Crossbearers / Kreuzträger

Internationaler Name: Operation Reformation

Älterer Name: Operation Reconquista

Crossbearers oder deutsch Kreuzträger sind der europäische Arm der internationalen Bewegung Operation Reformation, früher Operation Reconquista.

Gründer der Operation Reconquista ist der US-Amerikaner Richard Ackerman (geb. 2002). Ackerman  ist in einem nichtreligiösen jüdischen Elternhaus aufgewachsen, hat sich als 14jähriger zu einem evangelikalen Christentum bekehrt und wurde dann in der presbyterianischen Kirche aktiv.

Bekannt wurde er durch seine YouTube-Kanäle, auf welchen er u.a. Minecraft spielte und dabei theologische Fragen diskutierte. Im Jahr 2022 fand sein Kanal «Redeemed Zoomer» weite Verbreitung.

Im Jahr 2023 begründete Richard Ackerman die «Operation Reconquista», eine Bewegung, die das Ziel hat, die grossen, liberal geprägten protestantischen Kirchen wieder zu einem evangelikalen Christentum zu führen.

Ebenfalls im Jahr 2023 wurden die Crossbearers resp. Kreuzträger als europäischer Arm von Operation Recoquista gegründet. Auf der internationalen Website werden die Crossberars als «European Reconquista» vorgestellt. Leitende Figur ist Jorge Mario Monsalve Guaracao, der in Dresden aktiv ist.

Im Jahr 2026 benannte sich die Operation Reconquista in «Operation Reformation» um, allerdings bisher sehr unvollständig, die Domain, das Symbol und zahlreiche Links auf der Website tragen noch den alten Namen.

Operation Reformation und Crossbearers vertreten einen evangelikalen Glauben.

Ziel ist es aber nicht, diesen in einer bestehenden oder neu zu gründenden Freikirche zu leben, sondern ihn in die grossen, vom Liberalismus geprägten Kirchen einzubringen.

Das Motiv dieses Vorgehens wird so beschrieben: «Mainline Churches are the well-established ones … Even if they are mostly apostate, they have so much stuff that would be so much glorifying to God if re-taken by Christians. Modern Evangelicals will never be able to rebuild anything as great» (https://www.operationreconquista.com/blank-1).

Beispiele dieses «great» «stuff», den Freikirchen aus Sicht von Operation Reformation nicht aufbauen könnten, sind «historical buildings in big cities», «seminaries» und «cultural connections».

Der Glaube von Operation Reformation und Crossbearers wird in 95 Thesen wiedergegeben, die in unterschiedlichen Zweigen der Bewegung in verschiedenen Varianten erscheinen. Während die betont konservativen Werte überall identisch sind, unterscheiden sich die theologischen Aussagen, z.B. zum Abendmahlsverständnis, je nach Kirche, in welcher Einfluss genommen werden soll.

In der deutschsprachigen Fassung der 95 Thesen, wie sie die Crossbearers verbreiten, wird ein lutherisches Abendmahlsverständnis gelehrt.

Sprachlich sind die 95 Thesen von einer fundamentalistischen, betont dualistischen und z.T. auch radikalen Diktion bestimmt, die sich erheblich von den Glaubensbekenntnissen moderner Freikirchen unterscheidet. Als Beispiel dienen die Punkte 38 und 39 zum Primat des Glaubens über den Verstand:
«38 Wenn die Vernunft vom Glauben geleitet wird, wird sie von Gott gebraucht, um unser Herz von teuflischer Irreführung zu reinigen, indem wir über die göttliche Offenbarung nachsinnen.
39Wenn die Vernunft vom Unglauben geleitet wird, wird sie vom Satan gebraucht, um unser Herz zu verfinstern, indem er Zweifel über die Aussagen Gottes sät.»

Kindertaufe und Frauenordination werden akzeptiert, zur Evolutionstheorie gibt es keine einheitliche Haltung, so hat Richard Ackerman für eine Variante der theistischen Evolution plädiert.

Scharf abgelehnt werden interreligiöse Veranstaltungen und die Austeilung des Abendmahls an Ungetaufte. Abtreibung und Sterbehilfe werden ebenso verworfen.

Sexualität ausserhalb der heterosexuellen Ehe wird abgelehnt: «75. Ausnahmslos ist der Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe eine schwere Sünde, die den menschlichen Körper verunreinigt.»

Transmenschen werden pathologisiert und aufgerufen, sich mit ihrem bei der Geburt festgestellten Geschlecht zu identifizieren; «71. Menschen mit Störungen der Geschlechtsentwicklung sind immer noch in der von Gott bestimmten Gestaltung der Menschheit als Mann und Frau eingeschlossen. Deshalb ist es für uns Menschen sowohl heilsam als auch geboten, uns mit unserem gegebenen biologischen Geschlecht zu identifizieren, soweit es erkannt werden kann.
Bei dieser Zuweisung von Menschen auf das bei der Geburt festgestellte Geschlecht soll auch die Kirche aktiv mitwirken: «72. Die Kirche sollte denen Liebe erweisen, die unter Identitätsstörungen leiden, indem sie sie daran erinnert, dass sie wunderbar von Gott gemacht worden sind. So hilft sie ihnen, sich mit ihrem Körper als Geschenk Gottes zu versöhnen.»

Die «Ehe für alle» wird mit schrillen Tönen verworfen: «83. Der öffentliche Bund einer widernatürlichen sexuellen Vereinigung wird vom Herrn verdammt; wer ihn segnet, begeht Verrat, indem er sich über das göttliche Gesetz erhebt.»

Operation Reformation und Crossbearers wollen Kirchgemeinden der grossen protestantischen Kirchen in ihrem Sinn umgestalten.

Dafür werden Kongresse organisiert, so im Jahr 2025 und 2026 in Wittenberg.

Auf der Website von Crossbearers erscheint eine «Kirchenkarte» die Gemeinden enthält, die Crossbearers empfiehlt.

Für diese Karte können vom Publikum Gemeinden angemeldet werden, die dann von Crossbearers daraufhin überprüft werden. Ausschlusskriterien sind u.a.: «Vorsätzliche Vernachlässigung der Heiligen Schrift im Interesse einer gesellschaftspolitischen Agenda, Leugnung der verbindlichen Autorität der Heiligen Schrift, Offene Bejahung der sexuellen Unmoral, Universalismus / Synkretismus mit anderen Religionen, Leugnung der Jungfrauengeburt oder der leiblichen Auferstehung Jesu».

Besteht eine Gemeinde diesen Test, kann sie aufgeführt werden. Für die Schweiz sind zurzeit 18 Gemeinden verzeichnet, wovon aber drei unabhängige Gemeinden ausserhalb der grossen Kirchen darstellen, was der Philosophie von Crossbearers eigentlich diametral widerspricht. Daneben finden sich 14 reformierte und eine anglikanische Gemeinde. Unter den reformierten Kirchgemeinden werden manche aufgeführt, welche freikirchennah positioniert sind.

In der Schweiz ist zurzeit eine reformierte Kirchgemeinde bekannt, welche den Prinzipien der Crossbearers nachlebt.

Zudem werden auf der Website von Crossbearers 18 Kirchgemeinden in der Schweiz empfohlen, wovon drei ausserhalb der grossen Kirchen stehen, eine ist anglikanisch und 15 reformiert. Wie weit die aufgeführten reformierten Kirchgemeinden Beziehungen zu Crossbearers unterhalten, ist völlig offen. Für die Aufnahme auf die Liste ist eine solche Beziehung kein Erfordernis, es zählt der passende Glaube, siehe unter «Aktivitäten».

Operation Reformation und Crossbearers sind umstritten wegen ihres Versuchs, Kirchen mit anderer theologischer Ausrichtung zu übernehmen, wegen der fundamentalistischen und z.T. martialischen Rethorik, wegen des betont kämpferischen, unversöhnlichen Auftretens, das nicht an Jesus Christus, sondern an üble Zeiten der Kirchengeschichte («Reconquista») erinnert, und wegen problematischer Aussagen zu LGBTQ-Personen.

Kritisiert wird auch die fehlende Transparenz, die undurchsichtige Struktur der Bewegung, die über die beteiligten Personen kaum etwas Konkretes preisgibt. Dieses Vorgehen erinnert an problematische Strategien im politischen Bereich.

Operation Reformation
https://www.operationreconquista.com/

Crossbearers / Kreuzträger
https://crossbearers.eu/de/

 

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