Kloster Nigredo

andere Namen: Honora Zen Kloster, Insopor Zen Akademie

Nigredo ist das lateinische Wort für «Schwärze» oder «schwarze Farbe». Der Name des Klosters soll an die «Konfrontation mit Schatten und Unbewusstem» erinnern. Die Webseite des Klosters führt weiter aus, wer dieser Konfrontation mutig begegne, könne zum «wahren Selbst» finden. (https://kloster-nigredo.ch)

Im Jahr 2014 wurde das Kloster Nigredo unter dem Namen Honora Zen Kloster vom Zen Mönch Marcel Reding gegründet. Reding wurde 1978 geboren, lernte zuerst Chemielaborant auf Wunsch seiner Mutter, schloss die Erwachsenenmaturität ab und besuchte die Universität Zürich. Mit 24 Jahren ging er nach Japan, um dort Zen-Mönch zu werden. Nach langer Zeit des Suchens fand er in Südkorea seinen Meister, Powha Sunim. Nach zehnjährigem Studium vollbrachte Reding eine 8-monatige Pilgerfahrt in Japan, um sich für die Ausbildung zu bedanken. In Einsiedeln liess er sich danach nieder, wo er sich in einem Dachstock in Einsiedeln als Bettelmönch der Meditation widmete, bis er 2014 schlussendlich das Honora Zen Kloster (später zu Insopor Zen Akademie umbenannt) gründete.

Im September 2025 hat Reding die Insopor Zen Akademie zu Kloster Nigredo umbenannt, und auch seine Lehren haben sich verändert. Der Wandel weg vom Zen Buddhismus, hin zum Katholizismus, sei durch persönliche Erlebnisse zustande gekommen. So wird auf der Webseite des Klosters festgehalten:

«Nach vielen Jahren der Suche entdeckte Meister Reding den christlichen Glauben wieder und fand darin das langersehnte Puzzleteil, die Mystik. Obwohl er um die halbe Welt gereist war, erkannte er plötzlich: Der Schlüssel zur Seele hatte die ganze Zeit direkt vor seiner Nase gelegen.» (https://kloster-nigredo.ch/meister-reding/)

Für Reding ist klar, dass die Seele im «Osten» die Sprache des Buddhismus spricht, die religiöse Erfahrung im «Westen» bediene sich jedoch an der Sprache des Christentums. Seine eigenen Erfahrungen als Zen-Mönch bezeichnet er als «Impfung, ein notwendiges Anstupsen», durch die er erst zur christlichen Mystik habe finden können.

Nach eigener Aussage übernahm Reding mit seinen Kindern gemeinsam den katholischen Glauben, was eine Scheidung sowie Eheschutz- und Sorgerechtsverfahren mit sich brachte. Die eigene Scheidungserfahrung fliesst in Redings neues Angebot ein, so bietet er heute «Scheidungsrituale für verletzte Männerseelen» und das «Männerhaus» als «Hilfe für Männer in Trennung und Scheidung» an.

Marcel Reding wohnt gemeinsam mit seinen Kindern im Kloster Nigredo in Reichenburg.

Obwohl der «Ordo Nigredo» des Klosters als «christlicher Orden in der Tradition der katholischen Kirche» beschrieben wird, sind Zen im Allgemeinen und Redings persönliche Geschichte als Zen-Mönch im Besonderen noch immer in den Lehren des Klosters präsent.

Die christliche Mystik bildet jedoch den Schwerpunkt des Klosters und die Webseite bedient sich katholischer Bildsprache.

Die Deutung von Gott als Vater und die Rolle des Vaters allgemein wird vermehrt hervorgehoben. Auch die Beziehung zur Mutter wird thematisiert: Reding lehrt, dass Männer einen «symbolischen Muttermord» begehen müssen, um sich von der «ursprünglichen, unbewussten Bindung an die Mutter» zu lösen. Erst nach diesem «Befreiungsakt» sei es für den Mann möglich eine selbstständige Persönlichkeit zu entwickeln und das «Vaterprinzip des Logos» zu aktivieren. Der Vater verkörpere nämlich das «Prinzip des Geistes, des strukturierten Denkens, der Differenzierung und des Gesetzes», während die Mutter für das «Emotionale, Gebärende, aber auch Festhaltende» stehe. (https://kloster-nigredo.ch/faq/)

Reding sieht die «Tragödie der modernen Gesellschaft» darin, dass viele junge Männer keinen «Initiationsprozess» durchgehen würden und dadurch von ihren Müttern abhängig blieben. Ein «Initiationsprozess/-ritual» weihe junge Männer in die Frömmigkeit in Form von religiöser Tradition und in Keuschheit in Form von Sexualität ein, wodurch sie dem «mütterlichen Chaos» entkommen können und so zu einem vollwertigen Mann würden.

Eine Scheidung wird von Reding als «unfreiwilliges Initiationsritual für den Mann» verstanden.

Das Initiationsritual für Frauen wird mit Mutterschaft gleichgesetzt, steht aber nicht im Fokus, da sich das Angebot des Klosters an Männer richtet. (https://kloster-nigredo.ch/faq/)

Die Bewohnenden des Klosters besuchen sonntags jeweils gemeinsam den lokalen, katholischen Gottesdienst.

Das Kloster hat eine Liste an Regeln, die eingehalten werden müssen:

  • Freiwilliger Gehorsam
  • Diskret!
  • Sie fügen sich dem Klosterleben an, nicht umgekehrt.
  • Seien Sie still und aufmerksam.
  • Vergeuden Sie nicht ihre eigene Zeit und die der Anderen.
  • Reduzieren Sie Worte und persönliche Bedürfnisse auf ein Minimum.
  • Wählen Sie ihre Worte und Handlungen sehr bewusst und konsequent.
  • Respektieren Sie die Hierarchie – Seniorität.
  • Respektieren Sie das Alter.
  • Seien Sie kein Hindernis für andere und sich selbst.
  • Hinterlassen Sie jeden Ort sauber und aufgeräumt.
  • Seien Sie pünktlich.
  • Während des Essens wird gegessen, während der Arbeit wird gearbeitet, etc.
  • Schützen Sie ihre Privatsphäre, indem Sie nicht zu viel von sich selbst erzählen.
  • Schützen Sie sich und andere, indem Sie ein gutes Vorbild sind und eigenverantwortlich ihre Rolle und Situation verstehen.
  • Kein Feuer!
    (https://kloster-nigredo.ch/etikette/)

Bei Interesse kann im Kloster Nigredo ein Klosteraufenthalt unterschiedlicher Dauer durchgeführt werden. Aufgrund der beschränkten Räumlichkeiten können jeweils maximal 10 Leute im Kloster wohnen.

Jeweils Anfang Februar oder September ist für Männer der Eintritt ins Klosterjahr, das sogenannte Noviziat, möglich. Das Kloster vertritt die Ansicht, dass die «Reise zur Wahrheit» durch «eigene Anstrengungen» erreicht werden muss, weshalb der Empfang im Kloster eher einer Zurückdrängung als einer Einladung gleiche. Ein neuer Schüler muss deshalb drei ganze Tage lang in Verbeugung vor dem Tor des Klosters verharren, bevor er jeweils abends im Gästezimmer übernachten darf. Als zweiter «Prüfstein» muss der Schüler vier Tage lang im abgelegenen Gästezimmer meditieren. An jedem Morgen dieser vier Tage muss der Schüler dem Obermönch für seine Gastfreundschaft danken. Besteht der Schüler die beiden «Prüfsteine», werden ihm die Kopfhaare abrasiert und er wird ins Kloster aufgenommen. Von den Novizen wird Abstinenz von Masturbation und Pornografie erwartet.

Dieses Aufnahmeverfahren bezieht sich auf katholische und Zen-buddhistische Traditionen. Zur heutigen Zeit gestaltet sich die Aufnahme in ein reguläres katholisches Kloster jedoch ohne solch körperlich und psychisch herausfordernde «Prüfsteine». (https://kloster-nigredo.ch/noviziat-maennerschmiede-klosterjahr/)

Das Kloster fungiert auch als sogenanntes «Männerhaus». Es unterstützt Männer nach eigener Aussage bei Themen wie:

  • Verarbeitung von Trennung und Scheidung
  • Umgang mit emotionaler Belastung, Verlust und Konflikten
  • Beziehung und Kontakt zu den eigenen Kindern
  • Neuorientierung im persönlichen und beruflichen Leben
  • Aufbau eines stabilen Alltags nach der Trennung
  • Persönliche Entwicklung und Selbstreflexion
    (https://kloster-nigredo.ch/maennerhilfe-trennung-scheidung/)

Die Exerzitienwoche wird jeweils in der ersten Woche des Monats angeboten und richtet sich an Menschen, die eine «ernsthafte spirituelle Auszeit» suchen. Im Mittelpunkt der Woche stehen laut Kloster folgende Themen:

  • Meditation und Stille
  • Gebet und christliche Mystik
  • Kontemplation und Selbstprüfung
  • Klösterliche Arbeit und Einfachheit

Die Woche beinhaltet Tageswanderungen, Arbeit im Haushalt, gemeinsame Mahlzeiten, Meditation und Gartenarbeit.
(https://kloster-nigredo.ch/exerzititenwoche-kloster-schweiz/)

Zweimal im Jahr, jeweils im Januar und im August, findet die Bergwoche mit dem sogenannten Initiationsritual für Männer statt. Auch diese Woche beinhaltet Tageswanderungen, Arbeit im Haushalt, gemeinsame Mahlzeiten und Gottesdienstbesuche, Meditation und Gartenarbeit.

Vom Freitagabend bis Sonntagnachmittag findet im Kloster die Vater-Kind Meditation statt. Das Programm wird dabei jeweils an die Kinder angepasst, es finden gemeinsame Mahlzeiten, Meditationen und Bibelrezitationen statt.

Jeden Donnerstag um 5 Uhr findet eine Online-Meditation mit Zen Meister Reding über Zoom statt. Das gleiche Angebot wird jeweils montags um 20 Uhr auf Englisch durchgeführt.

Am letzten Mai und Oktober Wochenende findet jeweils eine Pilgerwanderung statt. Die Wanderung führt vom Kloster Einsiedeln zum Kloster Nigredo in Reichenburg über den angeblich «ersten Pilgerweg des Zen in Europa».

Jährlich am letzten Samstag im Juni von 10 bis 17 Uhr öffnet das Kloster seine Türen für Interessierte und lädt zum Grillieren ein.

Das Kloster Nigredo ist als Einzelfirma eingetragen, mit Marcel Reding als Inhaber. Als Firmenzweck wird Folgendes angegeben: «Führung eines Klosters mit Schwerpunkt auf christlicher Mystik und Zen sowie Erbringung der damit verbundenen Dienstleistungen; Tätigkeit als Trauer- und Hochzeitsredner; Organisation und Durchführung von Seminaren, Kursen und Veranstaltungen; Publikation von Inhalten sowie Handel mit Waren aller Art, insbesondere Büchern, Kunst- und Kulturgegenständen.» (https://www.moneyhouse.ch/de/company/kloster-nigredo-garten-gethsemane-reding-19329147411)

Folgende Preise werden für die Angebote des Klosters verlangt:

  • Exerzitienwoche:
    • 150 CHF/Tag
    • 700 CHF/Retreat
  • Klosteraufenthalt:
    • 100 CHF/Tag
    • Fr-So: 300 CHF/Tag
    • 1 Woche: 700 CHF
    • 2 Wochen: 1000 CHF
    • 1 Monat: 1500 CHF
  • Bergwoche mit Initiationsritual:
    • 600 CHF/Retreat
  • Vater-Kind Meditation:
    • 250 CHF/Meditationswochenende
    • 50 CHF/Kind ab 12 Jahren
  • Noviziat:
    • Kosten nach Absprache
  • Pilgerwanderung:
    • 100 CHF

Auf der Webseite kann zusätzlich gespendet werden.

Reding vermittelt eine extrem konservative Haltung, dies in Bezug auf eher moderne Erscheinungen, wie Vegetarismus, Veganismus oder andere Formen von Diäten. Aber auch in Bezug auf feministische Themen, hat Vater Reding eine stark konservative Haltung, welche auch in seiner klaren Vorstellung, wie ein Mann und wie eine Frau sei und aufgrund dessen, wie die Rollenverteilung zwischen Frau und Mann zu sein hat, sichtbar ist. Diese radikalen Ansichten werden an folgenden Beispielen aufgezeigt:

  • Aufrechterhalten sexistischer Dualismen: Die vom Kloster vermittelte Weltansicht teilt scharf zwischen Mann und Frau und schreibt beiden «Seiten» spezifische Attribute und Charaktereigenschaften zu. Ein Spektrum zwischen oder jenseits der Kategorien «Mann» und «Frau» wird entschieden ausgeschlossen. Mit dem Mann/Vater werden Schlagworte wie strukturiertes Denken, Logos, Differenzierung, Gesetz und Geist assoziiert, während die Frau/Mutter als emotional, gebärend sowie «festhaltend» gilt und mit Chaos in Verbindung gebracht wird. Reding verfestigt dadurch sexistische Dualismen, die lange Tradition haben: Die Frau wird auf ihren Körper und ihre Gebärfähigkeit reduziert, während dem Mann als «rationaler Mensch» Legitimation zugesprochen wird.
  • Feminismus und politischer Aktivismus: Feminismus, die 68er Bewegung und sogenannter «Wokeismus» werden auf der Webseite des Klosters als «Hysterie und Wahnvorstellungen» bezeichnet. Sie seien unter anderem schuld daran, dass Jungen Mutterkomplexe entwickeln, wodurch verhindert werde, dass Jungen zu «geordneten, reifen Männern» heranwachsen. (https://kloster-nigredo.ch/faq/ & https://www.youtube.com/channel/UC6K3MRSApzeUoHN2h6zTVkQ)
  • Starke Regelhaftigkeit ohne Kompromisse: «Wir essen, was auf den Tisch kommt (Milchprodukte, Getreide, Gemüse, Fleisch, Fisch (etc.) und sind dankbar! Es gibt keine Ausnahmen!» Der letzte Satz, auf der Webseite in Rot geschrieben, lässt nicht an der Glaubwürdigkeit dieser Aussage zweifeln. Sind dann Menschen mit bestimmten Essensunverträglichkeiten und Allergien einfach von Anfang an von der Teilnahme am Tempelleben ausgeschlossen? Auch wird keine Offenheit gegenüber Vegetarier und Vegetarierinnen und/oder Veganer/Veganerinnen praktiziert. (https://kloster-nigredo.ch/etikette/)
  • «Männer im Gebet»: Diese bewusste Aufforderung explizit Männer zum Beten zu bringen, wird vom Zen-Mönch Marcel Reding aktiv gefördert mit der Rechtfertigung, dass Mütter das Leben geben und Väter die Richtung des Lebens zeigen. «Ohne Väter wuchert das Leben unkontrolliert in alle Richtungen. Mit einem Fuss im Chaos, mit dem anderen in der Ordnung […]» Diese Ansicht, wie auch die Ansicht, dass Männer in Bezug auf die Sünde – welche laut Reding dann geschieht, wenn man metaphorisch mit einem Pfeil das bekannte Ziel verfehlt hat – aufgrund ihres männlichen Wesens die Sünde nicht persönlich, sondern als Herausforderung nehmen (wörtl. «Da wir Männer sind, nehmen wir dies auch nicht so persönlich, sondern verstehen es als Ermutigung, besser zu zielen und zu treffen»), läuft Gefahr, Stereotypen (wie «der draufgängerische Mann», «der Herausforderer», «der Mann in Kontrolle», «der Patriarchat») zu reproduzieren. Zugleich reproduziert er, ohne es klar zu benennen, den Stereotypen, dass Frauen «alles persönlich nehmen und somit zu emotional reagieren», um mit den eigenen Sünden umzugehen. (https://kloster-nigredo.ch/maenner-im-gebet//).
  • Auch in den Videos werden klare Rollenverteilungen von Vater und Mutter/ Ehemann und Ehefrau vermittelt. Man solle auf den Willen des Vaters und auf die Intuition der Mutter hören. Der Vater bestimme die Richtung, die Mutter gebe Leben. In derselben Predigt behauptet Reding, dass in einer vaterlosen Gesellschaft, einer Gesellschaft, die nur von alleinerziehenden Müttern erzogen wurde, nur Narzissten und Egoisten hervorgebracht würden. Vaterlose Familien seien verdammt.
    Kinder bräuchten den Körper der Mutter und den Geist des Vaters. Dies wiederum reproduziert die Rolle der passiven Mutter, welche nur auf ihre Intuition – in anderen Worten auch Instinkt – hören soll und der Vater, dessen Willen im Zentrum steht, dem man gehorchen muss. Eine gute Ehefrau gebe ihren Geist ihrem Mann, und ein guter Ehemann gebe seinen Körper der Frau.
    (Predigt von Vater Reding: https://www.youtube.com/watch?v=mXAu58LjFGg)

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass in den Predigten und Veröffentlichungen Stereotypen über Männer und Frauen unreflektiert reproduziert und sexistische Dualismen festgeschrieben werden.

Kloster Nigredo
Ussbergstrasse 26
8864 Reichenburg

Webseite:
https://kloster-nigredo.ch

YouTube:
https://www.youtube.com/@kloster-nigredo/videos

 

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