochtergemeinden wieder aufgegeben.

Im Zentrum der Aktivitäten des ICF stehen die Gottesdienste, die bewusst auf Jugendliche oder junge Erwachsene zugeschnitten sind. Musik- und Showaufwand sind beträchtlich.

Ende der Neunzigerjahre erlebte ICF ein starkes Wachstum und erreichte ums Jahr 2000 herum in Zürich jeweils rund 3’000 Personen pro Wochenende. Tochtergemeinden in anderen Städten wurden begründet, mit unterschiedlichem Erfolg.

Im Frühjahr 2002 führte Leo Bigger in ICF das sog. G12-System ein, ein hierarchisches Kleingruppen- und Mentoring-System, das als sektenartig kritisiert wird. In den folgenden Jahren wurde dieses System in verschiedenen Schritten wieder aufgeweicht.

Im Jahr 2017 bezog die Muttergemeinde des ICF Movement, ICF Zürch, mit der Samsung-Hall in Dübendorf eine neue Zentrale.

Die ICF-Bewegung vertrat in ihrer Geschichte unterschiedliche theologische Positionen. Als evangelikales Gottesdienstangebot begründet, übernahm die ICF Church ab 1996 neocharismatische Positionen. Unter dem Einfluss des G12-Modells gelangte ICF zu klassisch pfingstlichen Ansätzen, um inzwischen wieder eher neocharismatisch zu lehren.

Lokale ICF-Gemeinden vertreten im einzelnen unterschiedliche Ausrichtungen, manche sind eher evangelikal orientiert, andere eher pfingstlich-charismatisch.

Klar distanziert hat sich ICF in seiner Geschichte von Wort-des-Glaubens-Lehren, was zu verschiedenen Abspaltungen führte.

Die lokalen ICF-Gemeinden sind als Vereine organisiert, denen aber meist nur das Leitungsteam der Gemeinde angehört. Dieses allein entscheidet über die Geschicke der Gemeinde, die Besuchenden haben keine Möglichkeit, bei ICF Mitglied zu werden.

Den Besuchenden wird empfohlen, ihrer ICF-Gemeinde mindestens 10% ihres Lohnes zu spenden. Diese Zehntenforderung wird in Wort und Schrift häufig thematisiert, ob ihr die Besuchenden nachkommen, wird aber nicht überprüft.

Das ICF Movement verzichtet auf die Mitgliedschaft in Dachverbänden, etwa dem VFG Freikirchen Schweiz oder der Evangelischen Allianz.

CH: 24 Gemeinden
FL: 1 Gemeinde
D: 21 Gemeinden
A: 3 Gemeinden

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