Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON) (Hare Krishna-Bewegung)

Die ISKCON (International Society for Krishna Conciousness) wurde 1966 in New York von A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada (abgekürzt Srila Prabhupada) gegründet. Dieser wurde 1896 unter dem Namen Abhay Charan De in Kalkutta als Sohn eines Tuchhändlers geboren. Er machte einen College-Abschluss, verweigerte aber dessen Annahme; er begegnete dem Guru Bhaktisiddhanta Sarasvatis, von dem er 1932 als Schüler eingeweiht wurde. 1952 gründete er die «League of Devotees» (Gemeinschaft der Gottgeweihten) und brach mit seiner Frau und seiner Familie. 1959 liess er sich als Guru einweihen und veröffentlichte Bücher mit Kommentaren zum Bhagavata-Purana, dem bedeutendsten Dokument indischer Krishnafrömmigkeit. 1965 reiste er fast mittellos auf einem Frachter nach New York, wo er sich nieder liess, um das Krishna-Bewusstsein in der westlichen Welt zu verbreiten. Seine Bemühungen zeigten nach einem ersten schwierigen Jahr (und Auseinandersetzungen mit den dort ansässigen Yoga-Lehrern) bald grosse Früchte. 1966 gründete er die ISKCON und den ersten Tempel in New York. Bis zu seinem Tod im Jahre 1977 verbreitete er mit einer wachsenden Zahl von Schülern und Anhängern sein spirituelles Programm der Gotteshingabe in fast allen Ländern der Welt. Er etablierte in den letzten 12 Jahren seines Wirkens weltweit an die 108 Tempel und übersetzte 80 Bände der Bhakti-Literatur aus dem Sanskrit und Bengali ins Englische. Seine Bücher wurden in 60 Sprachen übersetzt und werden von dem von ihm gegründeten Bhaktvedanta Book Trust (BBT) herausgegeben.
 Srila Prabhupada hatte keinen direkten Nachfolger; er selbst setzte einen Führungsrat ein, den GBC (Governing Body Comission), der die Geschicke der ISKCON heute weiterführt. Dieser umfasst derzeit 35 Mitglieder und hat seinen Sitz in Mayapur (Westbengalen/Indien), dem Geburtsort des Sri Caitanya (1486–1534), auf welchen sich die Hare-Krishna-Bewegung beruft. Sri Caitanya wird als Avatar, als Herabkunft Gottes, verstanden. Der barmherzige Gott kam wieder auf die Erde, um den Menschen zu zeigen, wie sie sich ungeachtet der unglücklichen Umstände des jetzigen Zeitalters (Streit, Heuchelei etc.) im liebenden Gottesdienst und im Sinne des Bhakti-Pfades betätigen können. Sri Caitanya stimmte im ausgehenden Mittelalter mit seinen Geweihten zusammen den Hare-Krishna-Mantra an: «Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare Hare Rama Hare Rama Rama Rama Hare Hare». Das «Chanten» (Singen, Ausrufen, Sprechen) der Namen Gottes soll auch heute den Geist läutern und die Verwirklichung als glücklichen Diener Gottes näherbringen. Da Krishna als höchste Instanz, als Lehrer des Arjuna in der Bhagavadgita – Krishna führt vor der grossen Schlacht seinen Freund Arjuna in die tiefsten Geheimnisse indischer Philosophie und Mystik ein – und als Schöpfer des Karmagesetzes gilt, ist derjenige, der sich Krishna ergibt, von allen Sünden befreit. Diener Gottes zu sein äussert sich durch Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, im «Chanten» der Namen Gottes, im Studium der Schriften, im Besuchen von Tempeln, in der Verehrung der Bildgestalten Gottes und durch das Befolgen der Empfehlungen Krishnas in der Bhagavadgita (Barmherzigkeit und Mitleid mit allen Lebewesen, lactovegetarische Ernährung, geregeltes Geschlechtsleben, gesunde Lebensführung mit Verzicht auf Rauschmittel). In den Jahren 1974 und 1988 kam es in der Hare-Krishna-Bewegung zu Turbulenzen bis hin zu Auseinandersetzungen über Waffenbesitz und zu Prozessen wegen Freiheitsberaubung. Manche der von Praphupada ausgewählten und eingesetzten 11 Nachfolger – zuerst zuständig für je verschiedene Gebiete – erwiesen sich als schlechte Wahl. Man sieht dies heute als Jugendsünden an und glaubt daraus gelernt zu haben. Nachwirkungen der Auseinandersetzungen sind die verschiedenen kleineren und grösseren Abspaltungen von ISKCON (z.B. das ISKCON Revival Movement oder die unten erwähnte Vrinda-Bewegung). Sie berufen sich alle auf Prabhupada und unterscheiden sich vor allem in ihrem Verständnis der Bedeutung des Meisters. Frustrierende Erfahrungen mit unwürdigen Meistern haben intensives Fragen nach überzeugender Meisterschaft in Gang gesetzt. Die ISKCON selber bemüht sich heute, von ihrem Sektenimage abzurücken. Die Einschränkung der persönlichen Freiheit werden abgebaut, der Anspruch, vedische Tradition in exklusiver Reinheit zu vertreten, wird zurückgenommen. Die Grundsätze der Bhakti-Lehre sind aber für die Bewegung unantastbar. Zudem werden die Schriften Prabhupadas zumeist noch unkritisch rezipiert, trotz der darin enthaltenen, oft stossend antiquierten Urteile z.B. über Frauen. Jedoch gibt es schon viele Gottgeweihte, auch in der Führung der ISKCON, die sich der Problematik der schwierigen Textstellen bewusst sind.