Familie Mariens

Anderer Name: Pro Deo et fratribus, PDF – FM
Dazu gehört: «Werk Jesu des Hohen Priesters»

«Pro Deo et fratribus» auch bekannt als «Familie Mariens» ist eine private, internationale Vereinigung von Gläubigen der römisch-katholischen Kirche, die seit 2004 päpstlich anerkannt ist. Es ist eine Missionsgemeinschaft, welche in den 60er Jahren aus der katholischen Kirche heraus entstanden ist und in ihrer Spiritualität die Liebe zu Maria in den Vordergrund stellt. Sind in deutschsprachigen Ländern aber auch in den Niederlanden, Frankreich und im Osten tätig.

Die Entstehung der Familie Mariens ist stark mit dem «Werk des Heiligen Geistes», auch bekannt als «Priesterwerk», verbunden. Die Leitung dieser Laiengemeinschaft oblag Joseph Seidnitzer, der wegen mehreren Gefängnisaufenthalten und Missbrauchsdelikten als Priester suspendiert wurde. Nach seinem Weggang übernahm Gebhard Sigl die Leitung. Der slowakische Bischof Pavel Mária Hnilica war zu dieser Zeit auf der Suche nach einer Gemeinschaft, da seine 1968 gegründete «Pro Deo et Fratribus» (welche insbesondere die antikommunistische Opposition unterstützte) nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime Anfang der 1990er Jahre ihre Daseinsberechtigung verlor. Er traf auf Seidnitzer und Sigl und ihr «Werk des Heiligen Geistes», das 1990 durch den Vatikan verboten wurde. Hnilica gründete auf Wunsch Papst Pauls VI die Laienbewegung „Pro fratribus“, die sich aus den Mitgliedern des Priesterwerks zusammensetzte. Zu diesem Zeitpunkt lösten sich einige Mitglieder von der Gruppierung, unter anderem auch Marian Eleganti (pensionierter Bischof von Chur), der Seidnitzer und Sigl nahestand. Nach der bischöflichen Anerkennung durch Bischof Eduard Kojnok wurde die Gruppierung zu «Pro Deo et fratribu – Familie Mariens der Miterlöserin» umbenannt. Das Ziel der Laienbewegung war dabei, die verfolgte Kirche in Osteuropa geistig und materiell zu unterstützen. Heute besteht sie aus zwei Zweigen: die Vereinigung «Pro Deo et Fratribus» auch bekannt als Familie Mariens und dem «Werk Jesu des Hohenpriesters» (auch Opus J.S.S.). Seit Juni 2022 steht Seidl nicht mehr an der Spitze der Familie Mariens, da der Vatikan ein Dekret erlassen hat, dass seine Entlassung vorsieht und die Gemeinschaft zusammen mit dem Pous J.S.S. unter Aufsicht stellt. Diese Entscheidung wurde nach einem apostolischen Besuch des Bischofs Francesco im Jahr 2021 getroffen und damit erklärt, dass man einen blinden und bedingungslosen Kult des Gründers sowie eine mentale Manipulation und Mystifizierung der spirituellen Geschichte beobachtet habe. Seither ist der päpstliche Kommissar Msgr. Daniele Libanori, Weihbischof von Rom, für die Entscheidungen über die Familie Mariens verantwortlich, während Schwester Katarina Kristofova für den weiblichen Zweig zuständig ist.

Die Familie Mariens orientiert sich an der Liebe zu Maria, dem eucharistisch-priesterlichen Geist und der Treue zum Papst. Sie ist missionarisch orientiert und strebt nach «wahrer Ökumene».

Im Zentrum der Spiritualität steht die tägliche, eucharistische Anbetung. Die Priester sind für die Verkündigung, die Verwaltung, die Sakramente, die Pfarreiseelsorge, die Erziehung, die Bildung und Karitas, die Betreuung von Kindern und Jugendlichen und alten Menschen, die Begleitung von Familien und die Mission zuständig und werden dabei von den Laienbrüdern und -schwestern unterstützt.

Die Vereinigung hat rund 250 Mitglieder in 11 Länder und wird zurzeit von einem apostolischen Kommissar geleitet.

Die Kleriker der Familie Mariens sind auch Mitglieder der klerikalen Vereinigung päpstlichen Rechtes «Werk Jesu des Hohenpriesters».

Bereits in den 1990er Jahren verbreiteten sich besorgniserregende Nachrichten über die Familie Mariens. Im Juni 2022 wurde sie vom Vatikan wegen Verdacht des psychischen und spirituellen Missbrauchs unter Aufsicht gestellt. Dabei läuft eine Untersuchung gegen Sigl, wobei eine «Beendigung des Kontakts» zwischen ihm und den Mitgliedern angeordnet ist. Insbesondere der Personenkult und Sigl, die Unterwerfung und Instrumentalisierung von Menschen und der Kult um die Visionen der niederländischen Hellseherin Ida Peerdemann, welche eng mit Sigl befreundet war, werden dabei kritisiert. Peerdemanns Visionen wurden von der Kongregation für die Glaubenslehre wegen Nichtübereinstimmung mit der katholischen Lehre verurteilt. Diese Amsterdamer Erscheinungen der «Frau aller Völker», die in den Visionen von Peerdeman auftauchten, wurde verurteilt, wobei Pater Sigl den Kult aber weiterhin förderte, Wallfahrten animierte und Bücher zum Thema schrieb. Zudem habe Paul Maria Sigl vor seiner Priesterweihe Messen zelebriert, was gemäss dem kanonischen Recht verboten ist.

Obwohl es bisher keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch in der Familie Mariens gibt, ist die Geschichte der Gemeinschaft damit verbunden. Joseph Seidnitzer wurde wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen dreimal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sigl soll die kriminelle Vergangenheit seines spirituellen Vaters bewusst gewesen sein. Seidnitzer wurde von ehemaligen Anhängern als psychologischer Tyrann beschrieben, der sich selbst als Papst einer neuen Zeit sah. Auch der Gründer der Familie Mariens, Hnilica, ist scheinbar in mehrere zweifelhaften Geschäfte verwickelt gewesen, in denen angeblich enorme Geldsummen von der Vatikanbank nach Polen und Südamerika transferiert wurde. Im Zusammenhang mit dem Tod des Bankiers Roberto Calvi wurde er zudem wegen Entgegennahme gestohlener Güter zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt. Weiter trat Hnilica als Sponsor für die Visionen der Seherin Theresa Lopez auf, deren Touren anfangs 50 Millionen Dollar pro Jahr einbrachten.

Internetadresse: www.familiemariens.info/html/de/index.html

Schwestern der Familie Mariens Eppishausen
Schloss Eppishausen
Schlossstrasse 6
8586 Erlen

Kloster St Scholastika in Tübach
Kloster St. Scholastika
Schulstrasse 38
9327 Tübach

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