Maria 1.0 – Maria braucht kein Update
Die römisch-katholische Initiative Maria 1.0 – Maria braucht kein Update wurde 2019 von der Lehrerin Johanna Stöhr aus Schongau in Bayern gegründet. Anlass zur Gründung gaben die Aktionen von Maria 2.0, einer im selben Jahr begründeten Initiative. Diese fordert unter anderem die Aufhebung der Beschränkung von Kirchenämtern, die Abschaffung des Pflicht-Zöllibats und die Einführung der Ehe für alle in der katholischen Kirche. Maria 1.0 betont im Kontrast dazu die Wichtigkeit der Einhaltung traditioneller Aufgabenbereiche und kirchlicher Regeln. Trotz der gegensätzlichen Positionen der Initiativen beschrieb die Gründerin Stöhr Maria 1.0 nicht als Gegenbewegung zu Maria 2.0, sondern als «Fürbewegung für Gott»[1]. Ihr Bestreben sei es, dass «die Menschen wieder auf die Knie gehen und um Bekehrung beten»[2].
Seit 2021 wird die Initiative von Clara Steinbrecher (geb. 1997) und Jessica Brandstätter (geb. 1997) geleitet. Beide studierten an der katholischen Universität in Eichstätt in Bayern.
2022 expandierte Maria 1.0 in die Schweiz, wobei nach eigenen Angaben aus dem Jahr 2022 vier von 20 engagierten Frauen der Initiative in der Schweiz aktiv seien. In jüngeren Artikeln aus dem Jahr 2023 wird von bis zu insgesamt 50 aktiven Personen gesprochen. Im Vordergrund des Schweizerischen Engagements steht Carolin Brändle, die als Seelsorgerin im Werdenberg (Gem. Grabs, SG) tätig ist. Sie gestaltete im April 2022 im Namen von Maria 1.0 zusammen mit vier Mitstreiterinnen einen Workshop am Weltjugendtag in St. Gallen zum Thema «Würde und Befreiung der Frau».
[1] o. V. (2019). Schongauerin gründet «Maria 1.0». Merkur. Link: https://www.merkur.de/lokales/schongau/schongau-ort29421/schongau-johanna-stoehr-gruendet-maria-1-0-12283787.html
[2] Ebd.
Ausgangslage des Glaubensverständnisses der Initiative Maria 1.0 ist die Überzeugung, dass Maria als Symbol für den Status der Frauen in der katholischen Kirche keiner Überholung bedarf. Damit geht einher, dass die Initiative treu zur Lehre des Vatikans steht. Dies wird unter anderem in ihrem vierfachen Motto deutlich, in dem sie sich als marianisch, eucharistisch, Papsttreu und katholisch beschreiben. Konkret lehnen die Unterstützenden von Maria 1.0 die Ehe für alle sowie Schwangerschaftsabbrüche ab. Zusätzlich wird das Frauenpriestertum mit der Begründung abgelehnt, gegen die göttliche Ordnung zu sein. Laut Johanna Stöhr, der Gründerin der Initiative, befänden sich demnach die Befürwortenden auf dem «Holzweg». Stark kritisiert wird darüber hinaus der sogenannte Synodale Weg, ein Gesprächsforum der katholischen Kirche in Deutschland, das nach der MHG-Studie 2018 begründet und bis 2023 durchgeführt wurde. Insbesondere die dortige Unterstützung von Frauenrechten und homosexuellen Paaren wird von Maria 1.0 kritisch beäugt.
Maria 1.0 versteht sich als Netzwerk, aus dem Unterstützende verschiedene Aktionen starten können. Beispielsweise werden immer wieder Personen zu den sogenannten «Märschen fürs Leben» gesendet, um dort gegen Schwangerschaftsabbrüche zu demonstrieren.
Auf Social Media ist die Intiative auf Instagram, TikTok, YouTube, Facebook, X und Instagram Threads aktiv. Dort werden Meinungen zu verschiedenen Themen, wie beispielsweise dem synodalen Weg, oder auch praktische Lebenstipps, wie die Verwendung eines Rosenkranzes, geteilt.
Maria 1.0 ist mit dem Weltjugendtag verbunden, wobei sich kritisch eingestellte Personen darin bestätigt sehen, dass am Weltjugendtag konservative Meinungen dominieren.
Von kritischen Stimmen wird die Bewegung Maria 1.0 als Reformstopp-Initiative bezeichnet. So beschrieb die Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) Simone Curau-Aepli Maria 1.0 als Bewegung, die sich «gegen jede Veränderung» stelle[1]. Darüber hinaus bezeichnete der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Maria 1.0 als «eine katholische AfD-Variante»[2], was den radikalen und reform-feindlichen Charakter der Gruppe betont.
Kontrovers diskutiert werden können in diesem Kontext die Posts auf Social Media, auf denen feministische Frauenbilder als Abkehr ursprünglicher fraulicher Bestimmung portraitiert werden, denen man sich nicht fügen müsse.
Ebenso kritisiert wird die Äusserung der in der Schweiz für Maria 1.0 tätigen Carolin Brändle beim Workshop am Weltjugendtag zum Erscheinungsbild von Frauen. So sagte sie: «Es ist wie bei einem Bonbon. Wenn es schön verpackt ist, möchte ich es lieber essen.».
[1] Meienberg, E. (2022). Frauenbund kritisiert Maria 1.0 und Sexismus-Zitat. Kath.Ch. Link: https://www.kath.ch/newsd/frauenbund-kritisiert-maria-1-0-und-sexismus-zitat/
[2] O.V. (2023). Ex-ZdK-Präsident Sternberg: Synodaler Weg großer Erfolg. Link: https://www.katholisch.de/artikel/44214-ex-zdk-praesident-sternberg-synodaler-weg-grosser-erfolg
Auf der Website (Stand Juni 2024) wird aufgeführt, dass Maria 1.0 4.214 Unterstützende in und ausserhalb Deutschlands hat.
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